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Wirtschaft

Kapitalfehler Spareinlagen werden schleichend enteignet

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Für einmal ist die Fachsprache ehrlich und redet von «finanzieller Repression». Repression steht für willkürliche Zwangsmassnahmen.

Allen grossen Krisen folgte ein Paradigmenwechsel.
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Bild: Allen grossen Krisen folgte ein Paradigmenwechsel. Vom Liberalismus zu Keynes und von Keynes zum Neoliberalismus. / Mario Sixtus (CC BY-NC-SA 2.0 cropped)

14. September 2016
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Die Marschrichtung in den letzten Jahren spricht Bände, wohin es geht. Die Zinsen sind bei Null und weit unter der Inflationsrate – so wird der Sparer enteignet. Norwegen, die Schweiz, Dänemark und Japan haben bereits einen Gang höher geschaltet und Negativzinsen installiert. Momentan treffen Negativzinsen nur Grosskunden, aber irgendwann wird es alle treffen. Es ist damit zu rechnen, dass die Kosten immer weiter auf die Kunden abgewälzt werden und sich die Kontogebühren erheblich erhöhen.

Die finanzielle Repression

Unser Schweizer Nachbar hat gezeigt, dass Negativzinsen kein Ding der Unmöglichkeit mehr sind. Aufgrund der Minusverzinsung von Kapital überlegen sich manche Pensionskassen bereits, einen Teil des Rentengeldes nicht auf einem Bankkonto zu belassen, sondern in einem externen Tresor zu lagern. Eine Pensionskasse hat ausgerechnet, dass sie so fast 25'000 Franken Rentengeld pro 10 Millionen Franken sparen würde. Trotz Unkosten für Tresormiete, Geldtransport und weiteren Ausgaben. So einfach ist das aber nicht. Denn die Schweizerische Nationalbank hat bestätigt, dass sie Bargeldhortung zur Umgehung von Negativzinsen nicht gerne sieht.

Kredit aufnehmen und damit noch verdienen

Des einen Leid ist des anderen Freud. Mittlerweile trägt die Niedrigzinsphase sonderbare Früchte. Während es in Deutschland bereits Null-Prozent-Kredite gibt, sind unsere Nachbarn im Norden bereits ein Stück weiter. In Dänemark zahlt eine Bank einer Kundin sogar Geld dafür, dass sie einen Kredit aufnimmt. Die Bank Realkredit Danmark gewährte ihr für einen dreijährigen Kredit Zinsen; fürs Schuldenmachen wurden 0,0172 Prozent gutgeschrieben. Das entspricht etwa einem Euro pro Monat.

Hintergrund dieser irrsinnigen Entwicklung ist, dass die Dänische Nationalbank offensichtlich versucht, die Wirtschaft aggressiv anzukurbeln. Nach den Negativzinsen für Spareinlagen, die bei unserem nördlichen Nachbarn nicht selten sind, gibt es jetzt dort sogar Geld für das Schuldenmachen. Spätestens hier sollten wir uns alle an den Kopf fassen.

Riskante Flucht in Immobilien

Laut Bloomberg sind die Immobilienpreise in Dänemark seit 2012 um 40 bis 60 Prozent gestiegen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Immobilienblase platzen wird. Auch bei uns schiessen die Immobilienpreise aufgrund der niedrigen Zinsen in immer neue Höhen. So mancher lässt sich von den niedrigen Zinsen anlocken und kauft eine Immobilie, die er sich im Grunde genommen überhaupt nicht leisten kann. So wird die Immobilienblase immer weiter aufgepumpt. Einige werden sich dabei in Zukunft eine blutige Nase holen.

Ruf nach Abschaffung des Bargelds

Derzeit wird das Geschrei nach der Abschaffung von Bargeld immer lauter. Erst hiess es noch, die Sparer mit Negativzinsen zum Geldausgeben zu animieren, wozu Bargeld abgeschafft oder zumindest drastisch eingedämmt werden müsse. Egal, ob der Wirtschaftsweise Peter Bofinger, der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der Havard-Ökonom Kenneth Rogoff, der ehemalige Chef der Weltbank Larry Summers oder Andrew Haldane, Chefökonom der Bank of England – unisono erklären alle plötzlich, dass Kriminalität und Terrorismus durch eine Abschaffung des Bargeldes bekämpft werden könnten.

In das gleiche Horn bläst inzwischen auch die Politik, denn sie weiss, dass Menschen in Angst immer die Sicherheit der Freiheit vorziehen. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes. Sie wollen uns die Freiheit nehmen und uns gnadenlos in die Abhängigkeit von Banken treiben. Larry Summers und Kenneth Rogoff argumentieren unverhohlen, dass es darum gehe, auch private Ersparnisse mit Negativzinsen für Regierungen «nutzbar» zu machen. Deshalb sollte uns allen klar sein, dass uns die Niedrigzinsphase erhalten bleibt. Es ist absehbar, dass die Zinsen sogar noch weiter sinken und die Enteignung durch die Notenbanken weiter fortschreiten wird, um die Kosten der Krisen auf uns alle abzuwälzen.

Einen Sturm auf die Banken verhindern

Damit sich die Bürger dieser Enteignung nicht entziehen können, soll Bargeld in Form von Bargeldzahlungs- und Bargeldabhebungsgrenzen immer weiter eingeschränkt werden. Das alles wird uns in kleinen Dosen verabreicht, damit wir uns langsam an den Schmerz gewöhnen. Der Zugriff auf Geld wird immer weiter erschwert. Ziel ist es, einen Bankensturm zu verhindern und die Sparer für kommende Bankenrettungen in die Pflicht zu nehmen.

In Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland gelten bereits Obergrenzen für Bargeldabhebungen, und die Menschen spüren es am eigenen Leib. In Deutschland wird aktuell eine Obergrenze in Höhe von 5000 Euro diskutiert. Wir gehen davon aus, dass der Bargeldverkehr in Zukunft massiv beschränkt wird. Auch den 500-Euro-Scheinen soll es ans Leder gehen, da diese laut EZB-Vizepräsident Constâncio »nicht so dringend« gebraucht werden.

Freie Fahrt für Enteignung

All dies geschieht natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit. Warum die Kriminellen dann aber nicht auf kleinere Euro-Noten ausweichen, kann uns keiner erklären. Lassen Sie sich nicht blenden und hinters Licht führen. Diese Argumentation, dass dadurch Terrorismus, Drogenhandel und Mafia bekämpft werden können, ist lediglich vorgeschoben, um die wahren Beweggründe zu verschleiern. Bargeld ist Freiheit!

Die Marschrichtung ist klar: Es geht um Kontrolle, Überwachung und Enteignung. Denn mit der Abschaffung von und der Kontrolle über Bargeld kann man problemlos Negativzinsen einführen, ohne dass sich die Bürger diesen entziehen können. Schweden ist bereits auf dem besten Weg, Bargeld abzuschaffen. Wenn das Bargeld begrenzt oder sogar verboten ist und die Negativzinsen in unvorstellbare Höhen steigen, dann werden auch die Narren, die heute für die Bargeldabschaffung plädieren, erkennen, dass sie ihre Enteignung selbst unterschrieben haben. Doch dann ist es zu spät. Aus den genannten Gründen ist es essenziell, sich aktiv um sein Vermögen zu kümmern. Wir sind grosse Verfechter von Sachwerten.

Krisen sind gewollt!

Die letzten dreissig Jahre waren geprägt von zyklischen Krisen. Börsencrash 1987, Asienkrise, Russlandkrise, Staatsbankrott Argentinien, Dotcom-Blase, Zusammenbruch des Neuen Marktes, Immobilienkrise … Krise bedeutet Krankheit. Wenn also immer wieder Krisen aufbrechen, ist dies ein Zeichen, dass unser System offensichtlich schwer krank ist. Dass die Krisen immer umfassender und heftiger werden, sollte uns warnen und die Alarmstufe Rot auslösen. Der Zustand des Krisenpatienten wird immer bedrohlicher und eine Rettung immer unwahrscheinlicher.

Allen grossen Krisen folgte ein Paradigmenwechsel. Vom Liberalismus zu Keynes und von Keynes zum Neoliberalismus. Immer? Nein, 2008 war alles anders. Nach dem Finanzcrash wurde Grundlegendes nicht neu überdacht, infrage gestellt, geschweige denn geändert. Obwohl der Neoliberalismus total versagt hat, bleibt man dem gescheiterten Kamikazekurs treu. Warum ist das so? Wir konnten es nicht fassen, bis wir das Puzzle selbst zusammengesetzt hatten. Ein Wandel ist überhaupt nicht gewollt. Noch schlimmer: Krisen sind gewollt und erwünscht.

Betrachten wir die Entwicklung seit 2008 etwas genauer. Der Kapitalismus wurde längst durch Planwirtschaft, insbesondere die der Notenbanken, ersetzt. Notenbanken werden von Menschen geleitet, die keiner von uns je gewählt hat. Sie kaufen Staatsanleihen und sogar Aktien in grossem Stil – und beeinflussen so Politik und Wirtschaft.

Niemals zuvor ist das Vermögen der Superreichen schneller und stärker gewachsen, nie konnten Staaten sich günstiger verschulden und auf Kosten der Bürger entschulden. Die Bürger wurden und werden durch Niedrigzinsen beziehungsweise Negativzinsen enteignet. Banken wurden mit Steuergeldern gerettet und Gesetze im Schnelldurchgang verabschiedet, die unter normalen Umständen nicht hätten realisiert werden können.

Neben unserem Wohlstand und unseren Vermögen ist eines der Hauptopfer der Krisen unsere Demokratie und damit unsere Freiheit! Die Politik hebelt die Demokratie Schritt für Schritt aus, und niemand empört sich. Keiner erhebt sich, um unsere hart erkämpften demokratischen Werte und unsere Freiheit zu verteidigen.

Wenn sich Politik und Gesellschaft nicht endlich aus dem Würgegriff der Finanzmärkte befreien, dann werden Marktwirtschaft und Kapitalismus – stets gut gemeinte, von vielen Denkern gut gedachte und im Alltag auch nicht immer nur schlecht umgesetzte soziale «Erfindungen» – endgültig von Förderern zu Totengräbern unseres Wohlstands.

Matthias Weik und Marc Friedrich / Infosperber

Auszug aus dem neusten Buch der beiden Ökonomen, Querdenker und Publizisten Matthias Weik und Marc Friedrich «Kapitalfehler - Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen»

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