Im Warteraum Beim Gynäkologen

Lyrik

Beim Gynäkologen.
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Beim Gynäkologen. Foto: Horst J. Meuter (CC BY-SA 4.0 cropped)

24. Mai 2018
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Korrektur

Eine Frau. Schwarz in schwarz, vermutlich
Auch die Augen schwarz. Hinter dem Schlitz
Im Gewand auf Augenhöhe. Die Haare schwarz,
Vermutlich. Oder grau. Wer weiss. Der Mann,
Die Augen schwarz, die Haare schwarz,
Schwarz seine Aufmerksamkeit und scharf.
Sichtbar. Ein Mann, der wacht.

Die anderen Frauen. Zwei mit schwarzer Haut,
Die nicht schwarz war. Eher Kakao. Man
Sagt halt: Schwarze. Sie lächelten mich an,
Als ich nach meiner Frau schaute im Warteraum.
Und ich sagte schüchtern: „Ich schaue nur nach
Meiner Frau. Ich hole sie ab.“ Ich vergass, die Tür zu schliessen
Des Warteraums voller Frauen; Verlegenheit, verstehste?

Draussen stand ich. An mir vorbei ging der Mann
Seiner Frau, oder war sie Schwester, Cousine, Tochter?,
Die ihm folgte. Der Arzt in der Tür zum Behandlungsraum
Lächelte ihnen zu. Der Mann lächelte nicht zurück.
Lächelte die Frau? Es war nichts zu sehen.

Eckhard Mieder