UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Wessen Lehre? | Untergrund-Blättle

865

Grüsse aus dem Binnenland Wessen Lehre?

Politik

Viel ist in Österreich derzeit von den Ereignissen des Februar 1934 die Rede. Damals leisteten ArbeiterInnen bewaffneten Widerstand gegen die Faschisierung Österreichs unter dem autoritären Regime des christlichsozialen Kanzlers Engelbert Dollfuss.

Der österreichische Kanzler Engelbert Dollfuss (Mitte mit Zylinder) im Jahr 1932.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Der österreichische Kanzler Engelbert Dollfuss (Mitte mit Zylinder) im Jahr 1932. Foto: Bibliothèque nationale de France (PD)

13. Februar 2014
0
0
3 min.
Drucken
Korrektur
Militär, Polizei und faschistische Heimwehr gingen gemeinsam gegen die widerspenstige ArbeiterInnenschaft vor. Deren sozialdemokratische Führung war zu unentschlossen und zu feige um den revolutionären Aufbruch ihrer Basis weiterzutragen. In Folge wurde der Aufstand binnen weniger Tage blutig niedergeschlagen, der Etablierung des austrofaschistischen Ständestaats stand nichts mehr im Wege.

80 Jahre später wird in Funk und Fernsehen, sowie in Politikerreden von den „Lehren“ gesprochen, die man aus den damaligen Ereignissen gezogen habe. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gedachten die Spitzen von SPÖ und ÖVP gemeinsam den Opfern des „Bürgerkriegs“, wie der militärisch niedergeschlagene Aufstand gerne genannt wird. Und die „Lehre“, so hört man von Regierungsspitze und KommentatorInnen, das sei, dass man heute miteinander „reden“ würde statt aufeinander zu schiessen. Und dass Kompromisse eingegangen würden anstatt Kämpfe ausgefochten.

Immer wieder wurde in den Berichten der vergangenen Tage die Februar-Kämpfe in einen Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen gestellt. Als Überleitung von einem Februargedenken-Bericht zu einem über das Ende des Streiks beim Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer meinte ein Sprecher des Österreichischen Rundfunks, das hier zu sehen sei, „wie widersprüchliche Interessen zwischen den Klassen heutzutage zu einem Kompromiss geführt werden können.“ Und wie sah dieser Klassenkompromiss aus? Statt 460 Arbeitern und Angestellten werden nun 385 entlassen. Der bestreikte Standort wird geschlossen.

Aktuelles wirtschaftspolitisches Hauptthema in Österreich ist derzeit aber ohnehin die Causa Hypo Alpe Adria. Die „notverstaatlichte“ Pleitebank, in die bereits Milliardensummen an Steuergeld geflossen sind, wird weiter „gerettet“. Andere Grossbanken wollten sich nach längerem Nachdenken darüber, ob aus da nicht doch noch irgendwie Kohle rausgeholt werden kann, an einer „Bad Bank“ lieber doch nicht beteiligen.

Eine Insolvenz wird auch ausgeschlossen, es gibt ja das Budget des Staates, aus dem dank „Notverstaatlichung“ die Pleitegeschäfte finanziert werden können. Und wenn woanders dann Geld fehlt, ist ein Sparpaket schneller geschnürt, als ein österreichischer Arbeiter „Sozialdemokratischer Bundeskanzler“ sagen kann. Die Banker freuts, die ÖsterreicherInnen ärgerts – aber dank der Lehren, welche die SPÖ aus dem Februar 1934 gezogen hat, wird mehr auch nicht passieren.

Die Lehre aus der Lehre: wer der Bourgeoisie und ihren politischen Statthaltern die Hände reicht, der führt ein glücklicheres Leben als fanatisierte KlassenkämpferInnen. Denn dann wird aus der Entlassung von 385 Menschen ein Erfolg und Bankenrettung plus Zerschlagung der letzten sozialstaatlichen Reste wird zur letzten Weisheit sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik. Ob sich die heldenhaften KämpferInnen des Februar 1934 dafür den austrofaschistischen Bluthunden entgegengeworfen haben und mehrhundertfach abgeschlachtet worden sind, sei vorläufig dahingestellt.

Karl Schmal
Lower Class Magazine

Mehr zum Thema...
Die Pankahyttn am 12.2021 7h morgens. Aktion zum Gedenken an den Beginn der Kampfhandlungen beim Hotel Schiff in Linz.
Die Ära des AustrofaschismusWien: Gedenktag zum Widerstand gegen den Faschismus

14.02.2021

- Der 12. Februar ist der Gedenktag zum Widerstand gegen den Faschismus. Aus diesem Grund haben wir, die Pankahyttn, in proletarischer Tradition unser Haus in der Johnstrasse 45 geschmückt.

mehr...
Wien, Vereidigung der Polizei auf Hitler am 16. März 1938.
Am 25. Juli 1934 versuchten die Nazis Österreich in Besitz zu nehmen. Vorerst erfolglosStümper gegen Versager

01.09.2014

- Sommer 1934. Die Sozialdemokratie war geschlagen, das Parlament ausgeschaltet. Was nun tobte, das war das Gefecht Faschisten gegen Faschisten, wobei jedoch die Nazis im Gegensatz zu den Vaterländischen keinen Kompromiss suchten.

mehr...
12. Februar: Tag des Aufstands gegen den Austrofaschismus.
Gedenken heisst kämpfen!Tag des Aufstands gegen den Austrofaschismus

19.01.2023

- Am 12. Februar 1934 schritten die konsequenten Teile der Arbeiter:innenklasse zum bewaffneten Kampf gegen den Dollfuss-Faschismus. In fast ganz Österreich stellten sich Arbeiter:innen mit der Waffe in der Hand der Errichtung der faschistischen Diktatur entgegen.

mehr...
Gebührensplitting für freie radios

09.07.2002 - Zehn freie Radios sind derzeit in Österreich on air. Nach dem Antritt der österreichischen Regierung im Februar 2000 wurden die Bundes-Subventionen für die Freien auf Null gekürzt.

SPÖ/ÖVP Programm: "Unternehmer bekommen Geld in den Hintern geschoben - Für Arbeitslose gibt’s Zumutungen"

10.02.2017 - Die grosse Koalitionsregierung aus SPÖ und ÖVP in Österreich hat im Januar diesen Jahres ihr Arbeitsprogramm aktualisiert. Insgesamt so heisst es in der Präambel „verfolgen wir das Ziel, Wachstum und Beschäftigung zu stärken, unsere Unternehmen zu unterstützen, mehr Sicherheit für unsere Bürger zu gewährleisten und ein noch wettbewerbs-fähigeres Österreich zu schaffen.“ Klingt nicht für alle schön: Die Aktiven Arbeitslosen Österreich kritisieren das Programm massiv.

Dossier: Revolution von 1917
The Kathryn and Shelby Cullom Davis Library
Propaganda
The riot is one night...

Aktueller Termin in Düsseldorf

Düsseldorfer Tauschring: Frühstück

Der Tauschring Düsseldorf lädt zum Frühstück ein. Infos und Austausch für alle Interessierten

Montag, 6. Februar 2023 - 10:30 Uhr

Zakk, Fichtenstraße 40, 40233 Düsseldorf

Event in Zürich

The Black Angels

Montag, 6. Februar 2023
- 19:00 -

Dynamo (Saal)

Wasserwerkstrasse 21

8006 Zürich

Mehr auf UB online...

Der US-Regisseur George Roy Hill an seinem Schreibtisch (1978).
Vorheriger Artikel

Funny Farm

Von Hammelhoden und rasenden Postboten

Die Stadt Kostjantyniwka (in der Region Donetsk) nach einem russischen Bombardment am 28. Januar 2023.
Nächster Artikel

Die Verwüstung ganzer Regionen im Osten

Kiews verpasste Chance?

Untergrund-Blättle