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Quergelesen 27.10. 2026

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Quergelesen 27.10. 2026

Nationalsozialismus und Kolonialismus. Der Barbie-Prozess als Urszene konkurrierender Erinnerung.

Vortrag von Jan Gerber (14.11.2023, https://kurzlinks.de/soaw).
Am 11. Mai 1987 wurde im französischen Lyon ein aufsehenerregender Prozess eröffnet. Klaus Barbie, der frühere Gestapo-Chef der Stadt, wurde vor Gericht gestellt. Der Prozess war Ausdruck der neuen Aufmerksamkeit, die dem Holocaust nach den Jahren des Schweigens seit Ende der Siebziger entgegengebracht wurde. Der Barbie-Prozess war eines der ersten größeren Ereignisse, bei dem versucht wurde, die Verbrechen des Kolonialismus gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus auszuspielen. Barbies Verteidiger, der als Ikone des antikolonialen Kampfs geltende linke Aktivist Jacques Vergès, erprobte eine im Wortsinn postkoloniale Verteidigungsstrategie. Er sprach der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich das Recht ab, über Barbie zu urteilen und setzte Kolonialismus und Nationalsozialismus durchgängig gleich. Vermittels dieser Urszene konkurrierender Erinnerungen soll im Rahmen des Vortrags einigen der Hintergründe und Ursachen jener postkolonialen Holocaust-Relativierungen nachgegangen werden, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben – und die im Unterschied zur Zeit des Barbie-Prozesses längst zum akzeptierten Bestandteil der Debattenkultur geworden sind.

Radio Radio: quergelesen(at)querfunk.de
Datum Datum: 27.10.2026
Länge Länge: n/a min.
Bitrate Bitrate: 320 kbit/s
Datum Auflösung: 44100 kHz
Creative Commons Lizenz

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