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Der Notenknaller | Untergrund-Blättle

Prosa

Jörn Birkholz Der Notenknaller

Prosa

Schwarz-Weiland war meine letzte Chance, daher machte ich mir keine grossen Hoffnungen. Ein verdammter Punkt würde reichen, um nicht hängen zu bleiben. Nur ein Punkt! Was würde ihr das schon ausmachen?

28. April 2013

28. 04. 2013

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Der Gong dröhnte verzerrt durch die Lautsprecher, die ich immer noch nicht entdeckt hatte, obwohl ich schon zwei verdammte Jahre auf dieser Schule war. Die ganze Pause hatte ich dämlich vor der Tür gestanden. Die ersten Streber trabten an: Wiebke, Karola und Sebastian. Sebastian war geschlechtslos. Wenn er sich ereiferte, bekam er immer rote Backen. Karola und er waren Lern- und Hausaufgabenfreunde. Karola war lang und dürr, und aus ihrem trübsinnigen Gesicht blickte eine solche Unaufgeschlossenheit, dass man es kaum für möglich halten konnte. Wiebke war Alternativöko und scheinsozial, sie trug lange Schlabberpullover, und fast jeden Tag ein anderes buntgeblümtes Tuch um den Hals.

Ihr Gesicht war mit einem Meer von Aknepickeln verziert, und ihre Glubschaugen waren ständig wässrig, als würde sie dauernd heulen. Ich glaube, sie stand auf mich, worauf ich mir nichts einzubilden brauchte, denn sie stand auf jeden, nur leider stand keiner auf sie. Ihre hemmungslose Akne, und dass sie ihre enormen Brüste unter geschmacklosen Monsterpullovern versteckte, war nicht gerade hilfreich. Sie kam auf mich zu.

»Heute wird’s ernst für dich, stimmt’s?«
»Ja.«
»Meinst du, Schwarz-Weiland ändert deine Note noch?«
»Keine Ahnung. Ich brauch vier Punkte, einer fehlt.«
»Und deine anderen Fächer? Kannst du bei denen noch was rausholen?«
»Mathe Fünf minus und Geschichte ’ne glatte Fünf, keine Chance. Es bleibt nur Chemie.«
»Aber Schwarz-Weiland hasst dich.«
»Nicht zu ändern, die anderen lieben mich auch nicht gerade.«
Sie lächelte mitleidig, das fehlte noch. Mein Kumpel Sören kam an und warf seinen Rucksack lässig gegen die Klassentür.
»Schwarz-Weiland noch nich da?!«
»Nein!«, sagte ich. »Wieso schwänzt du nicht, Noten sind doch schon vergeben?«
Er grinste.
»Wie du die Alte heute bearbeiten willst, das lass ich mir doch nicht entgehen.«
»Ich werde nur betteln und an ihre mütterlichen Instinkte appellieren, ausserdem will sie das Ganze in der Gruppe diskutieren, was für ’n Schwachsinn.«
»Das wird bestimmt lustig.«
»Fick dich!«
»Na, Scarlett, alles klar bei dir?«, wandte er sich jetzt an Wiebke.
»Du bist so n Arsch!«

Auf Sören stand Wiebke ganz besonders, er wusste das, und genoss es, sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu kompromittieren und zu quälen.
Die Letzten trafen ein: Vanessa, Steffen und Ingo. Von der verdammten Schwarz-Weiland keine Spur. Vanessa war eine der vier Jahrgangsschnitten: stupsnasiges Engelsgesicht, blondiert sportlicher Typ, stand ausschliesslich auf sportliche Exemplare mit ausdruckslosem Gesicht. Steffen entsprach genau, nur war er nicht an ihr interessiert. Ingo war ein Neutrum und Steffens bester Kumpel, er zeichnete sich durch gar nichts aus, ausser vielleicht, dass er sich zweifellos gelegentlich auf Vanessa einen runter holte. Ingo hatte weder eine Ein- noch eine Ausstrahlung. Er war nicht besonders clever und hatte überhaupt keinen Humor, oder vielleicht nur seinen eigenen, den er auch nur selber verstand. Als allerletzter traf Benedikt ein.

Er war Gothic, absoluter Einzelgänger und sprach nur selten. Dennoch überraschte er einen zuweilen mit interessanten Anekdoten. Von ihm erfuhr ich beispielsweise Begebenheiten wie die vom feuchtfröhlichen Schlossfest der Familie Batthyány in Rechlitz, wo Gastgeber und Gäste 1945 spontan hundertachtzig Juden "erlegten". Über Benedikt, sprich über seine Eltern gab es zwei Schulgerüchte, das eine: sein Vater sei ein hohes Tier bei einer rechtspopulistischen Partei; das andere: seine Mutter habe sich umgebracht, indem sie mit ihrem Wagen nachts absichtlich in den Gegenverkehr gerast sei, und dabei einen Fiat mit einer jungen Fahranfängerin zerfetzt habe. Aber wie das bei Gerüchten eben so ist, vielleicht stimmten beide, vielleicht auch keins von beiden.

Endlich kam Schwarz-Weiland. Alle griffen sich ihre Taschen. Wortlos schloss sie die Tür, wir folgten ihr. Nachdem sie ihre Tasche auf dem Pult abgelegt hatte, schaute sie in die Runde. »Guten Morgen. Das ist ja schön, dass sich einen Tag vor Ferienbeginn alle noch einmal hier eingefunden haben.« Ein leichtes fadenscheiniges Lächeln zeichnete sich auf ihrem glänzend geschminkten Gesicht ab. Schwarz-Weiland war ungefähr vierzig und eine gewöhnliche Frau, die mit einem Hauch von Attraktivität gesegnet worden war, den knapp achtzehnjährige Schüler aufgrund des Altersunterschiedes nicht bemerkten. Sie war langweilig und ein wenig labil. Für meine Begriffe war sie für den Beruf des Lehrers nicht unbedingt geschaffen. »Da wir alle Unterrichtseinheiten durch haben, sollte da heute wohl noch eine Sache diskutiert werden ...« Eine "Sache"!

»Ja!«, preschte ich vor. »Ich wollte noch mal über meine Note reden.«
»Ja, verstehe, ich weiss nur nicht, was das bringen soll, meine Entscheidung steht«, sagte sie und sah mich nicht direkt an, vielmehr schaute sie links an mir vorbei. »Aber bitte, wir können das gerne noch einmal in der Runde diskutieren.«
»Wir brauchen das nicht in der Runde diskutieren, ich brauche eigentlich nur einen Punkt mehr. Es wäre sehr nett, wenn sie mir den geben würden.«
»Wenn der ’n Punkt mehr kriegt, will ich auch einen mehr«, stichelte Sören.
»Halt’s Maul!«, zischte ich.
»Ich denke«, sagte sie, »wir sollten uns zunächst einmal alle im Kreis zusammen setzen, dann lässt’s sich vielleicht auch besser reden.« Mir und allen anderen war nicht klar, was eine runde Sitzanordnung ändern sollte, aber Schwarz-Weiland sollte ihren Willen haben. Alle griffen sich träge ihre Stühle und trugen, beziehungsweise schleiften sie geräuschvoll über den Boden, bis so etwas Ähnliches wie ein Kreis (eher ein Ei) zustande gekommen war. Ich setzte mich als erster und Schwarz-Weiland setzte sich genau mir gegenüber.

»Na seht ihr, so ist es besser und so lässt sich auch sicher besser diskutieren«, verkündete sie, als sich endlich auch alle übrigen wieder gesetzt hatten. »Also, Max«, wandte sie sich plötzlich herausfordernd an mich, »wie ich dir bereits letzte Woche gesagt habe; mehr als drei Punkte kann ich dir beim besten Willen nicht geben. Deine Leistungen in diesem Halbjahr waren einfach zu schlecht, als dass ich dir ein "Ausreichend" geben könnte, tut mir leid.«
»Ja, mag sein, nur, wie gesagt, bloss ein Punkt mehr würde reichen, um nicht hängen zu bleiben. Sie täten mir damit einen wirklich grossen Gefallen.«
»Zunächst einmal bin ich nicht Lehrerin geworden, um Schülern einen Gefallen zu tun. Wenn jemand, und in diesem Fall du, nicht die nötige Leistung erbringt, dann kann ich ihm auch nicht einfach so die Punkte hinterherwerfen.«
»Sie sollen mir die Punkte nicht hinterherwerfen, es geht doch nur um einen blöden Punkt«, sagte ich patzig und sicher taktisch unklug. Ich schaute seitlich zu Sören, der in sich hineingrinste.
»Ich glaube, so kommen wir nicht weiter ... möchten die anderen sich vielleicht dazu äussern«, fragte Schwarz-Weiland.

Stille. War ja klar. Was konnte man von diesem Haufen schon erwarten. Für alle war das Schuljahr bereits gelaufen und zwar mehr oder weniger im positiven Sinne. Nur ich war mal wieder der Gearschte. Seit nunmehr zwölf Jahren war mein Gehirn mit Unsinn vollgestopft und mit Unwesentlichkeiten gefüttert worden, die ich dann wieder in Form von dämlichen Klausuren auskotzte, um wiederum Platz für die nächsten Banalitäten zu machen. Wie ein Flaschenzug funktioniert, warum die Blätter grün sind, dass Phosphor nicht gut mit Wasser kann, warum es in einigen Regionen der Welt grössere Pinguine als in anderen gibt, aus wie vielen Chromosomen der verdammte Mensch besteht, alles das wusste ich, und doch wusste ich im Grunde gar nichts.

»Ich mein«, nuschelte Wiebke plötzlich vor sich hin, »das ist natürlich Scheisse für Max, jetzt so kurz vor dem Ziel zu scheitern, und das wegen nur einem Punkt. Ich wäre da an seiner Stelle sicher völlig fertig.«
»Ich würd mich umbringen, wenn ich das scheiss Jahr wiederholen müsste, oder Amok laufen, oder beides«, warf Sören, der Bastard, frech grinsend in die Runde und schob sich darauf genüsslich einen Kaugummi in den Mund. Ingo und Steffen lachten wiehernd. Obwohl das nicht Ingos richtige Art zu lachen war, hatte er sich der Bequemlichkeit halber Steffens Idiotenlache angeeignet.

»Seid ruhig! Darüber macht man keine Witze, Sören!«, entgegnete Schwarz-Weiland blass werdend. Sie malte sich wahrscheinlich gerade panisch aus, ob ich unter Umständen dazu fähig wäre, einige Salven in ihren Lehrkörper zu pumpen. Sie hatte Glück, ich war psychisch nicht instabil, meine Eltern hatten keine Schusswaffen oder ähnliches im Haus, und Computerspiele langweilten mich. »Was da in Erfurt und Emsdetten passiert ist, ist so schrecklich, da wünsche ich nicht, dass da leichtfertig Witze drüber gemacht werden.«
»Aber das geht doch nicht«, schluchzte Wiebke plötzlich, und ihre wässrigen Glubschaugen sahen noch feuchter aus als sonst. »Das kann doch nicht sein - ich mein, man kann einem Menschen doch nicht einfach so die Zukunft verbauen.«
»Wieso Zukunft verbauen?«, warf Steffen ein, »Dann wiederholt er eben, ist doch nur ’n Jahr.«
»Kannst du Penner dir vielleicht vorstellen, dass ich keinen Bock hab noch ’n Jahr mehr auf dieser kack Schule rumzuhängen!?«
»Is doch dein Problem, du Spacko.«
»Leute! Könntet ihr euch in der Wortwahl ein bisschen zügeln, ihr seid hier nicht auf dem Fussballplatz! Solche Ausdrücke möchte ich in meinem Unterricht nicht hören!«

»Wieso Unterricht? Ich dachte, wir sägen Max heute ab«, bemerkte Sören.
Ehe ich dem Bastard etwas erwidern konnte, kam Wiebke mir zuvor:
»Du bist so ein Arschloch Sören, so ein selbstbezogener Wichser, für dich ist das hier doch nur ’ne lustige Partystunde!« »Was ist denn los meine kleine Gazelle, Menstruationsbeschwerden? Hör doch auf hier rumzuheucheln, als wenn’s dich wirklich interessiert was mit ihm (er wies auf mich) hier abgeht.«
»Meine Mutter hat Brustkrebs, falls dich das interessiert!«, schrie sie und begann zu heulen.

Sören war durch diese unerwartete Information etwas aus der Fassung gebracht und verkniff sich vorerst weitere anzügliche Kommentare. »Das ist ja schrecklich Wiebke«, begann Schwarz-Weiland mit einfühlsamer Stimme, »wenn du willst, kannst du natürlich nach Hause gehen.« »Nein, geht schon«, schluchzte sie und schnäuzte geräuschvoll in ein abgegrabbeltes Taschentuch. »Kann ich auf die Toilette?«, meldete sich Vanessa.
»Natürlich Vanessa, geh nur.«
Flink, dabei nicht vergessend mit ihrem kleinen Arsch zu wackeln, verliess sie die Klasse. Das Miststück wollte bestimmt nur eine rauchen. Sörens Handy piepte, er las die eingetrudelte SMS und grinste.
»Sören, Handy aus! Muss ich euch das eigentlich immer wieder sagen!«, mahnte Schwarz-Weiland.
Er liess das Handy in seiner Jackentasche verschwinden.
»Also Max«, fuhr Schwarz-Weiland fort, »ich denke, die Sache ist dann wohl geklärt ...«
»Geklärt!«, protestierte ich, »Für mich ist leider noch gar nichts geklärt!«
Schwarz-Weiland war anzumerken, dass ihr meine "Angelegenheit" immer lästiger wurde. In meiner wachsenden Verzweiflung richtete ich mich an das Streberpärchen Karola und Sebastian.
»Nun sagt ihr doch auch mal was!«
Beide schauten mich leblos und auch leicht verängstigt an, sagten aber natürlich keinen Ton.
»Danke euch.«
»Und was sagst du?«, wandte ich mich jetzt fast schon provozierend an Benedikt.
»Ist mir egal.«
»Na ja, wenigstens spricht’s mal einer aus.«
Ich wandte mich erneut an Schwarz-Weiland.
»Okay, also was soll ich machen, dass Sie mir diesen scheiss Punkt geben?«
»Max, zunächst einmal nicht in diesem Ton, so erreichst du nur, dass ich die Diskussion sofort abbreche ...«
»Was für ’ne Diskussion denn? Es gibt und gab keine Diskussion! Sie wollen nur stur nicht gegen Ihre Prinzipien verstossen und verweigern mir deshalb den verdammten Punkt ... und den anderen hier ist das Ganze sowieso scheissegal. Die sind doch gedanklich schon alle in den Ferien.«
»Nun geben Sie ihm doch den blöden Punkt!«, kreischte die instabile Wiebke und heulte tatsächlich wieder los.

»Nein, Wiebke, tut mir leid, aber das werde ich nicht tun«, entgegnete sie mit brüchiger Stimme, schwer die Fassung wahrend.
»Genau wegen solcher Geschichten ist es doch auch zu diesen Ausrastern, zu diesen Amokläufen gekommen!«
»Wiebke! Nun hör aber auf!«, schrie Schwarz-Weiland. Nicht nur ich bemerkte, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten. Wiebke heulte munter weiter und auch für Schwarz-Weiland gab es jetzt kein Halten mehr, sie stimmte schluchzend ein. Es war grotesk. Ich betrachtete Sören, der nur schwer einen Lachkrampf unterdrücken konnte. Auch die anderen hatten Mühe sich der Situation entsprechend zu verhalten. Karola und Sebastian guckten stumpf aus der Wäsche, Steffen wirkte immerhin halbwegs irritiert, Ingo begann offen in der Nase zu bohren und Benedikt sah gelangweilt aus dem Fenster. Vanessa kam zurück.

»Was ’n hier los?«
»Ich weiss es nicht«, antwortete ich frustriert, obwohl sie nicht mich, sondern einfach in die Runde gefragt hatte. »Strange Stimmung hier«, bemerkte Steffen.
»Das sieht man«, sagte Vanessa angewidert und runzelte die Stirn.
»Ich finde wir sollten abstimmen«, meldete sich Benedikt mit ironischem Unterton.
»Hier wird gar nichts abgestimmt!«, schrie Schwarz-Weiland mit schminkezerlaufenem Gesicht (solche Probleme hatte Wiebke nicht) »Ich entscheide das, und ich habe mich bereits entschieden. Die Note bleibt! Ende der Diskussion!«
»Auch gut«, entgegnete Benedikt.
Plötzlich hörten wir einen lauten Knall und kurz darauf noch einen. Schwarz-Weiland wurde weiss wie die Wand. »O Gott, das waren Schüsse! Da hat jemand geschossen!«, kreischte sie panisch.
Aber auch wir übrigen waren irritiert, bis auf Sören! Schwarz-Weiland stürzte zur Tür und verschloss sie. In ihrer Panik hatte sie zweimal das Schlüsselbund fallen gelassen. Die Frau war jetzt vollkommen von der Rolle. Wir blieben stumpf sitzen.

»Okay, hört mir alle mal zu ... wir müssen jetzt hier bleiben und unbedingt von der Tür wegbleiben, falls die ... (und hier versagte kurzzeitig ihre Stimme) ... falls die hier reinschiessen!«

Wie auf Stichwort erfolgten ein dritter und ein vierter Knall. Schwarz-Weiland schrie auf und begann zu zittern, dann fing sie wieder an zu heulen und hockte sich wie ein verängstigtes Kind auf den Boden. Eines war jedenfalls sicher, die "Notendiskussionsrunde" war zu Ende, und ich war im Arsch. Sören neigte sich zu mir und flüsterte:
»Das waren Böller.«
»Was?«
»Das waren Chinaböller! Hagen hat mir vorhin gesimst, dass er die Teile im Gebäude hochgehen lassen wollte. Er hat’s anscheinend durchgezogen.« »Was is?«, mischte Steffen sich ein.
»Mann, das waren Böller!«, rief er jetzt so laut, dass es alle mitkriegten.
»Woher weisst du das?«, fragte Wiebke aggressiv.
»Kann dir doch scheissegal sein, Pickelface. Es waren Böller und gut is ... Frau Schwarz-Weiland hören Sie, das waren keine Schüsse, das waren Chinaböller ... Sie können die Tür ruhig wieder aufschliessen.«
Ihr zitternder Lehrkörper schaute verängstigt in Sörens Richtung.
»China-was?«, stammelte sie.
»Chinaböller! Silvesterknaller, verstehen Sie. Keine Schüsse, kein Amoklauf, is alles Okay«, versuchte Sören, der langsam Mitleid mit der Frau bekam, sie zu beruhigen.
Langsam schien sie zu begreifen und richtete sich auf, weiterhin vor Angst zitternd. Schwer atmend fragte sie:
»Und woher weisst du das?«
»Die SMS vorhin, ’n Kumpel hat’s angekündigt.«
Eine Weile glotzte sie wie versteinert auf Sören, jeder merkte, dass sie diese Information erst einmal verarbeiten musste, dann sagte sie mit unglaublich matter Stimme:
»Ich denke, wir machen Schluss für heute ... Ich wünsche euch schöne Ferien.«
»Äh, und was ist mit meiner ... aaaah!«

Wiebke hatte mir gegens Schienbein getreten. Ohne noch was hinzuzufügen, nahm Schwarz-Weiland apathisch ihre Tasche vom Pult, schloss die Tür auf und verliess den Raum. Als sie sich weit genug entfernt hatte, lachte Steffen dreckig los, Ingo stimmte mit ein.

»Na, das war doch ’ne lustige letzte Chemiestunde!«, verkündete er.
»Ihr seid solche Ärsche«, zischte Wiebke, und verliess wütend den Raum.
»Schöne Ferien, Scarlett!«, rief Sören hinterher.
Alle griffen sich ihre Taschen und verschwanden. Als letztes gingen Sören und ich. In den Gängen roch es nach Böllern. »Tja, das war’s dann wohl«, sagte er vor dem Schulgebäude.
»Ja.«
»Also, man sieht sich! - Oder auch nicht.«
»Oder auch nicht.«

Jörn Birkholz

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