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Das billige Öl (Teil I) Notwendiges reichlich vorhanden – in der Marktwirtschaft kein Grund zur Freude

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Notwendiges reichlich vorhanden – in der Marktwirtschaft kein Grund zur Freude. Noch braucht die moderne Welt Öl. Die Art, wie sie damit wirtschaftet, zeugt davon, wie fortschrittlich und vernünftig sie eingerichtet ist.

Halliburton Frack in den USAÖl zu verkaufen lohnt sich zu wenig.
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Bild: Halliburton Frack in den USA - Öl zu verkaufen lohnt sich zu wenig. So kommt es, dass die eben noch als neuer technologischer Stolz der Nation gefeierte Fracking-Technologie von ihren Betreibern jetzt praktisch als industrieller Grossschrott behandelt wird. / Joshua Doubek (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

28. Juni 2016

28. 06. 2016

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Das geht schon damit los, dass die globale Marktwirtschaft offenbar erfolgreich den primitiven Standpunkt hinter sich gelassen hat, dass ein reiches Angebot eines für das technische Funktionieren der Gesellschaft notwendigen Gutes auf jeden Fall eine erfreuliche Sache ist. Dort, wo der Markt die gesellschaftliche Versorgung regelt, funktioniert die Sache anders: Die gegenwärtige „Ölschwemme“ führt – vermittelt über das ‚Naturgesetz‘, dass vermehrtes Angebot den Preis senkt, den alle Produkte von irgendwoher haben – dazu, dass der Ölpreis ins Bodenlose fällt. Und das ist bekanntlich nur für diejenigen, die den Preis zahlen, von Nutzen – für ihre Kooperationspartner auf der Verkäuferseite ist genau dies in genau diesem Mass ein Schaden; im Moment ein ziemlich gigantischer.

Notwendiges reichlich vorhanden – in der Marktwirtschaft kein Grund zur Freude

Dass es zu so einer Schwemme kommen kann, zeugt von einer weiteren Errungenschaft der Moderne: Die Umständlichkeit, gesellschaftliche Produktion gesellschaftlich zu planen, kommt für die Marktwirtschaft auch beim Fördern und Verarbeiten von Öl, also eines elementaren ökonomischen Mittels des gesamten gesellschaftlichen Lebens, erst gar nicht infrage.

Stattdessen gilt das ebenso raffinierte wie kreuzvernünftige Prinzip, dass produziert und verkauft wird, was demjenigen einen Überschuss des Verkaufspreises über die Produktionskosten einspielt, der über genügend Kapital verfügt, für eine solche Produktion alle nötigen Faktoren einzukaufen. Und der fragt nicht nach dem Bedarf, sondern schaut, dass er möglichst viel lohnend verkauft.

Insofern bezeichnet „Schwemme“ gar nicht die eigentlich erfreuliche Tatsache, dass ein Gut reichlich vorhanden ist, sondern einen wirtschaftlichen Mangel mit Konsequenzen: Öl zu verkaufen lohnt sich zu wenig, somit gibt es davon zu viel. Und so kommt es z.B., dass in den USA die eben noch als neuer technologischer Stolz der Nation, als Speerspitze der nationalen Reindustrialisierung gefeierte Fracking-Technologie an zahlreichen Stellen von ihren Betreibern jetzt praktisch als industrieller Grossschrott behandelt wird, mit dem nichts Profitables, also gar nichts mehr anzufangen ist.

Ähnlich sieht es mit der Arbeit aus: Der Lebensunterhalt der Arbeitskräfte geht als ein Kostenfaktor in die Kosten-Gewinn-Rechnung der Produzenten ein. Für die gemäss dieser Logik neulich als möglichst billige Arbeitskräfte Gebrauchten bedeutet der derzeitige Niedergang von grossen Teilen der Ölindustrie gemäss derselben Logik zwar das vollständige Streichen des Lebensunterhaltes.

Vom Standpunkt der Freiheit des privaten Kalkulierens ist das aber die denkbar vernünftigste Art der Entsorgung nicht gebrauchter Produktionsfaktoren – auch das macht die Marktwirtschaft so unschlagbar effizient. Und das enthält für die inzwischen millionenfach entlassenen Ölarbeiter in aller Welt ja immerhin auch die Möglichkeit, bei der nächsten Ölbonanza – wenn sie die erleben sollten – vielleicht wieder angestellt zu werden; eine Chance, die sie in keinem anderen Wirtschaftssystem bekämen.

Berthold Beimler

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