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Monsantos undurchsichtige PR-Methoden | Untergrund-Blättle

Claude Chabrol, 1959.

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Neue Methoden, um die Medien zu überzeugen Monsantos undurchsichtige PR-Methoden

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Mit immer mehr Patentanmeldungen versuchen Agro-Konzerne wie Syngenta oder Monsanto, ihre wirtschaftlichen Interessen weltweit durchzusetzen.

March Against Monsanto, Columbus 2013.
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Bild: March Against Monsanto, Columbus 2013. / Becker1999 (CC BY 2.0 cropped)

19. Mai 2016

19. 05. 2016

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«Monsatan», so nannten US-Journalisten Anfang des Jahrtausends das Agro-Unternehmen Monsanto, das sich gerade zum Gentech-Konzern umbaute. Die aggressiven Methoden, mit denen Monsanto mit kritischen Journalisten umging, waren berüchtigt.

Inzwischen habe sich der Umgang mit Kritikern zwar geändert, sei aber nicht weniger fragwürdig, berichtete die Investigativjournalistin und Gentech-Spezialistin Carey Gillam Anfang Mai in einem Interview für die «Huffington Post».

«Sie wollten wissen, was ich meinen Kindern zu essen gebe»

«Monsanto tat, was alle Firmen mit Reportern machen», berichtete sie über die Methoden des Konzerns am Anfang des Jahrtausends. «Sie werden ärgerlich, sie rufen deinen Chef an, sie wollen, dass ein Artikel zurückgezogen wird, sie wollen eine Klarstellung». Nur, dass Monsanto damit weiter ging als jedes andere Unternehmen.

«Sie riefen mich zu Hause an, weil sie meine Handynummer hatten», sagt Gillam. «Sie wollten zum Beispiel wissen, ob ich Bio-Milch im Kühlschrank habe oder was ich meinen Kindern zu essen gebe», sagt sie. «Es war seltsam».

Mit Gentech-Organismen fing es an

Carey Gillam ist bekannt für ihre kritische Haltung gegenüber genmanipuliertem Saatgut und den damit einhergehenden Pestiziden wie Monsantos «Round-Up». Die Journalistin berichtet seit fast 20 Jahren über die Nahrungsmittelindustrie der USA, 17 davon hat sie bei der Nachrichtenagentur Reuters gearbeitet. Gillam wurde mehrfach angegriffen, unter anderem weil sie sich für die Kennzeichnung von gentechnisch manipulierten Nahrungsmitteln einsetzt.

Im letzten Jahr verliess Gillam die Nachrichtenagentur und arbeitet nun als Forschungsleiterin bei «US Right to Know». Das Non-Profit setzt sich für Transparenz in der Nahrungsmittelindustrie ein. Bekannt ist «US Right to Know» für seine Auskunftsgesuche an Universitäten, die allzu enge Beziehungen zur Biotech-Industrie pflegen.

Aggressiv, berichtet die Journalistin, sei Monsanto schon bei der Einführung von GMO (genetic manuipulatied organisms) zur Jahrtausendwende gewesen. Seither habe sich die Strategie der agrochemischen Industrie geändert, sagt sie im Interview. Die Methoden seien inzwischen weit imagebewusster und auf die Medien abgestimmt. Gillam beschreibt, wie schwer es ist, im Agrotech-Markt Transparenz herzustellen, und wie die Industrie dagegen vorgeht.

«Wirklich hässlich wurde es mit der Kennzeichungs-Bewegung», erzählt die ehemalige Reuters-Mitarbeiterin. «Ein führender Vertreter der Industrie erklärte mir, dass man die Auseinandersetzung um die Kennzeichnungspflicht nicht Staat für Staat gewinnen könne». Die Agro-Industrie müsse national überzeugen.

Neue Methoden, um die Medien zu überzeugen

Dazu griff sie zu neuen Methoden. Eine Koalition der Agro-Unternehmen gründete eine Anzahl von Webseiten, die mit Hilfe bekannter Wissenschaftler gegen die Kennzeichnungs-Befürworter vorgingen, unter anderen die Seiten «GMO Answers», «Science 2.0», das «Genetic Literacy Project» und «Academics Review». Dahinter stecken oft PR-Berater oder bekannte gentech-freundliche Wissenschaftler wie Bruce Chassy, Professor in Illinois, die anscheinend unabhängig agieren.

«Wenn man es sich genauer ansieht, sieht man, dass es um eine untereinander verwobene Gruppe von Leuten geht», legt Gillam dar. Viele Beziehungen Bruce Chassys und anderer bekannter Wissenschaftler zur Agrarindustrie wurden mittlerweile aufgedeckt, unter anderem in der «New York Times».

Ein Portal, um einzelne Kritiker zu attackieren

Zur Geschichte von «Academics Review» befragt, berichtet Gillam über eine FIOA-Anfrage (Auskunftsgesuch nach dem Freedom of Information Act) an Chassy’s Universität. «Mir klappte die Kinnlade runter, als ich die Emails sah.», sagt sie. «Chassy, Monsanto und ein ehemaliger PR-Manager von Monsanto mailten einander über ‹Academics Review›. Sie haben die Seite 2010 aufgesetzt, um dort Einzelpersonen zu kritisieren. Der PR-Mann schickte Chassy eine Namensliste. Ein Monsanto-Manager schrieb sogar, dass keiner erfahren solle, dass Monsanto dahintersteckt.»

«Academics Review», sagt die Journalistin weiter, habe sogar den «New Yorker» angegriffen. Dafür, dass er aufgedeckt hatte, wie die Kritik des Wissenschaftlers Tyron Hayes am Herbizid Atrazin unterdrückt wurde.

Kritik auch aus den eigenen Reihen

Auch aus den eigenen Reihen wurde Gillam kritisiert. Der US-Journalist Keith Kloor griff sie mehrmals wegen «unausgewogener Berichterstattung» an. «Das mit der Unausgewogenheit hat vor zwei, drei Jahren angefangen», sagt Gillam dazu. Genauer gesagt, seit Monsanto die Meinung vertrete, die Diskussion sei beendet. «Reporter sollen sagen, dass die Forschung an der Sicherheit dieser Produkte erledigt und die Produkte somit sicher seien». Aller Produkte, wohlgemerkt, ohne Differenzierung für den Einzelfall.

«Sie können diese Zeile in vielen Artikeln wiederfinden», fügt sie hinzu und beschreibt, wie sie schon für einfache News-Artikel angegriffen wurde: «Im Februar schrieb ich für ‹Time›, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA plant, Lebensmittel auf Glyphosat zu testen. Eine einfache Nachricht, die viele Medien aufgenommen haben. Sogar dafür wurde ich kritisiert.» Die Industrie wolle einfach alles nicht, das Aufmerksamkeit auf die betreffenden Chemikalien oder Pflanzen lenke.

Auch der Druck auf Wissenschaftler steigt

Bruce Chassy seinerseits hat FOIA-Anfragen mehrfach als Schikane kritisiert. Er greift damit eines der bevorzugten Werkzeuge von «US Right to Know» an. Die Anfragen behinderten die Wissenschaft, wirft er der Non-Profit-Organisation vor.

Chassy ist damit nicht allein. Unbequem ist die Gentech-Diskussion für alle Seiten. Die «Union of Concerned Scientists», die sich normalerweise vehement für Transparenz einsetzt und mehrere Tausend Wissenschaftler vertritt, ist gleicher Meinung.

Wissenschaftler fühlen sich von der ideologischen Debatte zunehmend bedrängt. «Wir wollen nicht in einem Umfeld arbeiten, in dem jeder Tastendruck in öffentlichen Berichten landet», sagte Michael Halpern, ein Vertreter der Organisation, im März diesen Jahres dem «Boston Globe».

Keine Alternative zur Transparenz

Vertrauliche Emails, deren Herausgabe mit FOIA-Anfragen erzwungen wurde, haben zwar bereits etliche Verstrickungen von US-Wissenschaftlern mit der Biotech-Industrie zu Tage gebracht, aber das Klima vergiftet. In den US-Debatte spricht man vom «Food War».

Für Gillam gibt es dazu keine Alternative. «Wir [US Right to Know] gebrauchen dieses Werkzeug nicht, um Wissenschaftler zu belästigen», versichert sie. «Ich denke Transparenz ist einfach nötig, damit die Leute wissen, wer mit wem in Verbindung steht und warum bestimmte Dinge gesagt werden. Dann können sie selbst entscheiden».

Gentech-freundliche und mit der Industrie verbandelte Organisationen wie das «Gene Literacy Project» und «Academics Review» finanzieren auch Konferenzen und Podiumsdiskussionen. Es werde, so Gillam, so auch für Journalisten immer schwieriger, auseinanderzuhalten, was Lobbyismus sei und was ausgewogene Information.

«Vieles weiss ich nur, weil ich von Anfang an dabei war», sagt sie im Interview. Als Reporterin hat Gillam viele Berufsjahre damit verbracht, mit US-Farmern zu sprechen, Laboratorien zu besuchen und sich mit grossen Agro-Konzernen auseinanderzusetzen. «Ich habe es gesehen, wenn Produkte nicht funktioniert haben, wenn Farmer sich beschwert haben und das unterdrückt wurde».

«Es hat die Medien sicher beeinflusst»

Als Angestellte von «US Right to Know» ist Gillam nun selbst Lobbyistin. Ob die Organisation oder Gillam selbst nicht lediglich generell gegen gentechnisch veränderte Organismen eingestellt seien?, fragt der Interviewer.

«Wir sind nicht gegen Gentechnik. Wir sind für Transparenz», antwortet Gillam. «Ich glaube nicht, dass GMO generell schlecht sind…oder gut». Wie bei jeder Technologie gebe es Risiken und Chancen. Sie selbst esse Nahrungsmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen, gibt sie zu Protokoll. Aber es sei ihr Job, Klarheit zu schaffen, wenn es Bedenken gebe. Das gelte auch für die Getränkeindustrie oder für die Verwendung von Antibiotika in der Tierzucht.

Die letzte Frage – ob Monsantos PR-Strategie bisher Erfolg gehabt habe – beantwortet Gillam folgendermassen: «Es hat die Medien sicher beeinflusst», sagt sie. «Ob die Öffentlichkeit das alles durchschaut? Keine Ahnung.»

Daniela Gschweng / Infosperber

Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund von Berichten in der «Huffington Post» und anderen US-Medien erstellt.

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