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Griechenland: Bis aufs letzte Hemd | Untergrund-Blättle

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Zu den anhaltenden Protesten um den Goldabbau auf Chalkidiki Bis aufs letzte Hemd Griechenland: Bis aufs letzte Hemd

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Es scheint, als kenne der Ausverkauf des griechischen Staates keine Grenzen, um dem drohenden Bankrott unter deutsch-europäischer Ägide zu entrinnen.

Goldabbau in der SkouriesMine.
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Bild: Goldabbau in der Skouries-Mine. / Francesca Pagani (CC BY 3.0 unported - colored - cropped)

30. September 2014

30. Sep. 2014

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Nach der umfassenden Privatsierung sämtlicher sozialer Sicherungssysteme und des öffentlichen Transportsystems, steht nun der weitreichende Ausverkauf bislang öffentlicher Räume zur Debatte.

So sind bereits einige unbewohnte Inseln für mehrere Jahrzehnte an Privateigentümer verpachtet und auch die Strände Griechenlands sollen nun laut aktuellem Entwurf des griechischen Parlaments umfassend privatisiert werden. Parallel zu diesem Prozess des Ausverkaufs forciert der griechische Staat seit mehreren Jahren mit Hilfe internationaler Konzerne die Ausbeutung bislang unerschlossener Bodenschätze.

Ein Paradebeispiel hierfür ist die Kooperation zwischen dem griechischen Staat und dem kanadischen Bergbaukonzern Eldorado Gold in der Erschliessung örtlicher Goldvorkommen auf der im äussersten Norden gelegenen Halbinsel Chalkidiki. Seit 2006 bereitet das Konsortium ”Hellas Gold” – bestehend aus Eldorado Gold und dem vom griechischen Olligarchen Georgios Bobolas geleiteten Unternehmen ”Elaktor” – die Modernisierung der bis dato verwaisten ”Skouries”-Mine und die weitreichende Bebauung des ehemaligen Naturreservats im Zentrum von Chalkidiki vor. 1-5 Gramm Gold auf eine Tonne umgegrabene Erde, mehrere Tonnen Gold jährlich soll laut offiziellen Angaben die modernisierte Mine liefern. Der griechische Staat erhofft sich von den Förderungen eine florierende Goldindustrie, zusätzliche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Bislang sind aufgrund der zur Förderung notwendigen Infrastruktur zahlreiche Rodungen vorgenommen worden. Weitreichender dürften jedoch die Massnahmen sein, die den Abbauprozess überhaupt erst ermöglichen: Um den Grundwasserspiegel zu senken, ist ein 300 Meter tiefer Trichter in den Boden gegraben worden, 5 weitere diese Trichter sind in Planung. Als unmittelbare Folge kann bereits jetzt ein Austrocknen zahlreicher kleiner Flüsse, sowie das einsetzende Waldsterben beobachtet werden. Darüber hinaus sind die bei Goldschürfungen zum Einsatz kommenden Chemikalien hochgiftig und könnten zu einer Bedrohung für die grossen Grundwasserreserven der Gegend werden. Zwar beteuert ”Hellas Gold” die besonders gefährliche Stoffe nicht zum Einsatz bringen zu wollen, doch die ortsansässige Bevölkerung bleibt skeptisch.

Eben jene war es auch, die bereits 1994 den staatlichen Versuch, die Mine in Skouries zu betreiben, mit massiven Protesten beantwortete, nachdem bekannt geworden war, welche nachhaltigen Schäden Mensch und Umwelt durch den Abbau drohen. Der Staat musste schliesslich klein bei geben und so war die Mine seit Mitte der 90er Jahre verwaist. Seit dem neuerlichen Anlauf durch ”Hellas Gold” 2006 organisieren sich nun erneut Teile der lokalen Bevölkerung in sogenannten Kampfkomitees in den um Skouries liegenden Städten. Neben einem jährlich stattfindenenden Camp, in dem gemeinsame Strategien zum Kampf gegen das Grossprojekt diskutiert und eine Vernetzung mit anderen sozialen Kämpfen ermöglicht werden soll, organisierten die Komitees in der Vergangenheit Strassenbesetzungen und Mahnwachen.

Vereinzelt kam es auch zu Sabotageakten. Die Repression durch den Staat liess nicht lange auf sich warten: Nicht nur kam es im Zuge der Proteste zu den üblichen Gewaltexzessen seitens der Polizei und zur Kriminalisierung der AktivistInnen als ”Mitglieder einer terroristischen Organisation”, auch existieren seit geraumer Zeit Bannmeilen um die Baustelle – durchgesetzt durch den privaten Sicherheitsdienst ISS und örtliche Polizeieinheiten.

Der Konzern ”Hellas Gold” versucht sich derweil in der aktiven Spaltung der ortsansässigen Bevölkerung und damit des potenziellen Widerstands. Zunächst bemühte sich der Konzern, den Widerstand in den eigenen Reihen zu zerschlagen. Dissidente oder schwankende ArbeiterInnen wurden daher schnell entlassen und durch loyalere Arbeitskräfte ersetzt. Darüber hinaus umwarb der Konzern gezielt einzelne Gemeinden im Umland mit Versprechungen zur Arbeitsplatzvergabe und anderweitigen Vergünstigungen. Für viele Menschen, gerade in der sich zuspitzenden Krise, der letzte Strohhalm, an den sie sich klammern können. Diese Politik der Aufhetzung der Bevölkerung zeitigt bereits Folgen. Die umliegenden Gemeinden sind inzwischen in 2 verfeindete Lager gespalten. Auch zu gewalttätigen Übergriffen ist es bereits gekommen.

Für die AktivistInnen ein schwierige Situation. Nicht wenige der BasisaktivistInnen sind in Zusammenhängen organisiert, die auch in andere soziale Kämpfe involviert sind. So sind neben den zahlreichen ökologischen Basiskomitees auch anarchistische Gruppen und Mitglieder der Anti-autoritären Bewegung (Alpha Kappa – AK) in den Protesten aktiv. Gegen das berechtigte Interesse von ArbeiterInnen und AnwohnerInnen anzugehen, ihren Lebensunterhalt mit einem von ”Hellas Gold” gestellten Arbeitsplatz bestreiten zu können, erscheint nicht wenigen als ein grundsätzliches moralisches Dilemma im Protest gegen das Grossprojekt. Ausserdem macht die gesamtgesellschaftliche Apathie eines grösser werdenden Teils der griechischen Bevölkerung den AktivistInnen zu schaffen. Die Menschen seien längst nicht mehr so intensiv in die Proteste involviert wie noch vor ein paar Jahren und zunehmend fixiert auf Regierungsmassnahmen.

Dennoch wollen die Kampfkomitees weiterarbeiten. Es gehe beim Widerstand um das Grossprojekt schliesslich um mehr, als lediglich dessen Verhinderung. ”Im Widerstand können Selbstbestimmung und Selbstverwaltung praktisch gelernt werden” kommentiert Jannis, ein langjähriger Aktivist eines der örtlichen Kampfkomitees, den tieferen Sinn hinter dem Protest. Das Moment der Selbstbestimmung ist es dann eben auch, was die Proteste um Skouries in Distanz zu etablierten Parteien und Vertretern des politischen Systems bringt. ”Wir wollen uns nicht vereinnahmen und repräsentieren lassen!”

Jan Ronahi / lcm

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