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Ökonomie – Nachhaltigkeit 7:1 | Untergrund-Blättle

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Die Wachstumspolitik der Konzerne Ökonomie – Nachhaltigkeit 7:1

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Wachstumskritik ist ein seltenes Pflänzchen. Noch dominiert das Wachstumsdogma Ökonomie, Politik und Medien – im Gleichschritt.

Richard Bartz
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Bild: Richard Bartz (CC BY-SA 2.5)

27. Oktober 2016

27. 10. 2016

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Am 15. Oktober 2016 hat der Tages-Anzeiger im Magazin für einmal «Ansichten eines Wachstumskritikers» geliefert. Urs P. Gasche beschrieb dort die aktuelle(n) Krise(n) und skizzierte dazu «eine Exitstrategie», obwohl diese zur Zeit «politisch nicht machbar» sei. Weil er schon 2010 gemeinsam mit Hanspeter Guggenbühl in Buchform ein «Plädoyer für eine Umkehr» vorgelegt hatte, konnte er sich nun knapper halten. Eigentlich sind ja die Fakten bekannt. Doch noch ist «der Einfluss der Finanzindustrie und der Konzerne zu gross», um das Notwendige zu tun.

Und prompt publizierte das Leitblatt der Tamedia am Montag – im Verbund mit LENA, «der Allianz führender Zeitungen Europas» – wieder einen Kommentar, der für eine Politik wirbt, die der Macht der Konzerne zudient: «Handelsverträge nicht verzögern». Voran mit TTIP und CETA! «Je später die Verhandlungen, desto später die Gewinne.» Gewiss liessen sich im TA täglich Texte mit diesem Credo zu finden. Wie andernorts auch. 2014 wurden vier deutsche Tageszeitungen sowie ein Wochenmagazin während zwei Monaten forschend unter die Lupe genommen, um «die quantitative und qualitative Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit im Vergleich zur traditionellen Wirtschaftsberichterstattung» zu messen. Resultat: «Ökonomie schlägt Nachhaltigkeit 7:1».

Ferdinand Knauss, dem ich das kleine Zahlenbeispiel verdanke, überraschte dies nicht. Er wertete einschlägige Beiträge in FAZ, Zeit und Spiegel über einen weit längeren Zeitraum hinweg aus. Beginnend kurz nach dem Weltkrieg. Finale fast heute. Seit nach einer Phase der Wachstumskritik in den frühen 1970er-Jahren das «Wachstumsparadigma» nicht nur in Ökonomie und Politik, sondern parallel in allen Medien zu dominieren begann, blieben Gegenstimmen rar und waren am ehesten im Feuilleton zu finden. Als die entscheidende Schlacht um den Bericht an den Club of Rome, der «Grenzen des Wachstums» angemahnt hatte, mit viel Getöse im Geiste der Fortschrittsgläubigen geschlagen war, hielt die meinungsbildende Elite die Stellung.

Mehr Distanz der Medien gegenüber den Mächtigen

Zustimmend zitiert der selber im Metier tätige Autor die sogenannte Indexing-Hypothese eines US-Medienforschers, nach der «die meisten Journalisten ihre Meinungen in aller Regel gemäss den Ansichten der Mächtigen und Etablierten entwickeln, über die sie berichten und mit denen sie in einem symbiotischen Verhältnis verbunden sind.» Was im Untertitel des Buches anklingt, macht es speziell spannend: «Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde.» Dass der Vorwurf einer kaum reflektierten Übernahme von Mainstream-Meinungen nicht nur die wirtschaftsnahe Frankfurter Allgemeine trifft, sondern auch bei eher als kritisch geltenden Wochenblättern belegbar ist, beunruhigt als Befund.

Vielleicht ignoriere der Journalismus «auf Grund seiner Folgsamkeit gegenüber der Macht» auch andere zentrale Probleme, merkt Knauss in seinen Schlussfolgerungen an. Jedenfalls sei das «in Bezug auf die Folgen einer andauernden Wachstumspolitik der Fall.» Da werde das Ausblenden «der Gefahren des einmal eingeschlagenen Pfades» stets gegenseitig gefördert. Das derzeit – in anderen Zusammenhängen – böse und «wenig scharfsinnig» gepöbelte Wort von der «Lügenpresse» sollte vielleicht als Warnung und «Aufruf zur Wahrung der Distanz gegenüber den Mächtigen» verstanden werden. Wie wohl die WirtschaftsWoche ausschaut, bei der Knauss heute Redakteur ist?

Hans Steiger / Infosperber

Dieser Text ist erstmals im PS erschienen.

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