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21. Jüdische Musik und Theaterwoche in Dresden | Untergrund-Blättle

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21. Jüdische Musik und Theaterwoche in Dresden

„Im Sommer 1990 breitete sich in Moskau ein Gerücht aus: Honecker nimmt Juden aus der Sowjetunion auf, als eine Art Wiedergutmachung dafür, dass die DDR sich nie an den deutschen Zahlungen für Israel beteiligte … Es sprach sich schnell herum, alle wussten Bescheid, ausser Honecker vielleicht.“ So beschreibt der russische Einwanderer, Jude und deutschsprachige Autor, Wladimir Kaminer, in seinem Buch „Russendisko“ den (Nach)-Wendepunkt und den schwierigen Neustart für das deutsche Judentum. Über 200.000 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion sind seitdem als sogenannte Kontingentflüchtlinge aus dem Osten - russisch: Wostok - nach Deutschland eingereist. Heute stammen 70-90 Prozent der jüdischen Gemeindemitglieder*innen in Deutschland aus den ehemaligen GUS-Staaten. Auch direkt nach Israel und in die USA sind viele russische und ukrainische Juden ausgewandert. PRIVJET! Die Jüdische Musik- und Theaterwoche trägt in diesem Jahr dieser Entwicklung Rechnung. Denn so wie türkische, italienische oder griechische Einwanderer*innen in den ’ Wirtschaftswunderjahren’ die westdeutsche Kultur bereicherten, brachten die aschkenasischen Juden ebenfalls ihre jahrhundertealten Traditionen mit. Wie spannend diese Entwicklung ist und bleibt, zeigen die Gäste der Jüdischen Woche: So wird etwa Wladimir Kaminer in einer Lesung auf seine typische, scheinbar naive und dennoch zutiefst hintergründige Art, aus der russisch-jüdisch-deutschen Zwischenwelt berichten. Das Duo Sveta Kundish und Patrick Farrell bringt zur Eröffnung der 21. Jüdischen Woche in einem fantastischem Erzählkonzert die Geschichte von Kundishs Familie auf die Bühne. Diese Geschichte steht symbolisch für die verschiedenen Stationen und biografischen Brüche, die das Ostjudentum seit den 1980ern über die verschiedenen Erdteile führt und die die 21. Jüdischen Musik- und Theaterwoche in diesem Jahr vorstellen möchte. Auch das Food Festival „Gefilte Fest“ findet mittlerweile zum dritten Mal im Rahmen der Jüdischen Woche statt und wird wieder mit zahlreichen Workshops, Koch-Shows und dem Besonderen Schabbat die heimische Küche mit leckeren Rezepten zum Thema wostok/goes/west bereichern. Mit The Disorientalists kommen ausserdem zwei der derzeit kreativsten, jüdischen Songschreiber, Yuriy Gurzhy & Daniel Kahn, gemeinsam mit Sängerin Marina Frenk, als Gastspiel des Maxim-Gorki-Theaters auf die Bühne. Zum Finale bestreiten dann die legendären Apparatschik mit Balalaika und ihrem Mix aus Balkanpop, Sowjet-Rock und melancholischen Texten den grossen russisch-ukrainischen Abschiedsblues. Wir freuen uns schon auf den Herbst! Valeriya Shishkova und das gesamte Festivalteam

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Autor: Tim Thaler


Radio: coloradio
Datum: 04.10.2017

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