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Uran aus der russischen Wiederaufbereitungsanlage Majak Die Verschleierungstaktik des Schweizer Stromversorger Axpo

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Der Schweizer Stromversorger Axpo bezieht Uran aus der russischen Wiederaufbereitungsanlage Majak und hat diese Praxis jahrelang verschleiert. Majak gilt neben Tschernobyl als verstrahltester Ort der Welt.

Grösstes Atomkraftwerk Europas bei Saporischschja in der Ukraine.
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Bild: Grösstes Atomkraftwerk Europas bei Saporischschja in der Ukraine. / Ralf1969 (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

19. Januar 2011

19. Jan. 2011

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Radioaktive Abwässer werden direkt in den Fluss geleitet oder lagern unter freiem Himmel. Die Bevölkerung leidet unter überdurchschnittlichen Krebsraten und Fehlgeburten. Viele Kinder haben schwerste Behinderungen. Der Brennmaterialbezug aus Majak ist umso stossender, als Axpo sich und seinen AKWs stets ein grünes Mäntelchen umhängt und den seinen Atomstrom als "sauber" bezeichnet. Jahrelang haben die Betreiber der Schweizer AKW die Herkunft des Brennmaterials verschleiert.

Axpo gestand den Einsatz dreckigen Brennstoffs aus russischen Atom-U-Booten und –Eisbrechern erst ein, nachdem unabhängige Recherchen den Skandal aufdeckten. "Man sollte Gesamtverantwortung übernehmen für das, was man mit dem Endgeschäft auslöst", sagte ein Axpo-Vertreter kürzlich in der Rundschau des Schweizer Fernsehens. Genau dies aber unterlässt die Axpo.

Propaganda und Realität

Seit Jahren wirbt Axpo im grossen Stil mit "sauberem Atomstrom" und propagiert den Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz. Dabei blendet der staatliche Energiekonzern einerseits die bekannten Probleme dieser umstrittenen Form der Energiegewinnung aus und verheimlicht andererseits die für Mensch und Umwelt extrem schädlichen Produktionsbedingungen ihrer Brennstoffe.

Trotz mehrfachem Nachhaken diverser Umweltverbände hüllte sich die Axpo bis Anfang September in Schweigen, unterschlug die Herkunft ihrer Brennstoffe und profitierte auf Kosten von Mensch und Umwelt von den haarsträubenden Verhältnissen in russischen Wiederaufbereitungsanlagen, die noch aus der Zeit des kalten Krieges stammen und nach wie vor hermetisch abgeriegelt sind. Ungeachtet der jüngsten Enthüllungen, wirbt Axpo weiter für ihren angeblich "sauberen" Atomstrom. Majak ist unter anderem derart verstrahlt, weil dort in den Fünfzigerjahren ein Tank mit hoch radioaktivem Plutonium explodierte und weil bis heute radioaktive Betriebsabwässer direkt in den Fluss Tetscha geleitet werden. Zudem lagern radioaktive Flüssigkeiten kaum gesichert unter freiem Himmel und gefährden weitere Wasserläufe bis hin zur arktischen See.

Hohe Krebsraten in der Bevölkerung

Die Auswirkungen der Wiederaufbereitungsanlage für die ansässige Bevölkerung sind verheerend: Die Krebsrate ist überdurchschnittlich hoch, ebenso die Zahl der Fehlgeburten. Viele Kinder kommen mit genetischen Schäden und zum Teil schwersten Behinderungen zur Welt. Der langjährige Leiter des Industriekomplexes, Vitali Sadovnikov, wurde zwar 2006 wegen Einleitung von Millionen von Kubikmetern radioaktiver Flüssigabfälle in einen Fluss, der Trinkwasser für die Anrainer liefert, verhaftet, kam dank einer Generalamnestie aber wieder frei.

Verantwortungsloses Uran-Geschäft

Die SES fordert Axpo auf, aus ihren verantwortungslosen Uran-Geschäften mit Russland auszusteigen. Weiter soll das Energieunternehmen für die Schäden an Menschen und Umwelt in Majak und Umgebung Entschädigungen leisten. Dass die verheerendsten Umweltverbrechen an entlegenen Orten wie Majak stattfinden, entbindet den Schweizer AKW-Betreiber nicht von seiner moralischen und materiellen Verantwortung. Wer mit Partnern Handel treibt, denen schwere Umweltvergehen mit fatalen Folgen für die dort lebenden Menschen angelastet werden, macht sich der Komplizenschaft schuldig.

Die SES fordert Axpo zudem auf, ihre unlautere Werbekampagne für "sauberen Atomstrom" unverzüglich einzustellen. Uran-Brennstäbe können nicht hergestellt, wiederaufgearbeitet und "entsorgt" werden, ohne massive Schäden für Umwelt und betroffene Bevölkerung zu verursachen. Atomstrom ist nicht sauber und wird es auch nie werden.

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