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Studie der Informationsstelle Militarisierung - "Drohnen im Ukraine-Krieg" - Vorstellung der Studie Anhand von Zitaten

Quelle: https://www.imi-online.de/2022/04/26/dro... Einleitung: Was heute als Ukraine-Krieg bezeichnet wird, sind die Folgen des klar völkerrechtswidrigen Einmarsches russischer Truppen ab dem 24. Februar 2022. In der Berichterstattung etablierter deutscher Medien erscheint er tendenziell als eher konventionellen Krieg mit massivem Einsatz klassischer Waffensysteme wie Panzer, Artillerie, Infanterie.

Quelle: https://www.imi-online.de/2022/04/26/dro...

Einleitung:
Was heute als Ukraine-Krieg bezeichnet wird, sind die Folgen des klar völkerrechtswidrigen Einmarsches russischer Truppen ab dem 24. Februar 2022. In der Berichterstattung etablierter deutscher Medien erscheint er tendenziell als eher konventionellen Krieg mit massivem Einsatz klassischer Waffensysteme wie Panzer, Artillerie, Infanterie. Beide Seiten nutzen dabei auch unbemannte Systeme, insbesondere Luftfahrzeuge, so genannten UAV, die in vergangenen militärischen Auseinandersetzungen teilweise grundlegend die Kriegführung geprägt und die Kräfteverhältnisse bestimmt haben. So wird v.a. der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan im zweiten Halbjahr 2020 oft als erster „echter Drohnenkrieg“ bezeichnet,[1] weil entsprechende unbemannte Waffensysteme der vorrückenden Seite (Aserbaidschan) eine deutliche Übermacht verliehen und rasche Geländegewinne ermöglichten. Es existieren auch zahlreiche Berichte, welche aus erster oder zweiter Hand die dabei ausgelöste Angst und Panik innerhalb der angegriffenen Truppen beschreiben. Später gab es vergleichbare Darstellungen aus Libyen und Äthiopien, nach denen zumindest bei entscheidenden Gefechten UAV eine wesentliche Rolle gespielt hätten. Im Folgenden wird der gegenwärtige Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen ausführlicher beleuchtet und der aktuelle Krieg ausschliesslich unter diesem Aspekt betrachtet werden. Dies hält allerdings einige Überraschungen parat.
...
Fazit:
Weder die russische Regierung noch westliche Beobachter*innen weisen russischen UAV eine entscheidende Rolle in der Kriegführung in der Ukraine zu. Die ukrainische Regierung hingegen konnte Drohnen in den ersten Wochen des Krieges zumindest propagandistisch nutzen, um die Verwundbarkeit der russischen Truppen zu demonstrieren. Westliche Medien und Expert*innen bezeichnen darüber hinaus ukrainischen UAV verschiedener Typen und Klassen (u.a. TB2, Punisher, Switchblade) als „Game-Changer“, die das Kräfteverhältnis wesentlich zugunsten der Ukraine verschoben hätten und noch weiter verschieben könnten. Das aktuelle Kräfteverhältnis wäre demnach wesentlich durch den Technologietransfer in den vergangenen acht Jahren geprägt sowie durch Rüstungslieferungen der NATO und ihrer Verbündeten an die Ukraine. Relativ klar jedenfalls scheint, dass Russland in dieser Zeit im Bereich der UAV entweder deutlich weniger erfolgreich aufgerüstet hat oder seine Mittel sehr zurückhaltend einsetzt. Im ersten Fall ergäbe sich aus der auf UAV fokussierten Betrachtung sogar die Frage, ob die Aufrüstung der Ukraine mit entsprechenden Waffensystemen nicht sogar eine Motivation für die russischen Aggression dargestellt haben könnte. Aus dieser Perspektive jedenfalls scheint der Technologietransfer wesentlich dazu beigetragen haben, die Kräfteverhältnisse in der Region zugunsten der Ukraine und der NATO zu verschieben – eine Tendenz, der Russland erklärtermassen entgegentreten wollte.

Dieser Technologietransfer fand in einigen Bereichen – etwa die Lieferung der TB2 von der Türkei in die Ukraine – offen, in anderen – z.B. der Lieferung von Drohnenabwehrsystemen vermutlich aus den USA – verdeckt ab. Wie zumindest die Berichte über die halb militärisch, halb privat finanzierte und organisierte Spezialeinheit „Aerorozvidka“ nahelegen, waren dabei auch Personen im westlichen Ausland daran beteiligt, Exportrestriktionen für High-Tech-Komponenten in die Ukraine zu umgehen. Auch die Geschichte mehrerer ukrainischer Drohnen-Hersteller, etwa des Punishers, werfen nicht nur Fragen nach deren Finanzierung auf, sondern auch, welche Unterstützung sie (sonst) dabei erhielten, in kürzester Zeit einsatzfähige und der russichen Technologie überlegene UAV zu entwickeln und in den Einsatz zu bringen. Die Geschwindigkeit der sich nun möglicherweise als entscheidend erweisenden Aufrüstung der Ukraine mit UAV ist jedenfalls bemerkenswert: 2019 erfolgte die erste Beschaffung von TB2, 2021 die offizielle Zulassung und Bestellung der Aufklärungsdrohnen Fury und Leleka. Das Unternehmen, welches die Punisher herstellt, wurde erst Wochen vor dem Kriegsbeginn registriert und mittlerweile befinden sich vermutlich zusätzlich hunderte Kamikaze-Drohnen des Typs Switchblade und weitere US-Drohnenmodelle im Besitz der ukrainischen Armee.

Bei der TB2 hingegen erscheint der damit verbundene Technologietransfer relativ transparent. Entscheidende Bauteile stammen aus den USA, das zentrale Modul, mit dem Ziele erkannt und für den Abschuss „beleuchtet“ werden, stammt zumindest in allen nachgewiesenen Fällen vom deutschen Rüstungshersteller Hensoldt, an dem der Bund über die KfW eine Sperrminorität hält.[36]

Auf jeden Fall dokumentiert der Krieg in der Ukraine, dass die USA, EU und Deutschland nicht Getriebene sind in der Drohnenentwicklung, sondern führende und treibende Kräfte. Von den Schwärmen gegnerischer Drohnen, mit denen auch hierzulande die Entwicklung und Erprobung von Systemen zur Schwarmsteuerung vorangetrieben wird, ist von russischer Seite jedenfalls aktuell nichts zu sehen. Entsprechende Systeme stehen jedoch z.B. in Deutschland für unbewaffnete Drohnen kurz vor der Einsatzreife, in den USA gilt dasselbe u.a. auch für die Kamikaze-Drohnen vom Typ Switchblade.

Autor: Antikriegsradio im Querfunk Karlsruhe

Radio: antikriegsradio_R(at)querfunk.de Datum: 22.08.2022

Länge: 09:07 min. Bitrate: 199 kbit/s

Auflösung: Stereo (44100 kHz)

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