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Die Sürrealistische Revolution Pt.I

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Die Sürrealistische Revolution Pt.I

Diese Radioséance, Teil 1 von zwei, kreist um die Zeitschrift ’La Révolution Surréaliste’, ein Hauptdokument des französischen und internationalen Surrealismus.

Sie erschien in zwölf Heften von 1924-1929 und liegt jetzt, 100 Jahre später, erstmals komplett in deutscher Übersetzung bei https://www.textem.de/ als ’Die Sürrealistische Revolution’ in Form eines Schubers mit besagten 12 Heften vor. Dazu ist als ’Gebrauchsanleitung’ bzw. als 13. Heft die 22. Ausgabe des Magazins ‚Kultur & Gespenster‘ herausgekommen.
Nora Dsun vom Verlag, die Herausgeber Benjamin Dittmann-Bieber und Christian Driesen, der selbst auch Texte der Zeitschrift übersetzt hat, sowie Milena Adam, ebenfalls Übersetzerin, sind meine Gäste. Das Schweizer Medium Julia Kubik https://petarde.ch/die-petarde/team/julia-kubik, Anthropologin des Profanen, channelt Texte & Gedichte der Sürrealist:innen.
Die Sürrealistische Revolution schreibt sich in dieser deutschsprachigen Übersetzung mit einem „Ü“ und bezieht sich damit auf Walter Benjamins Aufsatz „Der Sürrealismus. Die letzte Bestandsaufnahme der europäischen Intelligenz“, der im Februar 1929 in drei Folgen der Wochenschrift „Die literarische Welt“ erschien und der der Ausgabe von K&G statt einer Einleitung vorangestellt ist: Referenzpunkt dieser Sendung und ihrer Fortsetzung im Januar.
Es geht um Lücken und Nicht-Verstehen und wie Übersetzer:innen dies(e) übersetzen, um Proklamationen: das „liberale moralisch-humanistisch verkalkte Freiheitsideal“ und Sprache an sich sei gleich mit „zu erledigen“; um Gedichte von Leuten, die verklemmte Macker waren ohne „Szenarien, wie sie es gerne hätten für die Zukunft“ („Nur eines ist sonnenklar, wenn das so weitergeht, dann wird es scheiße“). Die arrogant und wütend waren (zu recht), das aber im Kollektiv und dabei ganz reizendes Zeug schrieben z.B. wirklich lustige Glossare und Fragen stellen wie „Was ist Angst?“ und Antworten darauf gaben wie „Alles auf eine Karte setzen auf einem menschenleeren Platz“ & die pausenlos Beschwörungen vornahmen: „Ich wünsche mir, dass Sie sieben Tage lang so viele Geschlechter haben wie Finger an der rechten Hand“ und dann feststellen: „Priester, Ärzte, Lehrer, Schriftsteller, Dichter, Philosophen, Journalisten, Richter, Anwälte, Gesetzeshüter, Akademiker aller Art, Sie alle, die Unterzeichner dieses idiotischen Dokuments ‚Die Intellektuellen auf Seiten des Vaterlandes‘, wir werden Sie bei jeder Gelegenheit verurteilen und entlarven. Hunde, die darauf abgerichtet sind, sich das Vaterland zu Nutze zu machen, und die nur ein Gedanke umtreibt, diesen Knochen abzunagen.“
Klingt zeitgemäß. Aber: „Nach der europäischen Katastrophe sind die surrealistischen Schocks kraftlos geworden“, schreibt Adorno 1956, jedoch auch: "Der Surrealismus sammelt ein, was die Sachlichkeit den Menschen versagt; die Entstellungen bezeugen, was das Verbot dem Begehren antat...Wenn aber heute der Surrealismus selber obsolet dünkt, so darum, weil die Menschen bereits jenes Bewußtsein der Versagung sich selbst versagen, das im Negativ des Surrealimus festgehalten wird." Auch zeitgemäß. „Geschichte bietet uns ein Arsenal von Möglichkeiten kritisch zu intervenieren und das ist nie abgegolten, vielleicht kann ich mir da noch was holen“ fasst Christian Driesen am Ende des ersten Teils zusammen. Was dann kommt? Das kommt im neuen Jahr.

Creative Commons Lizenz

Autor: Itty Minchesta / Redaktion 3

Radio: FSK Datum: 10.12.2025

Länge: 01:00:00  min. Bitrate: 320 kbit/s

Auflösung: Stereo (44100 kHz)

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