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Brandanschlag der Vulkangruppe in Berlin: False Flag Aktion muss in Betracht gezogen werden

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Ist das Bekennerschreiben der Vulkangruppe ein KI-Slop? Brandanschlag in Berlin: False Flag Aktion muss in Betracht gezogen werden

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Politik

Das Communique zur Aktion in Berlin ist bezüglich Täterwissen zweifelsfrei echt, jedoch sollte die nicht-szenetypische Sprache und eigenartige Fehler im Text aufhorchen lassen.

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Stromausfall in Berlin nach dem Anschlag der "Vulkangruppe", 5. Januar 2026. Foto: Roy Zuo (CC-BY-SA 4.0 cropped)

Datum 8. Januar 2026
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Nachdem der Strom in Berlin wiederhergestellt ist und sich die Wogen der Spekulationen und Schuldzuweisungen ein wenig geglättet haben, steht die eine grosse Frage nach wie vor wie ein gigantischer Elefant in den linken Echo-Räumen: Ist das Schreiben der "Vulkangruppe" vom 4. Januar einer linksorientierten Gruppierung zuzuordnen, oder handelt es sich hier um eine strategische Inszenierung von rechts-konservativen Kräften? Diverse Leute aus dem linken Spektrum zweifeln seit Beginn der Veröffentlichung an der Echtheit dieses Communiques. Es wirke zu konstruiert, enthalte zu viele merkwürdige Formulierungen und sei nicht aus einem Guss geschrieben.

Zweifel sind angebracht

Der Text liest sich stellenweise tatsächlich wie ein KI-Slop Derivat, generiert von ChatGPT oder DeepSeek, manuell bearbeitet und möglicherweise gar nachträglich übersetzt. Die anhaltende Skepsis an der Urheberschaft der Operation veranlasste die "Vulkangruppe", auf Knack News ein zweites Bekennerschreiben zu veröffentlichen, indem sie die Echtheit ihrer Erklärung mit Sätzen wie "Wir werden uns nicht von moralischer Empörung beeindrucken lassen..." untermauern. Solche hohlen Phrasen tragen nicht wirklich zum Verständnis dieser Operation bei und untermauern die These, das die Urheberschaft nicht unbedingt in linken Kreisen zu suchen ist.
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Aus Vance wird Vans.

Bei der Analyse des Schreibens der Vulkangruppe zur Aktion stossen drei Rechtschreibefehler im Text besonders sauer auf. Der erste Fehler ist mittlerweile hinreichend bekannt und inflationär diskutiert worden. Im Communique heisst es: „Diese manipulierten Wohlstandschauvinist:innen und Parteianhänger:innen sekundieren Trump, Modi, Miley, Netanjahu, Merz, Weidel, Putin, Höcke, Orban, Vans, Xi und wie sie alle heissen, bei der ‚Verteidigung' der Freiheit.“ Hier wird der Name des US-amerikanischen Vizepräsidenten JD Vance augenscheinlich falsch geschrieben.

Die Theorie dahinter: Vance schreibt sich in der russischen Sprache „Ди Вэнс“, oder aber auch „Ванс“. Phonetisch betrachtet ist das fast identisch. Lässt man Google im Browser das Wort „Ванс“ vom Russischen ins Deutsche übersetzen, wird daraus „Vans“. Google erkennt jedoch den Namen und korrigiert im zweiten Schritt auf „Vance“.

Buchen Linke tatsächlich bar?

Der zweite Fehler beruht ebenfalls auf einer falschen Schreibweise eines Nachnamens. Im Bekennerschreiben wird der Namen der Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey dreimal erwähnt. Zweimal davon ist er falsch geschrieben, nämlich Giffay anstatt korrekt Giffey. Auch hier hilft Google Translator weiter, um den Fehler zu verstehen. Aus dem kyrillischen "Гифай" wird "Giffay".
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Aus Giffey wird Giffay.

Der dritte Fehler ist zugleich der verstörendste. Die "Vulkangruppe" kritisiert am Anfang ihres Schreibens die aktuelle Versklavung in unserem digitalen System der Neuzeit und bemängelt die Verlagerung des gesellschaftlichen Lebens in die binäre Welte. Dabei endet ihre Einschätzung mit den Worten "Wir bekommen kein Geld, können nichts bar buchen oder kaufen." Was meinen die mit «bar buchen»? Online-Shopping? All inclusive Angebot? Vorverkauf von Konzert-Tickets? Bei solchen Transaktionen werden sowieso endlos Daten aufgenommen. Oder Barzahlung im Internet? Könnte schwierig werden. Und wer zur Hölle kommt auf die Idee, einen solchen Vorgang mit den Worten "bar buchen" zu umschreiben? Oder meinen die ganz simpel "wir können nichts bar bezahlen"? Warum dann so umständlich? Fragen über Fragen.
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"Wir bekommen kein Geld, können nichts bar buchen oder kaufen."

Bei solch seltsamen Schreibfehlern ist es durchaus kein Wunder, das die Echtheit der Urheberschaft von vielen Beobachtern angezweifelt wird. Deutsche Politiker und auch der Staatsschutz halten jedoch bisher hartnäckig an der These fest, dass es sich bei der Täterschaft um Linksextremisten handeln soll. Dabei ist vielen Akteuren bewusst, dass in letzter Zeit False-Flag Aktionen stattgefunden haben. Zu nennen wäre da etwa das massenhafte Verstopfen von Auspuffrohren in diversen Bundesländern oder das Stillegen von Eisenbahn-Infrastrukturen. Gewisse Linksradikale sehen hier den Ursprung im Erstarken einer neuen Generation der Anti-Ziv Bewegung. Manche sehen das aber auch anders.

Qui bono?

Doch wem nützt letzten Endes ein solches Festhalten an der fragwürdigen Urheberschaft? Oder anders gefragt, wer kann daraus direkt einen Nutzen ziehen? Bei der Diskussion um Linksradikalismus geht vielen Rechten und Konservativen sofort das Messer in der Tasche auf. Einmal mehr wird das Momentum genutzt um herzhaft Stimmung gegen den unerträglichen "Woke-Wahnsinn" zu machen. Das Label "Linksextremismus" ist folglich seit jeher ein politischer Kampfbegriff um diverse Aktionskreise wie etwa die Klimabewegung zu drangsalieren und zu delegitimieren um letzten Endes die Repressionsschraube anzuziehen.

Die Frage, ob ein solch grossangelgter Sabotageakt, der sich im Alltag massiv auf die Arbeiterschaft und die unteren Schichten der Bevölkerung auswirkt, wirklich zielführend ist und dies einfach so als Kollateralschaden abgetan werden kann, muss sich wohl jeder Linksaktivist stellen. Natürlich waren von dem Sabotageakt auch einige Bonzen in ihren Villen betroffen, aber die wissen sich bekanntermassen mit ihrem Geld zu helfen. Wenn jedoch zehntausende Menschen nach einem "Angriff auf das System" in ihren Blockwohnungen frieren, kann das der progressiv-linken Szene nichts Gutes bringen. Im Gegenteil, die Akzeptanz für Aktionen jedweder Art aus dem linken und linksradikalen Spektrum wird so nur sinken. Profiteure einer solchen Tat sind letztendlich reaktionäre, konservative und nationalistische Kreise, die naturgemäss ein reges Interesse an einer Spaltung ihrer Gegnerschaft haben.

Dritte Erklärung aufgetaucht

Kein Wunder also, dass sich in einem dritten Post zur Sachlage nun die alte Garde der Vulkangruppe gegen die Vereinnahmung ihrer Geschichte zu Wort gemeldet hat. In ihrer Erklärung bemängeln Sie, dass ihr früheres Handeln benutzt wird, um aktuelle Angriffe zu legitimieren.
Des weiteren schreiben sie: "Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 hat sich der Kontext grundlegend verschoben. Was zuvor als Kritik an westlicher Militärpolitik formuliert werden konnte, geriet in eine Lage, in der jede Form von Infrastrukturangriff objektiv Teil einer allgemeinen Destabilisierug wird. Eine Welt, in der alte und neue autoritäre Staaten offen Grenzen verschieben, Städte zerstören und Zivilbevölkerung bombardieren, ist keine Bühne mehr für symbolische Akte, die leicht und falsch instrumentalisiert werden können."

Zum weiteren Verständnis solcher Aktionen betonen sie: "Wir haben erkannt, dass unsere früheren Mittel unter den geänderten Bedingungen neu gedacht werden müssen, nicht weil sie falsch waren, sondern weil sie anders gelesen werden als zu einer Zeit, in der Fronten klarer schienen, Adressaten benennbar waren und Wirkung noch nicht sofort in Vereinnahmung, Verkürzung oder falsche Anschlussfähigkeit kippte."

Dem ist im Moment nichts hinzuzufügen.

Ricardo Tristano