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Der drittgrössten Minenproduzent Lonmin Der tödliche Arm des Platinrausches

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Manager des weltweit drittgrössten Minenproduzenten Lonmin forderten das südafrikanische Bergbauministerium dazu auf, gegen streikende Minenarbeiter der Marikana-Mine die «entsprechenden Massnahmen» zu ergreifen – mit Hilfe der Polizei oder der Armee.

Mine in Südafrika.
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Bild: Mine in Südafrika. / Hansueli Krapf (CC BY-SA 3.0 unported)

9. Januar 2013

09. 01. 2013

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44 protestierende Minenarbeiter wurden kurz darauf von der Polizei erschossen und 77 schwer verletzt. Viele der Opfer wollten sich nach Gummischrotschüssen der Polizei gerade ergeben. Die Polizei gab keine Vorwarnung, bevor sie mit scharfer Munition schoss. Einen Tag nach dem Massaker drohte Lonmin allen weiterhin Streikenden mit der Entlassung. Die Arbeiter hatte die Arbeit niedergelegt, weil das Lonmin-Management wiederholt nicht zu Lohnverhandlungen erschienen war, obwohl es bestens über die harten und gefährlichen Arbeitsbedingungen und die grassierende Armut in den Bergbau-Slums wusste. Der Lohn vieler Mineure reicht nicht zu einem würdevollen Leben. Lonmin beutet in Südafrika Land und Leute aus und geht dabei über Leichen.

Unverantwortliches Konzernverhalten

Lonmin ist ein wirtschaftlicher Riese, der seine unternehmerische Verantwortung gegenüber Angestellten, betroffenen Gemeinden und der Umwelt nicht wahrnimmt. Stattdessen und gegen besseres Wissen, verfestigt und verschlimmert das Unternehmen die trostlosen Lebensbedingungen in den Regionen wo sie ihre Minen betreibt. Es besteht kein Zweifel, dass Lomin an den Todeschüssen gegen die Streikenden zumindest indirekt mitschuldig ist und einen Teil der Verantwortung für das Ereignis und die schreckliche Bilanz dieses Protests tragen muss.

Hauer, die in den engen Stollen unter Tage mit 25 Kilo schweren Bohrhämmern unter mühseligsten Bedingungen arbeiten, begannen den Streik am 10. August 2012: Obwohl sie bei der Arbeit nicht aufrecht stehen können, müssen sie das schwere Gerät mit aller Kraft gegen die Felswände stemmen. Bei Unfällen in der Mine sind meist Hauer die Opfer. Sie haben die gefährlichste Arbeit im ganzen Minensektor und verdienen dabei zu wenig Geld zum Leben.

Als weltgrösster Platinproduzent und einer der grössten Goldproduzenten, hat sich Südafrika in den letzten Jahren zum reichsten Land Afrikas aufgeschwungen. Trotzdem hat das Land mehr als 25% Arbeitslose. Proteste gegen Wohnungsmangel, schlechte Versorgung mit Strom und fliessendem Wasser sowie ungenügende Schul- und Gesunheitsdienste sind an der Tagesordnung. Die miserablen Lebensbedingungen der Lonim Platinarbeiter widerspiegeln die nach wie vor erschreckende Ungleichheit der südafrikanischen Gesellschaft 18 Jahre nach dem Ende der Apartheid. Ihre Shantytowns bestehen aus lottrigen Hütten ohne fliessendes Wasser und Elektrizität auf einer staubigen Ebene neben der Mine. Die Minenarbeiter können sich nichts besseres leisten vom miserablen Lohn, den sie von der Arbeit in der Mine nach Hause bringen.

Lonmin wusste sehr wohl um die Probleme und die Wut des Bergarbeiterdorfes. 2011 und 2012, haben die Minenarbeiter und die Dorfgemeinschaft bei der Lonim Mine in Marikana ihrer Wut auf die Firma mit gewaltsamen Protesten Ausdruck gegeben. Die Bench Marks Foundation hebt in ihrem 6. Policy Gap Bericht von 2012 folgende Probleme als besonders gravierend hervor:

Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter: 2010 hatte die Mine 3 tödliche Unfälle zu verzeichnen und allein im Januar 2011 waren es doppelt so viele. Die Firma verlässt sich zu einem grossen Teil auf kurzfristige Leiharbeiter und das trägt zum Mangel an Sicherheit in den Stollen bei. Die Unterkunftsbedingungen der Bergarbeiter sind informall und bestehen aus Schuppen oder richtigen Häusern in schlechtem Zustand ohne genügende Infrastruktur, ohne Strom und funktionierende Kanalisation. Die Bewohner, und besonders die Kinder, zeigten Symptome von chronischen Krankheiten, die sich auf Lecks bei den Entwässerungsanlagen der Mine zurückführen lassen. Solche Lecks ereignen sich seit fünf Jahren immer wieder, obschon die Bewohner sich bei Lomin darüber beklagt haben. In der Vergangenheit verwendete Lonim beim Bau von Schulen Asbest und diese Schulen werden von der Gemeinde auch heute noch gebraucht und sind nicht durch giftfreie Gebäude ersetzt worden.

Anstellung von Einheimischen: Als 2011 anlässlich eines Gewerkschaftsdisputs die Arbeiter spontan die Arbeit niederlegten, entliess Lonmin 9’000 Arbeiter weil sie die Produktion bei den Platin-Minen beeinträchtigt hätten. Diese ehemaligen Angestellten verloren kurz darauf auch ihre Unterkünfte. Die lokalen Bewohner bemängeln, dass Lonim nicht mehrheitlich Leuten aus Marikana anstellt. Eine weitere Arbeitsmöglichkeit, eine Backsteinfabrik, wurde schon im Planungsstadium aufgegeben, weil Lonim beschloss, das Projekt sei nicht durchführbar...

Unternehmerische Sozialverantwortung: Ein Hydrokulturprojekt in Millionenhöhe (Rand) gab 120 Dorfbewohnern eine Zeitlang Arbeit, überlebte jedoch nicht lange. Die Firma weist grosse Summen für Sozialinvestitionen und unternehmerische Sozialverantwortung aus, doch von all dem ist in der Gemeinde selbst sehr wenig zu sehen.

Folgen

Auswirkung der Mine auf die Landwirtschaft: Die Mine kauft immer mehr produktives Farmland für ihre eigenen Zwecke auf. Die Bauern sind oft isoliert und der Wert ihres Landes sinkt, je mehr Minen und Schlammwälle um sie herum entstehen. Land für das Lonim keine Verwendung mehr hat, bleibt leer und unbenützt. Die zunehmende Zahl von Schlammwällen, die überall gebaut werden, haben verheerende Auswirkungen auf das Oberflächenwasser. Lonmin und zwei weitere Minengesellschaften besitzen 90% des Buffelspoort Dam, obschon dieses Gebiet für Landwirtschaft bestimmt ist. Der Sterkstroom River ist schwer verschmutzt—eine Folge von schlechten Wasserbewirtschaftungssystemen, Schlammwällen und flussaufwärts gelegenen Abwassersystemen, die nicht funktionieren.

Auf unproduktivem Land wachsen wilde Siedlungen und in deren Sog verstärkt sich die Zuwanderung und bald schon steht die bestehende Infrastruktur stark unter Druck. Eine Anzahl von sozialen Herausforderungen—Verbrechen, Prostitution, Sozialzerfall, und übertragbare Krankheiten (TB und HIV/AIDS)—sind in der Gegend weitverbreitet. Die Mine zahlt den Arbeitern einen ‘sleeping-out’-Zuschlag damit sie eine anständige Unterkunft finden können, doch die Arbeiter ziehen es vor, in Schuppen zu leben und das Geld, das sie dabei sparen nach Hause zu schicken oder auf lokale Unterhaltung zu verwenden.

Der Prozess des freien, vorherigen und informierten Konsens wird weitgehend ignoriert oder von Mine verhindert. Lonmin stellt zahlreiche raffinierte Berater an, die EIAs, SLPs und gewisse Machbarkeitsstudien durchführen. Diese werden vor den Bauern und anderen betroffenen Parteien oft versteckt gehalten. Die Umweltverträglichkeitsprüfungen (EIAs) für gewisse Projekte passen der Firma nicht, und sie bilden auch keine Leute aus, die sich auf die Schaffung einer nachhaltigeren Gegend verstehen.

Aktueller Stand und Forderungen an das Unternehmen

Lonmin muss den monatlichen Minimallohn für die Arbeiter in der Platinmine in Südafrika soweit anheben, dass er mindestens einen zum Leben genügenden Lohn darstellt! Der drittgrösste Platinproduzent der Welt muss seine Verantwortung gegenüber Arbeitern, Standortgemeinden und Umwelt endlich wahrnehmen.

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