UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

Christian Frings über Operaismus und zur Kritik des Sozialstaats | Untergrund-Blättle

509182

audio

ub_audio

Christian Frings über Operaismus und zur Kritik des Sozialstaats

Am 28.05.2015 hält Christian Frings in Erfurt einen Vortrag über die neue Marx-Lektüre des frühen Operaismus. Vom 29.05. bis zum 31.05. ist er dann in Weimar zu Gast, wo er zusammen mit dem Bildungskollektiv ein Wochenend-Seminar zur Kritik des Sozialstaats ausrichtet. Im Interview spricht er über beide Veranstaltungen. Ankündigungstexte zu den Veranstaltungen: KLASSENKAMPF ALS SUBJEKT DER GESCHICHTE Zur neuen Marx-Lektüre des frühen Operaismus 28.05.2015 - Veto (Papiermühlenweg 33, Erfurt) - 20:00 Uhr Obwohl der italienische Operaismus einer der bedeutendsten Strömungen der Neuen Linken war und durch seinen starken Einfluss in den 1970er und 80er Jahren heute noch eine der Wurzeln der linksradikalen Bewegung in der BRD darstellt, ist er weitgehend in Vergessenheit geraten. Heutzutage ist er nur noch in der Form des sogenannten Post-Operaismus à la Negri und Hardt bekannt. Diese, an der Uni, wie beim globalisierungskritischen Gipfelsturm angesagte Theorie hat aber kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Operaismus zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Marxismus an verschiedenen Punkten in die Krise: Die kapitalistische Technologie hatte in Krieg und Massenmord ihre zerstörerische Produktivität zur Schau gestellt, und mit den Arbeiteraufständen in Ostdeutschland, Ungarn und Polen 1953/1956 konnte sich die ’Sowjetmacht’ nicht mehr als Repräsentation der Arbeiterinteressen darstellen. Einer der interessantesten Versuche, sich Marx’ Kritik der politischen Ökonomie auf neue Weise anzueignen und für radikale Arbeiterpolitik fruchtbar zu machen, ging von einer dissidenten Strömung in Italien aus. Die Gruppe um die ab 1961 erscheinenden «Quaderni Rossi» und deren Wortführer Raniero Panzieri verband ihre akribische Neulektüre des «Kapital» mit einer kritischen Rezeption der Industriesoziologie und eigenen Untersuchungen in der Fabrik. Sie legten die fundamentale Kritik von Marx am despotischen Charakter der kapitalistischen Arbeitsorganisation wieder frei, die nach Marx vergessen und durch eine produktivistische Verherrlichung der Rationalität ersetzt worden war. Und sie arbeiteten die revolutionäre Bedeutung des von Marx systematisch entwickelten Begriffs des «kombinierten Gesamtarbeiters» heraus, die sie zur Formulierung einer «strategischen Umkehr» (Mario Tronti) im Verhältnis von Arbeiterklasse und Kapital brachte. Nicht zuletzt die massiven Kämpfe der ArbeiterInnen des politischen Südens, aktuell u. a. in China und Bangladesch, zeigen, dass diese ’kopernikanische Wende’, die der Operaismus in seiner Marx-Lektüre vollzog, trotz enormer Veränderungen des kapitalistischen Systems noch, wenn nicht gerade heute wieder von höchster Aktualität ist. ZUR KRITIK DES SOZIALSTAATS Wochenendseminar mit Christian Frings und dem Bildungskollektiv 29.-31.05.2015 - M18 (Marienstrasse 18, Weimar) Beginn: Freitag, 18:00 Uhr Angesichts der sozialen Angriffe im Zeichen der Krise neigt ein Teil der Linken zu einer reflexartigen Verteidigung des Sozialstaats und verklärt ihn als eine ’Errungenschaft’ der Arbeiterbewegung. Der Workshop wird sich kritisch mit dieser Mystifizierung des Sozialstaats auseinandersetzen. Sowohl historisch, vor allem am Beispiel Deutschlands, als auch theoretisch unter Bezug auf Marx’ Kritik der politischen Ökonomie soll herausgearbeitet werden, wie der Sozialstaat als disziplinierende und regulierende Instanz in Reaktion auf die neuen Klassenverhältnisse und revolutionären Gefahren der kapitalistischen Gesellschaft entstand. Dabei wird es auch um die enge Verknüpfung von Sozialstaat und modernem Krieg gehen. An einigen Beispielen werden wir beleuchten, wie der Sozialstaat selber prägend auf die Klassenverhältnisse, das moderne Geschlechterverhältnis und den allgemeinen Zwang zur lebenslangen Arbeit wirkt. Abschliessend werden wir uns mit dem aktuellen Umbau des Sozialstaats - vor allem durch die Hartz-IV-Reformen - und deren Bedeutung für aktuelle soziale Auseinandersetzung beschäftigten. Wir bitten um eine Anmeldung: biko@arranca.de - Nach Anmeldung erhaltet ihr einen Reader und nähere Informationen. Weitere Infos unter: http://biko.arranca.de

Creative Commons Logo

Autor: Lukas


Radio: corax
Datum: 26.05.2015

Diesen Artikel...

Kommentare zu diesem Artikel

es gibt noch keinen Beitrag zu diesem Text

Schreibe einen Kommentar...

Captcha

Mehr zum Thema...

Die „Revolte der Piazza Statuto“Strassenschlachten in Turin im Juli 1962.
Theoriebildung und KlassenkampfÜber die Kämpfe der MassenarbeiterInnen und den Operaismus

13.03.2017

- In den 60er und 70er Jahren tritt in Norditalien eine Reihe von Arbeiter*innenkämpfen von neuartigem Ausmass auf: Die erfolgreiche Blockierung von Teilen der Produktion führt zu massgeblichen Verlusten für das Kapital durch nichtproduzierte Waren, als Ergebnis verschiedener Kämpfe stehen später Tarifabschlüsse in verschiedenen Bereichen, die Lohnerhöhungen von teilweise deutlich über 10% beinhalten.

mehr...
Grab von Karl Marx auf dem Highgate Friedhof in London.
Christian Fuchs: Marx lesen im InformationszeitalterMedientheoretische Fragen im Zusammenhang mit dem marxschen Kapital

06.12.2018

- Vor uns liegt ein umfangreiches Lehrbuch, bezeichnenderweise im Marxblau der MEW gehalten. Das ist Absicht und unterstreicht das Anliegen.

mehr...
Dmitry Apalikov
Ein überblickhafter VersuchGeschichte und Praxis des Linksradikalismus

23.04.2005

- Der neue Linksradikalismus brach mit einigen kommunistischen Gewissheiten - z. B. mit dem Sozialpazifismus oder dem Fliessband-Fordismus.

mehr...
Zur Kritik des Sozialstaats

01.03.2016 - Wenn von Armut die Rede ist, dann wird der Sozialstaat beschworen. Der Staat müsse sich seiner sozialen Funktion gewahr werden und Verarmungstendenzen ...

Zur neuen Marxlektüre des frühen Operaismus

15.08.2019 - Anfang der 60er Jahre entwickelte sich in Italien eine neue Marxistische Strömung - der Operaismus. Im Operaismus spielen Stichworte wie ...

Aktueller Termin in Berlin

Offene Beratung zur Projektfinanzierung

Netzwerk Selbsthilfe - der politische Förderfonds bietet in Kooperation mit dem AStA der TU Berlin offene Sprechzeiten zur Fördermittelakquise für studentische und politische Projekte an. Ihr braucht keinen Termin, kommt einfach ...

Montag, 17. Februar 2020 - 16:00

AStA TU Berlin, Straße des 17 Juni 135, Berlin

Event in Lausanne

Chorale anarchiste

Montag, 17. Februar 2020
- 19:00 -

Espace Autogéré


Lausanne

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle