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Kühne und Nagel und der deutsche Faschismus | Untergrund-Blättle

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In «reinrassig deutscher» Hand Kühne und Nagel und der deutsche Faschismus

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Der Logistikkonzern Kühne und Nagel mit Hauptsitz in Schindellegi im Kanton Schwyz arbeitete zu Zeiten des deutschen Faschismus eng mit der NSDAP zusammen.

Lagerhaus von Kühne und Nagel im Hamburger Hafen.
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Bild: Lagerhaus von Kühne und Nagel im Hamburger Hafen. / Dirtsc (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

12. November 2021
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Der "arische" Teil der Konzernbesitzer nuzte das Jahr 1933, um den jüdischen Teilhaber Adolf Mass (ermordet 1944 in Auschwitz) aus dem Unternehmen zu drängen und die Weichen auf volle Unterstüzung des Nationalsozialismus zu stellen. Zur gleichen Zeit trat Werner Kühne, ein Vorfahre des heutigen Chefs, in die NSDAP ein.

Wie Historiker*innen aufzeigten spielten Kühne und Nagel während der sogenannten Möbel-Aktion 1942 eine entscheidende Role. Das Logistikunternehmen verfrachtete Möbel und andere Güter von deportierten Jüd*innen aus den besetzten Ländern nach Deutschland, wo es verkauft wurde. Über 70’000 Wohnungen wurden während diesem Raubzug leergeräumt. Kühne und Nagel war an mehr als der Hälfte davon beteiligt.

Mit 500 Frachtkähnen, 674 Zügen und 26’984 Güterwaggons unterstüzten und ermöglichte Nagel und Kühne diese Aktion der Nazis und schlugen enorme Profite daraus. Im deutschen Reich wurde die Firma mehrfach als "nationalsozialistischer Musterbetrieb" ausgezeichnet.

Aufarbeitung wird sabotiert

Anfragen von Historiker*innen nach Dokumenten aus dieser Zeit, werden von Kühne und Nagel links liegen gelassen. Es wird angegeben, dass keinerlei Archivbestände aus der Nazi-Zeit vorhanden seien. Die aktive Beteilligung am Holocaust wird mit der Erklärung relativiert, dass es eine wirtschaftlich schwierige Zeit gewesen sei und sie sozusagen das Nötige getan hätten, um über die Runden zu kommen.

Kühne und Nagel in "reinrassig deutscher" Hand

Der zwölffache Milliardär und Chef des Konzerns Klaus Michael Kühne schreckt nicht davor zurück seine menschenverachtende Ideologie immer wieder öffentlich zu zeigen. Auf die Frage wieso er ausländischen Investor*innen eine Absage gab, antwortete er in einem Interview 2008: "Wir wollen uns möglichst reinrassig deutsch halten". Dass sich dieser milliardenschwere Faschist auch aktiv für die Grenzschliessung einsetzt dürfte niemanden überraschen. Auch nicht, dass Kühne und Nagel im Jahr 2018 Soldatentransporte der Bundenswehr nach Mali durchführte.

Grösster Logistikonzern in der Türkei

Ebenso wenig erstaunt, dass Kühne und Nagel keine Hemmungen hat in der Türkei massiv zu investieren. Das Unternehmen hat hier den grössten Logistikonzern aufgekauft und damit erneut gezeigt, dass es bei der Firma keine Berührungsängste mit faschistischen Diktaturen gibt. In der Türkei werden Arbeitskämpfe brutal unterdrückt und Kurd:innen werden eingesperrt, verfolgt und ermordet. Die Türkei führt seine genozidalen Kriege gegen die Kurd*innen auch innerhalb der eigenen Staatsgrenzen.

Der türkische Staat setzt dabei auf ethnische Säuberung: Kurd:innen werden vertrieben, andere abgesiedelt. Ob Kühne und Nagel für die faschistischen Besatzungen der Türkei nur indirekt oder auch ganz direkte Unterstützung bietet ist uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt.

Für das faschistische System in der Türkei ebenso wie für den deutschen Nationalsozialismus gilt: Möglich wird der Faschismus erst durch die aktive Beteiligung des Grosskapitals. Der Faschismus steht der bürgerlichen Gesellschaft nicht als Bedrohung gegenüber, sondern er ist ihre hässlichste, blutigste Variante. Solange wir es nicht schaffen das kapitalistische System zu überwinden, wird die Gefahr des Faschismus bestehen bleiben. Der bürgerliche Staat bekämpft faschistische Tendenzen nur oberflächlich.

Der Reichtum und die Macht von Kühne und Nagel bauen auf der Deportation und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung auf. Doch obwohl das kein Geheimnis ist, hatte das bis heute nie irgendwelche negativen Folgen für Kühne & Nagel.

Gleichzeitig werden Antifaschist:innen in Basel und anderswo zu langen Haftstrafen verurteilt. Gefängnis - für Menschen, welche sich Neonazis wie Tobias Steiger entgegenstellen, Unantastbarkeit - für global agierende Kapitalisten und Faschisten wie Klaus-Michael Kühne. Von dieser Klassenjustiz lassen wir uns nicht einschüchtern. Wir kämpfen für einen revolutionären Antifaschismus.

pm

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