UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Lastenräder und Solarmodule aus selbstverwalteter Produktion

9552

Unterstützt die kämpfenden Arbeiter*innen! Lastenräder und Solarmodule aus selbstverwalteter Produktion

barcode-677583-70

Wirtschaft

Seit der Autozulieferer GKN in Campi Bisenzio bei Florenz 2021 die Produktion einstellte, kämpfen die Arbeiter*innen des Betriebs um ihre Arbeitsplätze.

Ex-GKN-Kolleg*innen und Unterstützer*innen 2023 in Berlin.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild vergrössern

Ex-GKN-Kolleg*innen und Unterstützer*innen 2023 in Berlin. Foto: labournet.tv

Datum 19. Februar 2026
2
0
Lesezeit4 min.
DruckenDrucken
KorrekturKorrektur
Als Fabrikkollektiv haben sie sich mit einer ständigen Betriebsversammlung gegen ihre Kündigung gewehrt. Nun wollen sie eine selbstverwaltete Fabrik aufbauen.

Statt für die umweltschädliche Automobilindustrie zu arbeiten, möchten die Ex-GKN-Arbeiter*innen zukünftig ökologisch sinnvolle Produkte herstellen. Dabei werden sie von Aktivist*innen aus der Klimabewegung unterstützt.

Mit Fachleuten haben sie ein tragfähiges Konzept für die Produktion von Lastenfahrrädern und Solarmodulen entwickelt. Für ihre Genossenschaft Ex-GKN For Future (GFF) suchen sie jetzt eine Finanzierung. Es gibt bereits schriftliche Zusagen über Genossenschaftsanteile in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Die Banca Ethica ist vom Konzept überzeugt und hat 2,5 Millionen zugesagt, ein Investor möchte mit 2 Millionen einsteigen. Es sieht also eigentlich ganz gut aus.
Aber nun droht der Investor sich zurückzuziehen, wohl auch weil die Genossenschaftseinlagen nicht zügig eingezahlt werden. Das hängt anscheinend vor allem mit den Schwierigkeiten des digitalen Beitritts zur Genossenschaft zusammen, die mit den italienischen Vorschriften zur Verhinderung von Geldwäsche zu tun haben. Der Beitritt kann seit November 2025 über die Plattform Ener2Crowd erfolgen.

Allerdings scheitern manche schon an der Registrierung mit persönlicher Identifikation. Auf der GFF-Website ist neben der Plattform auch ein deutschsprachiges Erklärvideo verlinkt – als Browser wird Chrome empfohlen, und eine Kamera ist auch nötig.

Unter dem Video gibt es dann auch einen Link zu dem Bereich der Plattform, wo – nach erfolgreicher Registrierung – die Genossenschaftsanteile erworben werden können. Ein Anteil beträgt 100 Euro, für die Mitgliedschaft sind 5 Anteile, also 500 Euro erforderlich. So können beispielsweise auch Leute mit wenig Geld sich als Gruppe zusammentun, jede*r gibt 100 Euro, und sie treten gemeinsam bei, vertreten durch ein Gruppenmitglied.

Die Genossenschaftsanteile werden haftendes Eigenkapital von GFF, gehören jedoch weiterhin den Mitgliedern. Je nach Gewinnsituation sollen sie moderat verzinst werden. Sollte das Vorhaben nicht zustande kommen, werden die Genossenschaftsanteile zurückgezahlt.

Damit die selbstverwaltete Fabrik möglich wird, bitten die GFF-Arbeiter*innen nun über die Genossenschaftseinlagen hinaus auch um Spenden.

Seit Januar 2026 sammelt Arci diese Spenden für GFF. Arci ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss von Vereinen in der Tradition antifaschistischer Partisanen, die ein Netzwerk soziokultureller Zentren betreiben. 2015 hat Arci auch griechische Kooperativen unterstützt.

Die Spenden werden digital auf einer Crowdfunding-Plattform gesammelt. Da die Gemeinnützigkeit von Arci bisher in Deutschland nicht anerkannt ist, können leider keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.

Mit den gesammelten Spenden wird Arci einen kollektiven Genossenschaftsanteil für alle Spender*innen übernehmen, und diese darüber informieren. Sollte das Vorhaben von GFF nicht zustande kommen, wird Arci die Spenden in einen dauerhaften Fonds zur Unterstützung zukünftiger Arbeitskämpfe und Projekte der Reindustrialisierungen von unten einzahlen.

Für beide Wege der Unterstützung dieses selbstverwalteten sozial-ökologischen Fabrikprojekts findet ihr weitere Infos hier, sowie bei labournet.tv einenausführlichen Spendenaufruf und mehrere Videos über Ex-GKN. Beim labournet.de gibt es ein Dossier, und einen halbstündigen Dokumentarfilm könnt ihr bis zum 13. Oktober 2026 bei ARTE anschauen.

Elisabeth Voss

Dieser Text ist Teil eines Beitrags, den ich am 16.02.2026 in meinem Steady-Blog veröffentlicht habe.