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Die neue Realität Banken: Betrügen gehört heute zum Geschäftsmodell

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Milliarden-Bussen – und kein Schock, sondern zum Lachen. Die Banken rechnen damit. Entscheidend sind die verbleibenden Reingewinne.

Credit Suisse Gebäude, ZürichOerlikon.
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Bild: Credit Suisse Gebäude, Zürich-Oerlikon. / Roland zh (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

17. Januar 2017

17. Jan. 2017

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Es gehört mittlerweile zum Alltag: Banken müssen Bussen zahlen. Bussen für Betrügereien. Mal ein paar Millionen, mal ein paar hundert Millionen, mal eine Milliarde. Oder auch mehr.

Vor ein paar Tagen gab es dazu aber doch wieder einmal Schlagzeilen, denn es ging um einen Rekord – und Rekorde sind, im Sport oder wo auch immer, ja alleweil eine Schlagzeile wert. Diesmal hiess die Schlagzeile: Credit Suisse muss USA Rekordstrafe zahlen. 5,3 Milliarden US-Dollars, stand da geschrieben. Aber selbst die Schweizer Boulevard-Zeitung Blick sorgte gleich wieder für Entwarnung: «CS zahlt Rekordbusse – und es lässt alle kalt», stand da in der Headline. Und darunter sah man den CEO der CS Tidjane Thiam und den Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner, und beide lachten (siehe Bild oben).

Und was sagt die Wirtschaftszeitung?

Interessanter allerdings war ein Artikel in der NZZ. Unter der Headline «Bussen von über 200 Milliarden Franken» schreibt Hansueli Schöchli, einer der NZZ-Spezialisten für den Finanzbereich, auch Bussen in Milliardenhöhe erschreckten eben mittlerweile niemanden mehr: «Banken und Bussen gehören offenbar zusammen wie das Licht und die Motten. Vor allem seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/08 scheint kaum ein Monat zu vergehen, ohne dass irgendeine grössere Bank wieder eine saftige Busse oder sonstige Zwangszahlung aufgebrummt erhält. Selbst an Milliardenbussen hat man sich mittlerweile gewöhnt. Die Neuigkeiten vom Freitag (die Rekordbusse der CS, Anm. der Red.) vermögen denn auch niemanden mehr zu schockieren.»

Die Erkenntnisse des Boulevardblatts Blick und der «seriösen» NZZ stimmen also überein. Doch warum ist niemand mehr schockiert?

Hansueli Schöchli weiss es: «Aufdatiert bis heute, dürfte die Summe der Strafzahlungen für grosse Banken seit dem Ausbruch der Finanzkrise 250 Mrd. bis 300 Mrd. $ bzw. Fr. betragen. Doch selbst diese Summe verliert etwas an Schockwirkung, wenn man sie ins Verhältnis zu den Erträgen im Finanzsektor setzt: Gemäss der Branchenwebsite deposits.org hatten dreissig der weltweit grössten Banken ausserhalb Chinas im Jahr 2014 total einen Gewinn vor Steuern von etwa 325 Mrd. $ erwirtschaftet – was Reingewinnen von ungefähr 250 Mrd. $ entsprechen mag. Damit hätte die Summe der Strafzahlungen seit 2008 vielleicht etwas mehr als einen Jahresgewinn der grossen Banken weggewischt.»

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 sind annähernd zehn Jahre vergangen. Wenn in dieser Zeit ungefähr ein Jahresgewinn für Bussen weggefressen wurde, ist das tatsächlich nicht der Haufen. Ein Grund zum Wegschauen? Hinter Strafen und Bussen müssen doch irgendwelche Vergehen sein! Bussen und Strafen müssen eine Ursache haben!

Warum werden Banken gebüsst?

Der Frage, warum denn die Banken unaufhaltsam Bussen zahlen müssen, widmet die NZZ allerdings wenig Beachtung – nämlich einen Satz. Dieser eine Satz dazu lautet so: «Die Hauptdelikte waren Vertrieb dubioser Wertpapiere, Verstoss gegen die Regeln von Wirtschaftssanktionen, Marktmanipulationen sowie Beihilfe zu Steuerdelikten.»

«Betrug gehört nun mal zum Geschäftsmodell der Banken.» Dieser Satz, der eigentlich dazugehörte, stand da natürlich nicht. Dafür stand da ein anderer Satz: «Global orientierte Unternehmen wollen im grossen US-Markt und in dessen Finanzzentrum vertreten sein und akzeptieren deshalb die Unebenheiten des Rechtssystems und die streitbaren Behörden nüchtern als Teil der Geschäftskosten, ohne gleich ans Abwandern zu denken.»

Man merke: Die Banken, die wegen «Vertrieb dubioser Wertpapiere, Marktmanipulationen und Beihilfe zu Steuerdelikten» gebüsst werden, akzeptieren «die Unebenheiten des Rechtssystems» als «Teil der Geschäftskosten».

Die neue Realität

So einfach ist es. Nicht die Banken sind es, die betrügen, wofür sie Bussen zahlen müssen. Es sind die «streitbaren Behörden» und die «Unebenheiten des Rechtssystems», die zu Bussen führen. Und deshalb sitzt auch keiner der Bankmanager im Knast. Im Gegenteil: Sie kassieren Millionen als Gehalt und in Form von Boni für erfolgreiches Geschäften.

Christian Müller / Infosperber

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