Oder bändigen sie einen bärenstarken Golem?
...so süß wie Maschinenöl — ARBEIT, ÖKONOMIE & ALLTAG | Eine Kolumne von Elmar Wigand für arbeitsunrecht FM #01/26 und die Graswurzelrevolution Nr. 506, Februar 2026 |
Zwischen dem 1. März und 31. Mai 2026 stehen wieder Betriebsratswahlen an. Ich halte sie für wichtiger als manche Landtagswahl, auch wenn sie abseits der medialen Wahrnehmung stattfinden.
Betriebsräte haben es schwer.
Sie sind irgendwie unerwünscht und haben keine Lobby. Die SPD versagt seit Jahrzehnten bei der Demokratisierung der Wirtschaft – und mit ihr oder neben ihr die Linke und andere. In den Großen Koalitionen mit der CDU konnte die SPD immerhin noch Schlimmeres verhindern.
Das zunehmend enthemmte Unternehmerlager würde nicht nur das Arbeitszeitgesetz gern abschaffen, wie Friedrich Merz mit der ihm eigenen Dreistigkeit im Januar 2026 heraus posaunte und frech nachsetzte: „Hier im Saal wird wahrscheinlich kaum jemand sitzen, der sich daran hält.“ Das war beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau. Selbstredend würden die meisten Unternehmer auch das Betriebsverfassungsgesetz am liebsten streichen.
Die Betriebsräte sind ein Überbleibsel der sozialistischen Räterepublik, welche die Kämpfer*innen der Novemberrevolution 1918 errichten wollten. Es gibt viel an der traurigen Existenz der Betriebsratsgremien zu kritisieren. JA, die Betriebsräte sind nur ein Relikt, ein Abklatsch dessen was möglich gewesen wäre, ABER sie geben den Lohnabhängigen hierzulande mehr Rechte und Möglichkeiten an die Hand, um den betrieblichen Alltag mit zu gestalten.
Faschisten für Betriebsräte?
Mit Spannung erwartet wird das Abschneiden der rechtsextremen Gewerkschaftskeimzelle „Zentrum“, mit dem sich die AfD und ihr Milieu dauerhaft in Betrieben verankern wollen.
Rotfront gegen Betriebsräte?
Auf der anderen Seite sollte man meinen, dass wenigsgten solche Organisationen Betriebsräte gut finden, die einen gewissen Proletkult pflegen und eine Ader für Arbeiterromantik haben – ich selbst bin nicht frei davon – , dass also Leute, die gern rote Fahnen schwenken, sich für Betriebsratswahlen ins Zeug legten. Hieß die Parole nicht „Alle Macht den Räten!“? Sind Räte nicht das deutsche Wort für Sowjets?
Die anarcho-syndikalistische Freie Arbeiter*innen Union (FAU) pflegt zu Betriebsräten ein ähnliches Verhältnis wie katholische Priester zum Sex. Es ist laut Beschlusslage unerwünscht, aber man macht es trotzdem. Alle wissen es, keiner redet darüber.
Sozialrevolutionäre und Leninisten verschiedenster Couleur halten Betriebsräte für ein perfides Instrument, um die Urgewalt des Proletariats in einem „betriebssyndikalistischen Reformismus“, so die Trotzkistenspreche, zu knebeln.
Ähnlich – bloß mit umgekehrten Vorzeichen – argumentiert das Unternehmerlager...
MANUSKRIPT + QUELLEN: https://arbeitsunrecht.de/warum-die-betriebsratswahlen-2026-so-wichtig-sind/
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