UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

EZB – der Wahnsinn geht weiter | Untergrund-Blättle

4377

Werden Notenbanken bald die grössten Aktienbesitzer? EZB – der Wahnsinn geht weiter

Wirtschaft

Die Europäische Zentralbank überschwemmt die Wirtschaft weiter mit Geld und verschleppt damit längst fällige Schulden-Abschreiber.

Blick auf die Europäische Zentralbank vom Frankfurter Ostbahnhof.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Blick auf die Europäische Zentralbank vom Frankfurter Ostbahnhof. Foto: Simsalabimbam (CC BY-SA 4.0 cropped)

30. Oktober 2017
1
0
4 min.
Drucken
Korrektur
Der Wahnsinn der EZB geht weiter. Während manche von einer Zinswende faseln, können wir diese nirgendwo erkennen. Lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Um Klartext zu sprechen: Es gibt keine Zinswende und es wird auch in den nächsten Jahren keine geben! Markante Zinserhöhungen können wir uns alle abschminken.

Der EZB-Chef Mario Draghi hat gestern verkündet, dass der Zins weiterhin bei 0 Prozent und der Negativzins für Bankeinlagen bei der EZB weiterhin bei minus 0,4 Prozent bleiben. Was ist das bitte für eine Zinswende? Obendrein wurde verkündet, dass das irrsinnige Aufkaufprogramm der EZB, welches eigentlich Ende dieses Jahres enden sollte, abermals verlängert wird. Zwar werden dann keine 60 Milliarden Euro sondern nur noch 30 Milliarden Euro pro Monat, für weitere 9 Monate, herausgespuckt!

Das sind jedch immer noch 30'000 Millionen Euro pro Monat und insgesamt 270'000 Millionen zu viel. Das soll die Wende sein? Wir gehen davon aus, dass auch im September 2018 damit nicht Schluss ist und auch 2019 weiterhin Geld von der EZB Geld hinausgeschmissen und der Zins im Keller bleiben wird. Draghi hat keinen Plan B zur Lösung der Krise ausser dieses eine Notenbankexperiment, das an pure Verzweiflung grenzt.

Die Party an den Märkten dürfte also bis dahin weiter gehen. Es bleibt spannend, was die EZB noch aufkaufen will. Wir werden im September 2018 dann eine noch ratlosere EZB sehen, die weiterhin verzweifelt Zeit kaufen wird, welche die Politik abermals nicht nutzen wird.

Bis zum heutigen Tag hat allein die EZB über 2'188'000'000'000 Euro (2,188 Billionen Euro) in die Märkte gepumpt. Seit gestern ist bekannt, dass kein Ende in Sicht ist. Der Wahnsinn wird sich bis September auf 2,55 Billionen auftürmen, für die wir im Notfall alle haften müssen. In Anbetracht der gigantischen Schuldenberge und der äusserst schwachen Wirtschaft insbesondere in Griechenland und Italien, aber auch in Frankreich, Portugal und Spanien, werden auch in Zukunft markante Zinserhö-hungen vermieden, da ansonsten eben diese Staaten relativ zügig erhebliche Refinanzierungsprobleme bekommen. Unbestreitbar ist der Euro viel zu stark für die Länder Südeuropas und viel zu schwach für Deutschland. Diese Tatsache wird auch Herr Draghi mit seinem unverantwortlichen Programm nicht verändern können. Im Zins- und Währungskorsett des Euros wird die Südschiene Europas niemals auf die Beine kommen.

Gegenwärtig ist die Bilanzsumme der EZB (rote Linie), mit über 5 Billionen Euro, wovon 2,2 Billionen Euro auf die Wertpapierkäufe entfallen, höher als die der US-Notenbank FED (grüne Linie). Die EZB ist mittlerweile zu einem wichtigen Marktteilnehmer geworden. Sie kauft Aktien und Anleihen von Unternehmen auf, welche auf eher tönernen Füssen stehen.

Obendrein kauft sie Staatsanleihen von Ländern wie beispielsweise Griechenland auf, welche faktisch bankrott sind, oder Ländern wie Italien, welche wirtschaftlich gesehen mit dem Rücken zur Wand stehen. Längst betreibt die EZB monetäre Staatsfinanzierung, welche offensichtlich verboten ist. Man kann es auch knallhart als Insolvenzverschleppung bezeichnen.

Wenn Notenbanken auf globaler Ebene permanent in die Märkte eingreifen, kann man nicht mehr von freier Marktwirtschaft sprechen, sondern von Planwirtschaft. Fakt ist jedoch auch: mit der Notenbankpresse lassen sich nachhaltig keine Probleme lösen, auch wenn eben dies auf globaler Ebene versucht wird.

Ein Blick nach Japan zeigt auf, wie weit man diesen Irrsinn treiben kann. Mittlerweile hält die japanische Notenbank – Bank of Japan – 75 Prozent aller japanischen ETFs. Wo bitte soll die Reise hingehen? Werden Notenbanken bald die grössten Anleihen-, Aktienbesitzer…

Es ist überdeutlich, dass wir mittlerweile keine freien Märkte mehr haben, sondern dass ganz eindeutig eine Planwirtschaft der Notenbanken herrscht. Bekanntlicherweise hat Planwirtschaft noch nie funktioniert.

Aber Herr Juncker hat jetzt eine Lösung präsentiert, wie wir den Euro und die EU retten können: Die Ausweitung des Euros in alle Länder – ja auch in Rumänien und Bulgarien. Wir werden uns in Zukunft warm anziehen müssen.

Matthias Weik und Marc Friedrich / Infosperber

Die beiden Ökonomen und Querdenker Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam «Der grösste Raubzug der Geschichte – warum die Fleissigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden».

Mehr zum Thema...
Ökonomie im Zuckerrausch.
Weltfinanzsystem in einer gigantischen LiquiditätsblaseÖkonomie im Zuckerrausch

23.04.2021

- Die Aktienmärkte boomen. Trotz Coronakrise und der Verarmung hunderter Millionen [...]

mehr...
EZB-Campus mit dem Doppelturm und der Grossmarkthalle im Vordergrund.
Grundsätzliches über Geld und Kredit in der EUEZB, Euro und Währungssysteme überhaupt

30.06.2020

- Wenn heute von der „Corona-Krise“ geredet wird, ist das irreführend, weil die wirtschaftlichen Verwerfungen aufgrund der Lockdowns treffen auf ein Wirtschafts- und Währungssystem, das schon vorher höchst wackelig war.

mehr...
Eingang zum Federal Reserve Gebäude in Boston.
Die Liquiditätsparty ist zu EndeGeldpolitik vor dem Bankrott?

10.12.2022

- Ein Überblick über die Widersprüche bürgerlicher Krisenpolitik in der aktuellen Stagflationsphase. (Erster Teil einer Serie zum derzeitigen Krisenschub)

mehr...
Interview Michael Schlecht zu EZB und Staatsanleihen

26.01.2015 - Michael Schlecht, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken erläutert die Folgen des Billionen-Euro-Ankaufs von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Er befürchtet, dass daduch keineswegs eine Deflation verhindert wird, sondern weitere Kürzungen von Einkommen, steigende Aktienkurse und jubelnde Börsen werden die Folgen sein

Drei Finanzschocks als Jahresauftakt - von Ulrich Busch

01.02.2015 - »Kaum hat das neue Jahr begonnen, da wurde die Finanzwelt gleich von drei tektonischen Erschütterungen heimgesucht: Erstens von der Ankündigung der Schweizerischen Notenbank, die Kopplung des Franken an den Euro mit sofortiger Wirkung aufzugeben, zweitens von der historischen Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), demnächst Staatsanleihen in Billionenhöhe anzukaufen, um die Deflation zu stoppen und die Konjunktur in Europa anzukurbeln, und drittens vom Sieg der Linkssozialisten bei den Parlamentswahlen in Griechenland, womit das Ende der von der Troika diktierten Austeritätspolitik eingeläutet und eine Wende im Umgang mit den griechischen Auslandsschulden eingeleitet wurde.« DAS BLÄTTCHEN (Ausgabe Nr. 2 vom 2.2.15), die Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft, können Sie vollständig Online lesen.

Dossier: Griechenland
L-BBE (  - )
Propaganda
Helene Fischer: Von Kinderhand für mich gemacht

Aktueller Termin in Kollmarsreute

umsonstladen kollmarsreute

Idee Die Idee des Umsonstladens ist einfach: Viele Leute haben Dinge, die sie nicht mehr gebrauchen können oder wollen. Diese liegen oft nutzlos herum, denn „eigentlich sind sie zu schade zum Wegwerfen“. Andere Menschen wiederum suchen ...

Dienstag, 31. Januar 2023 - 14:00 Uhr

umsonstladen Kollmarsreute, Grundackerstraße 3a, 79312 Kollmarsreute

Event in Marseille

BBQ et concerts de soutien aux précaires de l'éducation nationale

Dienstag, 31. Januar 2023
- 14:00 -

La Dar

Rue du Pèbre d’Ail

13400 Marseille

Mehr auf UB online...

Cover zum Buch.
Vorheriger Artikel

Pluriverse: A Post-Development Dictionary

Hat die Menschheit noch eine Chance?

Der polnische Regisseur Jerzy Skolimowski am Film Festival von Lissabon, November 2016.
Nächster Artikel

EO

Aus Liebe zum Esel

Untergrund-Blättle