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Kultur

Vor 50 Jahren starb Theodor W. Adorno

Kindliches Staunen, negative Dialektik Theodor W.

Adorno (1903–1969) verdankt seine herausragende Stellung als der vielleicht luzideste Philosoph, Kultur- und Gesellschaftskritiker des vergangenen Jahrhunderts nur zum einen der ausserordentlichen Weite und Tiefe seines Œuvres; zum anderen war die institutionelle Position, die er in den 50er und 60er Jahren bekleidete, historisch einzigartig. Sie war bedingt durch den grossen Bruch, der doch keiner wurde: die Entnazifizierung und reeducation der Nachkriegszeit. Das wohl Bemerkenswerteste an Adorno ist, dass bei ihm ausserordentliche sprachliche Gewandtheit und kompromisslose Gesellschaftskritik, subjektives Verfahren und Objektivitätsanspruch nicht nur Hand in Hand gehen, sondern geradewegs Eins sind: integrale Momente des einen Denkens. Das Schicksal, angefeindet und vergötzt worden zu sein wie kaum ein Intellektueller seiner Zeit, teilt Adorno in dieser Intensität der ideologischen Konfrontation höchstens mit Sigmund Freud fünfzig Jahre zuvor und mit Karl Marx weitere fünfzig Jahre zuvor. Sie alle, die so wichtig waren, dass noch nach ihrem Tod so vehement nachgetreten werden muss, wurden Emigranten mit gutem Grund. Das Jahr 2019 zeigt nicht nur das fünfzigste Todesjahr Adornos an, auch die ’Dialektik der Aufklärung’, eines seiner Hauptwerke, wird 75 Jahre alt. Sie darf wohl als das zugleich wichtigste, wuchtigste und finsterste Werk des Jahrhunderts bezeichnet werden. Die während Weltkrieg und Holocaust entstandenen ’philosophischen Fragmente’ gehen in der Geschichte von Neuzeit und Moderne Trends nach, die das paradoxe Kulminieren von bürgerlicher Gesellschaft und Aufklärung in jener eigentümlichen Barbarei befördert haben. Dabei wird der durchaus totalitäre Selbstlauf der Konkurrenzgesellschaft deutlich, lange bevor sich Modebegriffe wie Globalisierung durchsetzen konnten. Nicht erst der Exilant ist auf sein ’beschädigtes Leben’ zurückgeworfen, sondern jeder Mensch: ’Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war, und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt.’ Dauer: 10 Minuten _

Autor: Redaktion Sachzwang FM

Radio: Querfunk Datum: 06.08.2019

Länge: 10:11 min. Bitrate: 128 kbit/s

Auflösung: Stereo (48000 kHz)

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