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Zeitbombe mit vielen Nullen Allein die Credit Suisse: 50,98 Billionen Dollar Derivate

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Zeitbombe mit vielen Nullen: Das Volumen der Wetten mit Derivaten erreicht ein Vielfaches des weltweiten Brutto-Inlandprodukts.

Credit Suisse Gebäude in London.
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Bild: Credit Suisse Gebäude in London. / Jue Mue (PD)

21. März 2016

21. 03. 2016

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Der Handel mit Derivaten hat den grössten Teil des Nutzens für die Realwirtschaft verloren. Er ist ein Auswuchs des Börsencasinos mit erheblichen Risiken für die Stabilität des weltweiten Finanzsystems. Die agierenden Grossbanken machen gute Geschäfte, ohne ein grosses Risiko einzugehen: Im Falle eines Crashs werden die Staaten, lies Steuerzahlenden, die Grossbanken retten, weil sie mehr denn je «too big to fail» sind, also zu gross, um fallengelassen zu werden.

Zahlen über das Ausmass des weltweiten Derivatehandels sind mit Unsicherheiten behaftet und beruhen teilweise auf Schätzungen, weil dieser Handel auch sieben Jahre nach der letzten grossen weltweiten Finanzkrise immer noch sehr intransparent ist. So werden etwa 20 bis 30 Prozent des Derivatehandels ausserbörslich abgewickelt, schätzen Schweizer Finanzspezialisten.

Volumen beträgt Zehnfaches des weltweiten BIP

Das Bruttoinlandprodukt sämtlicher Länder der Erde erreicht nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ rund 63 Billionen Dollar. Der weltweite Umsatz mit Derivaten ist etwa zehnmal so gross.

Allein die Credit Suisse CS hat 50,98 Billionen Derivate bilanziert. Im Jahr 2007, ein Jahr vor der letzten Finanzkrise, waren es «erst» 40,23 Billionen. Ein Plus von 10,747 Billionen in nur acht Jahren.

Fazit: Trotz andauerndem Versprechen, das Investment-Banking zu reduzieren, um die Banken krisenresistenter zu machen, wachsen deren Derivatebestände weiter.

Die rasante Entwicklung ist auf die pulsierenden Herzen der Investment-Banken zurückzuführen. Diese pumpen die Derivatepositionen gewinnbringend und pausenlos auf den Markt und in die Portfolios ihrer Kunden, anschliessend werden sie bilanziert mit einer sogenannten «Fair Value» Bewertung.

Regulatoren schauen zu

Wie fair und liquide diese Bewertungen tatsächlich sind, wird spätestens in Krisen wie 1998, 2008 oder Griechenland im 2010 sichtbar. In der Zwischenzeit lautet die offizielle Stellungnahme: Netto gleichen sich die Risiken aus.

Dieser Ausgleich verschleiert die Wachstumsdynamik und Komplexität der Derivate und erlaubt den verantwortlichen Investment-Bankern, immer höhere Gewinne abzuschöpfen, finanziert durch kostenloses Geld und geringen Eigenkapitaleinsatz. Die Entwicklung sorgt am Jahresende zur Rechtfertigung neuer Rekordboni. Die damit verbundenen Risiken hinterfragt bei spielender Musik niemand. Weder interne Kontrollmechanismen noch Regulatoren stellen zur rauschenden Party Fragen.

«Massenvernichtungswaffen»

Warren Buffett bezeichnete die Derivate-Instrumente der Finanzindustrie als Massenvernichtungswaffen. Seit Jahrzehnten schlummernd, gut versteckt und gelagert in den dunklen Kellern der US-Grossbanken sowie der Credit Suisse und der UBS. Keines dieser Häuser öffnet gern ihre verstaubten Hintertüren, da die Gefahr einer Detonation durch Aufdeckung von Illiquidität zu gross wäre.

Kopf an Kopf misst sich das Gefahrenpotenzial der Schweizer Grossbanken verglichen mit den anderen Finanzinstituten. Konsolidiert dürften die beiden Banken UBS und CS der Deutschen Bank, die 54,65 Billionen Dollar an Derivativen bilanziert, sogar voraus sein.

Dominosteine

Das wahre Ausmass verdeutlicht sich im Vergleich zur Wirtschaftsleistung der Schweiz und Europa. Mit einem Vielfachen des BIPs lässt sich im intransparenten Derivategeschäft Geld verdienen; sehr viel Geld, so wie dies die vergleichsweise kleine Leonteq und andere Investmenthäuser mit ihren stolzen Gewinnen immer wieder aufs Neue beweisen.

Die sprudelnden Einnahmequellen sind gefährdet, sobald die Derivate-Dominosteine zu wackeln beginnen – und sie hätten bei einem Zusammenbruch ungeahnte Konsequenzen auf Gewinn und Stabilität der Finanzinstitute und somit das ganze System. Genau deshalb müssen Eventual-Risiken wie Finanzkrise oder Griechenland mit allen Mitteln verhindert werden.

Ein relativ kleiner prozentualer Verlust auf den riesigen Derivatepositionen hätte für die globalen Finanzinstitute analog 2008 gravierende Ausfallrisiken zur Folge. Vor diesen sogenannten «Tail Risks» fürchten sich die Banken-CEOs.

Eine besondere Gefahr geht von «Credit Default Swaps» aus (CDS; deutsch auch «Kreditausfall-Swap»). Das sind Kreditderivate, die es erlauben, Ausfallrisiken von Krediten, Anleihen oder Schuldnernamen zu handeln.

Nach der Finanzkrise 2008 lösten renommierte Banken, die gigantische Verluste erlitten und in der Folge Staatsrettungen nötig machten, Anti-Wallstreet-Bewegungen aus. Doch diese haben nicht verhindert, dass sich das Finanz-Casino munter weiter dreht.

Red. / Infosperber

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