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’The Alienation Effect - How Central European Émigrés Transformed the British 20th Century’ (Pt.I) mit Owen Hatherley

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’The Alienation Effect - How Central European Émigrés Transformed the British 20th Century’ (Pt.I) mit Owen Hatherley

Der deutsche Faschismus zwang einen Großteil deutscher & europäischer Künstler:innen & Intellektueller zur Flucht und ins Exil, Zehntausende suchten Zuflucht in Großbritannien.


Viele dieser Exilant:innen waren ‚Doppeltgeflüchtete‘, oft hatten sie mindestens zwei Länder verlassen, bevor sie nach GB kamen. Es sind Biografien, die auch der „Geschichte von Revolutionen und Konterrevolutionen“ geschuldet sind: Die ungarischer Juden& Jüdinnen bspw., die nach der Zerschlagung der Sowjetrepublik 1919 aufgrund antisemtischer Progrome das Land verlassen hatten und nach Berlin oder nach Wien gegangen waren oder Biografien wie die von John Heartfield, der von Berlin über Prag und Paris nach London auswanderte.
Hatherley argumentiert, dass diese Emigrantengeneration, obwohl ihr in Großbritannien misstraut, sie missachtet und oft verleumdnet und nach Kriegsbeginn auf der Isle of Man als „Enemy Aliens“ interniert wurde, letztendlich einen entscheidenden, transformativen Einfluss auf die britische Kultur hatte.
(Denn) die Reaktion auf den Ersten Weltkrieg war in Großbritannien "eine Welle von Nostalgie, Fremdenfeindlichkeit und Abschottung" gewesen, es war "eines der kulturell dürftigsten Jahrzehnte in der Geschichte Großbritanniens – ein krasser Gegensatz zu den Entwicklungen auf dem Kontinent, insbesondere in Mitteleuropa."
Der Schriftsteller Arthur Koestler beschrieb das ’menschliche’ Klima Englands als angenehm und beruhigend, als „a kind of Davos for internally bruised veterans of the totalitarian age“.
Diese Exilant:innen, von denen die meisten Juden und Jüdinnen und viele Kommunist:innen und Sozialist:innen waren, hinterliessen bleibende, wenn auch nicht unbedingt offensichtliche, Spuren in der britischen visuellen Kultur.
Sie modernisierten, trotz aller Ablehnung und vieler Widerstände, den ästhetischen Konservatismus des ‚piefigen’ Großbrittanniens der Zwischenkriegszeit.
Hatherley beleuchtet Fotografie, Malerei, Architektur, Buchgestaltung und Verlagswesen. Dabei vermeidet er dennoch, in die Trope des ’good immigrants’ zu verfallen, es geht ihm vielmehr um Ambivalenzen.
Viele kulturelle Phänomene, die als durch und durch britisch gelten, von der Reihe ,Britain in Pictures" der 1940er-Jahre - produziert von einem Team überwiegend weiblicher Emigrant:innen - über James-Bond-Filmsets und das Pinguinbecken im Londoner Zoo sind Emigrant:innen zu verdanken.
Ich spreche mit Owen u.a. über die Hintergründe der Entstehungsgeschichte seines tollen Buchs und seine Motivation, es zu schreiben.
Über die Rezeption moderner Kunst in den Zwischenkriegsjahren in Großbritannien.
Über die Architekten Naum Gabo, Erno Goldfinger und Berthold Lubetkin.
Über die britische antifaschistische Antwort auf die Hetzkampagne in Form der Münchener Ausstellung Entartete Kunst’ von 1937.
Über Kurt Schwitters im Internierungslager und im Lake District.
Über die eher konservativen Exilant:innen, wie Nikolaus Pevsner oder Friedrich Hayek.
Unabhängig von ihrer jeweiligen politischen Ausrichtung glaubten sie alle an ,öffentliche Kultur und öffentlichen Luxus", stellt Owen Hatherley fest.
My gratitude to Chris Povey to lending his voice to the poems of Kurt Schwitters.
In der nächsten Folge:
u.a.: Typografie & Buchdesign, Ruth Glass, Naum Gabo, Ernst Feibusch
https://owenhatherley.co.uk/
https://www.penguin.co.uk/books/311898/t...

Creative Commons Lizenz

Autor: Itty Minchesta / Redaktion 3

Radio: FSK Datum: 15.04.2026

Länge: 01:00:00  min. Bitrate: 320 kbit/s

Auflösung: Stereo (44100 kHz)

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