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We all thank you RAF?

Es ist schon einige Jahre her. Da wollte die Zeitschrift »Max« uns etwas als »RAF-Kult« verkaufen. »Die Zeit ist reif für RAF-Popstars«, zitierte sie fasziniert einen Fotografen. Dieser druckte gleich eine ganze Modestrecke ab, die er für eine andere Zeitschrift produziert hat: »Tussi Deluxe«, ein Lifestyle-Magazin, wie gemacht, um es beim Friseur durchzublättern. Der Fotograf habe darauf geachtet, dass jedes Detail der Fotostrecke authentisch sei, informierte uns »Max«. Die »Tussi Deluxe«-Redaktion selbst versucht in einem zweiseitigen, reichlich wirren Text zu erklären, dass sie ein ernsthaftes Interesse an den RAF-Protagonisten und ihrer angeblich so besonderen Kleidung habe. Und dann die Bilder. Eines etwa zeigt den Kopf des toten Andreas Baader in einer Blutlache. Dargestellt von einem Fotomodell. Auf das Bild montiert ist ein kleiner Kasten mit einem Foto, das ein Paar Hausschuhe zeigt. »Andreas Baaders Woolworth-Pantoffel sind Kult«, erklärt der Fotograf. Es gibt wohl kaum eine abgefucktere Haltung. Vor allem, weil hier mit der Pose des Rebellentums hantiert wird und dabei doch nur ein Witz herauskommt, der dem Hirn eines Staatsschutzbeamten entsprungen sein könnte: Kopfschuss und Hauspuschen, da lacht der SS-Mann... Wie gesagt: Der Versuch die RAF als Prada-Meinhof zu stylifizieren ist schon ein paar Jahre her. Nun sind wir in den letzten Zügen von 2007. Und in diesem Jahr kam der Rollback in Sachen RAF. „Keine Gnade ohne Reue“, verkündete Bundespräsident Köhler mit Blick auf das frühere RAF Mitglied Christain Klar. Köhler schlug Klar damit nach 25 Jahren Haft die Begnadigung ab. Wobei diese Verhärtung durchaus verwunderlich ist. Denn die Relevanz der RAF für die heutige innere Sicherheit tendiert gen Null. Im Gegenteil: der diesjährige unsägliche Palituch-Hype hat eher mit H&M zu tun, als mit radikalem Kampf. Dennoch: In den Feuilletons war das RAF Bashing der kleinste gemeinsame Nenner. Da gab es viel Unsinn, viel unerträgliches und selten etwas gutes. Hinein in diese Zeit hat nun eine Band ein Album veröffentlicht, dasz auf den Namen „Alarm! Hanns-Martin ist verschwunden“ hört. Klare Assoziation zur Entführung von Schleyer. Am Telefon ist nun Linus Volkmann. Er ist Teil der Bum Khun Cha Youth. Judith von Radio Corax sprach mit ihm.

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Autor: ub

Radio: corax Datum: 22.12.2007

Länge: 06:13 min. Bitrate: 128 kbit/s

Auflösung: Stereo (44100 kHz)

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