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Mc Abo Hajar - Ein Rapper aus Syrien erzählt

Mc Abu Hajar ist aus seiner Heimat Syrien geflüchtet. Mit seiner Musik will er auf die Missstände in seiner Heimat, aber auch in anderen Ländern aufmerksam machen. Geboren in Tartus, einer kleinen Stadt an der Küste Syriens, wächst er in einer gut situierten Familie auf. Als er sein Studium beginnt, herrscht bereits seit 45 Jahren Diktatur in Syrien, die Menschen sind verängstigt und halten still, wie Abu Hajar sagte. Obwohl er seine Song anonym im Internet veröffentlicht, wird er festgenommen, über mehrere Wochen im Gefängnis festgehalten und gefoltert. Er produziert weiter Rapsongs, hält sich auch in der Uni nicht mit seiner Meinung zurück und wird daraufhin rausgeschmissen. „Es gab keine Solidarität von meinen Mitstudierenden oder anderen Leuten“, so der 28-Jährige. „Das war der Punkt, an dem ich fertig mit Syrien war und nach Jordanien gegangen bin.“ Als im Jahr 2011 die Revolutionen losgehen, kehrt er zurück, und engagiert sich. Dafür wird er wieder inhaftiert. Zwei Monate muss er Folter mit Elektroschocks und Schlägen über sich ergehen lassen. Nach seiner Freilassung engagiert Abu Hajar sich weiter und wird fast ein drittes Mal inhaftiert. Er entkommt den Beamten und flieht über den Libanon nach Jordanien und schliesslich nach Italien, wo er seinen Master beendete. Er möchte vor allem zwei Dinge vermitteln: Erstens, dass er nicht aus Spass nach Deutschland gekommen sei. „Keiner von uns gibt gerne seine Heimat auf“, so Abu Hajar. „Mein Vater ist in Jordanien, meine Mutter in Dubai – anders können wir nicht überleben.“ Und zweitens ruft er zum aktiven Mitmachen auf: „Richtet euch an eure Regierung, setzt euch für dafür ein, dass keine Waffen mehr an die Diktaturen geliefert werden“, sagt er mit Nachdruck. „Ihr habt hier das Glück, alles sagen zu können. Nutzt das!“

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Autor: ub

Radio: RadioBlau Datum: 19.08.2015

Länge: 18:15 min. Bitrate: 128 kbit/s

Auflösung: Stereo (48000 kHz)

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