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Nicole Mon Amour | Untergrund-Blättle

4635

Nach dem Spaziergang Nicole Mon Amour

Prosa

Martin war wieder zuhause und setzte sich zu ihr. Hallo meine Süsse! Nicole sass da und verzog keine Miene. Hast du mich vermisst? Sie antwortete nicht.

20. März 2018
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Martin erhob sich von der Couch und machte sich einen Drink. Oder besser gesagt, er kippte einen kleinen Schuss Cola in seinen Rum. Er gesellte sich wieder zu ihr auf die Couch. Sie sass steif da und zeigte keine Regung.

Hattest du einen schönen Tag?
Ja, den hatte ich, antwortete sie endlich.
Fein, ich auch. Ich bin draussen ein bisschen rumgelaufen, war kurz in der Stadt, da bin ich auch ein wenig rumgelaufen, dann später war ich am Fluss, dort hab ich eine Weile am Deich gesessen, und jetzt bin ich wieder hier bei dir. Freust du dich denn, mich zu sehen?
Ja, ich freue mich, antwortete sie kalt, schaute ihn aber nicht an, sondern blickte starr zur Wand.
Er betrachtete ihr hübsches Gesicht und nahm dann einen kräftigen Schluck.

Möchtest du auch einen Drink meine Liebe? Ach ich vergass, du machst dir ja nichts aus Alkohol.

Sie würdigte auch dies mit keiner Antwort.

Er stellte sein Glas ab, und gerade als er ihr ganz vorsichtig die Hand auf den Schenkel legen wollte, klingelte es.

Na toll, perfektes Timing, raunte er, erhob sich träge und ging zur Tür. Es war Nadine. War etwa schon wieder Mittwoch?
Na Bruderherz, begrüsste sie ihn mürrisch. Boah, müffelt das hier, könntest du hier nicht mal lüften? Hallo Nicole! Nicole blieb stumpf auf der Couch hocken und ignorierte Nadine. Du könntest die Wohnung hier ruhig mal ein bisschen besser in Schuss halten, stichelte Nadine spöttisch.
Absolut keine Reaktion von Nicole.

Lass sie, zischte Martin. Was willst du von ihr?
Mann von ihr will ich gar nichts. Ich will nur wissen, was mit DIR los ist! So kannst du doch nicht leben. Andere Leute verlieren auch ihre Jobs, im Grunde verliert ja fast jeder irgendwann mal seinen Job, aber keiner lässt sich so gehen wie du. Guck dir bloss mal an, wie es hier aussieht.
Ist doch meine Sache.
Ja, ja, ich hab auch keine Lust mehr mir immer wieder den Mund fusselig zu reden.
Dann lass es doch.

Sie seufzte.
Übrigens mal was anderes, ne Arbeitskollegin, ne wirklich nette ist gerade Single geworden. Ich könnte dir ihre Nummer geben, wenn du willst? Sie ist hübsch, also jetzt nicht superhübsch, aber wirklich ganz niedlich …
Findest du das nicht etwas unpassend vor Nicole.

Nadine schaute schnippisch zu ihr hin. Diese starrte sie direkt an. Irgendwie machte Nicole ihr Angst.

Ja, natürlich ich vergass, entgegnete sie kopfschüttelnd. Du bist doch …
Was?

Sie sprach es nicht aus.

Nichts, du musst ja wissen, was du tust. Mehr als dir die Nummer anbieten kann ich nicht.
Ja danke, aber nein. Nicole und ich sind glücklich zusammen, auch wenn du das nicht nachvollziehen oder akzeptieren kannst.
Ja, ja schon gut, es ist dein Leben, ich misch mich da nicht mehr ein.
Du mischst dich jedes Mal ein, wenn du mittwochs hier vorbeikommst.
Entschuldige, ranzte Nadine und konnte ihre Tränen jetzt kaum noch zurückhalten. Ich mach mir doch nur Sorgen, und ich werde euch schon nicht mehr belästigen.

Martin schritt auf sie zu.

Verzeih, ich finde es ja gut, wenn du dich sorgst und immer mal reinschaust und guckst wie es mir so geht. Aber jedes Mal sage ich dir auch, dass alles in Ordnung ist … Uns geht’s gut hier, nun glaub mir das doch endlich.

Nadine schniefte einmal dezent und wischte sich mit einem abgegrabbelten Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht.

Schon gut, sagte sie noch immer ein wenig beleidigt. Ich muss jetzt auch wieder.
Ja, okay, komm gut nach Hause, und grüsse Vater. Wir sehen uns nächsten Mittwoch ja?
Ja, vielleicht, mal schauen.
Willst du Nicole nicht auf Wiedersehen sagen?
Nein Martin, und sei mir nicht böse, ich kann das nicht mehr.
Wie du meinst.
Nadine ging.
Sie waren wieder allein. Martin setzte sich zu ihr auf die Couch.

Hallo Nicole, wie geht es dir?
Mir geht es gut, antwortete sie.

Er legte ihr die Hand auf den Schenkel und küsste ihre synthetischen Lippen, während ihre glasigen Augen einen toten Punkt an der Wand fixierten.

Jörn Birkholz

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