Revolutionär-reformistisches Sofort-Programm für ein friedliches, ökologisches, weltoffenes Deutschland.
...so süß wie Maschinenöl — ARBEIT, ÖKONOMIE & ALLTAG | Eine Kolumne von Elmar Wigand für arbeitsunrecht FM #08/26 und die Graswurzelrevolution Nr. 511, September 2026
Das Problem fängt schon mit dem Begriff an: Wenn Politiker heutzutage "Reformen" fordern, gilt für die die arbeitende Bevölkerung Alarmstufe rot. Denn mit Reformen bezeichnet die verblödete Kaste, welche die Bundesrepublik seit Jahrzehnten regiert – oder besser gesagt: welche das Gemeinwesen systematisch aushöhlt und sich auf unsere Kosten bereichert – mit Reformen meinen diese Figuren: frontale Angriffe auf Renten, Lohnniveau, Arbeitsbedingungen und Gesundheitsversorgung.
Verarmung bringt Reichtum. Rückschritt ist Fortschritt.
Ein Zusammenhang zwischen Reichtum und Armut wird nicht hergestellt. Ein System dahinter geleugnet. Oder gar nicht gesehen. Der real existierende Kapitalismus im Endstadium gilt ihnen nicht einmal mehr als "beste aller Welten" – eine andere Welt gibt es nicht mehr.
Dabei war die Reform früher einmal etwas völlig anderes. "Reformist" war ein Schimpfwort der radikalen Arbeiterbewegung. Die Reform war eine friedliche, aber effiziente Gegenspielerin der Revolution – vielleicht ihre rivalisierende, gar verhasste Schwester. Die Reform galt den einen als perfide Methode, die Massen in das Ausbeuter-System zu integrieren und die Proleten von Aufruhr und Umsturzplänen abzubringen. Und zwar – man mag es kaum glauben – durch reale, substantielle Verbesserung der Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung! Wow!! Sozialer Wohnungsbau, Rente, BaFög, Bibliotheken und Schwimmbäder. Gesamtschulen, Allgemeine Ortskrankenkassen.
Für die Sozialdemokratie waren Reformen der friedliche Weg zur Revolution. (Herausgekommen ist leider die Überführung der Arbeiterklasse ins spießige Kleinbürgertum.)
Jetzt ist die Reform reaktionär – ein Angriff auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse. Und was früher die Reformisten errungen haben, gilt heute als Ding der Unmöglichkeit, gar als revolutionär. Wir erinnern uns: Der Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen sah 2018 in der Regierungspartei SPD "linksradikale Kräfte" am Werk – er meinte den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert.
Diese Verschiebung zur reaktionären Reform erkläre ich mir so: Es gibt keine ernst zu nehmenden Revolutionär*innen mehr. Es fehlt die Bedrohung.
Der radikale Gegendruck jedenfalls fehlt seit langem. Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Reformen. Ich bin für die Verbesserung der Lebensverhältnisse. Weil ich selbst ein armer Schlucker bin, der keine Rente zu erwarten hat.
Wir sollten in diesem Sinne wieder zusammen kommen.
Arbeits-Titel: Scheiß Reformen! Dazu wechselnde Forderungen: 8 Stunden Arbeit. | Holt es von den Reichen. | Rente mit 65 für alle. | Genossenschaften gründen. | ÖPNV flott machen. Für alle. | Gut und günstig wohnen. | Bürgerversicherung statt Profite. | Für ein friedliches Deutschland.
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