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Rätsel des Kapitals | Untergrund-Blättle

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Eine Kritik an David Harveys Marx-Interpretation Rätsel des Kapitals

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Wer das Kapital[1] verstehen möchte, nimmt im englischsprachigen Raum meist David Harveys Kommentare zu Hilfe. Viele Kapital-Lesekreise nutzen Harveys Videovorträge oder sein Buch — Marx’ »Kapital« lesen, das auch auf Deutsch erschienen ist[2] — parallel zum Original.

4. Januar 2016

4. Jan. 2016

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32 min.

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Zwar finden wir es begrüssenswert, wenn es Harvey gelingt, Menschen zur Lektüre des Kapitals zu ermuntern, seine Ausführungen zu Ware, Wert, Arbeit, Geld und Kapital jedoch sind fehlerhaft.[3]

Es gibt mehr an David Harveys Buch zu kritisieren, als wir es hier tun. Neben Harveys Neigung, aus dem Kapital eine Ansammlung von »kryptischen Behauptungen« und »apriorischen Sprüngen« zu machen und seinem Ratschlag, auf bestimmte Wörter zu achten, ohne zu erklären, warum, stören seine Art, über völlig andere Gegenstände zu reden, als die, die gerade im Kapital behandelt werden[4] und seine Tendenz, von Prozessen, Bewegungen und Mustern von Argumenten zu sprechen statt einfach das Argument zu dem tatsächlichen Bewegungsprozess, den er kommentiert, zu erklären. Obwohl all das die Brauchbarkeit von Harveys Buch als Kapitalkommentar beschränkt, wollen wir uns in diesem Artikel auf den ökonomischen Inhalt des Buches beschränken und ihn mit dem ersten Kapitel des Kapitals ins Verhältnis setzen.

Gebrauchswert, Tauschwert, Wert

Um zu verstehen, warum Harveys Buch Kapitalismus nicht richtig kritisiert, ist es sinnvoll, sich Harveys Zusammenfassung der Argumentation im Kapital bis zu der Stelle anzuschauen, wo der erste grobe Fehler auftaucht. Wir wollen in aller Kürze Marx’ Argumentation auf den ersten Seiten des Kapitals entlang von Harveys Erklärung verständlich machen. So haben hoffentlich auch Leute, die das Kapital (oder Harveys Buch) noch nicht gelesen haben, etwas von diesem Artikel. Im Anschluss geht es um die Stelle, an der Marx und Harvey getrennte Wege gehen.

Es folgt ein Auszug aus Harveys Buch, in dem er Marx’ Argumentation zusammenfasst, soweit er sie bisher erklärt hat. Wir haben den Auszug aufgeteilt, um jeden Teil für sich kommentieren zu können.

«Bisher ist der Gedankengang in etwa folgender: Marx erklärt, er wolle entschlüsseln, wie die kapitalistische Produktionsweise funktioniert. Er beginnt mit dem Begriff der Ware und führt sofort ihren Doppelcharakter ein: Gebrauchswert und Tauschwert. — Kapital lesen, S. 37»

Wie Harvey erwähnt, ist eine Ware sowohl nützlich als auch tauschbar. Eine Ware muss diese beiden Eigenschaften besitzen. Etwas ohne Gebrauchswert kann nicht verkauft werden: Schlecht gewordenen Käse kauft niemand. Andersherum gilt auch, dass eine Ware, die nicht verkauft wird, dem Gebrauch erst einmal grundsätzlich entzogen ist: Unverkaufte Nahrungsmittel werden weggeworfen.

«Da es Gebrauchswerte schon immer gegeben hat, verraten sie uns wenig über das Besondere am Kapitalismus. — Kapital lesen, S. 37»

Menschen haben Wein kultiviert, lange bevor sie ihn anbauten, um ihn zu verkaufen. Jede Gesellschaft benutzt die Dinge, die sie produziert. Über ihre Nützlichkeit nachzudenken kann uns also nicht helfen, die Besonderheit der Ware zu verstehen.

«Marx blendet sie daher aus, um die Tauschwerte zu untersuchen. Die Austauschverhältnisse unter Waren erscheinen zunächst als zufällig, aber der Austauschvorgang als solcher setzt voraus, dass allen Waren etwas gemeinsam ist, das sie einander vergleichbar und messbar macht. Diese Gemeinsamkeit, versichert Marx auf kryptische Weise, bestehe darin, dass sie alle Produkte menschlicher Arbeit seien. — Kapital lesen, S. 37»

Wenn man sich nur das Austauschverhältnis einer Ware zu einer anderen anschaut, erscheint es zufällig.[5] Eine Flasche bestimmten Weins tauscht sich beispielsweise gegen drei Stücke eines bestimmten Käses. Der Tauschwert irgendeiner Flasche des Weins ist drei beliebige Stück von dem Käse. Was sagt uns das über den Tauschwert des Weins? Das zeigt, dass der Wein als Zugriffsmittel auf eine bestimmte Anzahl Käsestücke benutzt werden kann. Marx sagt, dass die Tauschrate von Ort zu Ort und über die Zeit variiert — vielleicht kann ich also woanders vier Stück Käse für die Flasche Wein bekommen oder vielleicht habe ich letztes Jahr nur zwei Stück für sie bekommen. Wenn wir uns also nur dieses Austauschverhältnis vor Augen führen, kann es zufällig erscheinen. Weil die Austauschverhältnisse schwanken, erscheint es so, als habe der Tausch selbst nichts mit einer bestimmten Eigenschaft der jeweiligen Waren zu tun.

Prinzipiell ist jede Ware gegen jede andere Ware austauschbar. Der Wein kann nicht nur benutzt werden, um an Käse zu kommen — in anderen Worten, als Zugriffsmittel auf Käse. Er ist prinzipiell Zugriffsmittel für alles andere: Birnen, das Buch Das Kapital, iPhones. Alles, was von einem Produzenten hergestellt wurde, lässt sich im Prinzip gegen alles, was von jemand anderem produziert wurde, austauschen. Die Tatsache, dass Weinflaschen die Eigenschaft besitzen, in ausreichender Menge gegen jede andere Ware austauschbar zu sein, macht deutlich, dass es sich nicht um eine Eigenschaft des Weins in Bezug nur auf Käse, sondern auf alle Produkte handelt. Wein hat diese Eigenschaft allgemeiner Austauschbarkeit, also Zugriffsmittel auf gesellschaftlichen Reichtum zu sein: Er ist Wert. Die Wechselhaftigkeit der bestimmten Austauschverhältnisse ändert daran nichts — die Austauschbarkeit als solche bleibt bestehen. Darüber hinaus gilt das nicht nur für Wein, es gilt für Käse, Birnen, das Buch Das Kapital, iPhones und alle anderen Waren: Sie sind auch Zugriffsmittel auf gesellschaftlichen Reichtum, austauschbar, Wert.

Woher kommt diese allgemeine Austauschbarkeit und warum hat sie mit menschlicher Arbeit zu tun, wie Marx laut Harvey „kryptisch behauptet“?

Damit nützliche Dinge die Eigenschaft haben, Zugriffsmittel auf andere Waren zu sein, muss es Arbeitsteilung geben: Dass die einen Leute einen Teil der benötigten Dinge produzieren und andere einen anderen. Arbeitsteilung bedeutet, dass die Arbeitsprodukte nicht für die eigene Konsumtion bestimmt sind und man dadurch bei der Bedürfnisbefriedigung voneinander abhängt.

Aber damit Dinge Wert haben, braucht es mehr. Dafür braucht es eine bestimmte Art der gesellschaftlichen Organisation: Die Dinge müssen von Privateigentümern hergestellt werden, die Produkte müssen Privateigentum sein. Die Produzenten müssen andere durch die Institution des Privateigentums von dem, was sie besitzen, ausschliessen.[6] Obwohl also die Produzenten voneinander abhängen, schliessen sie sich gegenseitig von ihren Produkten aus. Die gegenseitige Abhängigkeit, die aus der Arbeitsteilung entspringt, kann jetzt ausgenutzt werden: Warenbesitzer können die Bedürfnisse anderer nach dem, was sie selbst besitzen, benutzen, um sie dazu zu bringen, ihnen einen Teil ihres Privateigentums zu überlassen. Austauschbarkeit oder die Tatsache, dass Waren Zugriffsmittel auf gesellschaftlichen Reichtum sind, basiert also auf gegenseitigem und allgemeinem Ausschluss vom gesellschaftlichen Reichtum.[7] Diesen Ausschluss ermöglicht der Staat per Gesetz.

Aber die Möglichkeit allein, andere von den eigenen Produkten auszuschliessen, zwingt niemanden zum Austausch der eigenen Sachen. Neben dem Eigentumsprinzip und der Arbeitsteilung fehlt noch eine Voraussetzung dafür, dass alle auf den Tausch notwendig verwiesen sind: dass Arbeit zur Herstellung einer Sache benötigt wird.[8] Wenn es möglich ist, an etwas ohne irgendeinen Aufwand heranzukommen, kann es nicht auf diese Weise benutzt werden (niemand kann Luft verkaufen).[9]

Waren werden produziert, damit sie als Zugriffsmittel auf gesellschaftlichen Reichtum dienen. Dass sie nützlich sind, ist zwar eine notwendige Bedingung, aber nicht der Zweck ihrer Produktion. Der Grund für die Käseherstellung ist es, austauschbare Waren zu erhalten. In dieser Gesellschaft findet Produktion für den Tausch statt, anstatt zur Befriedigung der Bedürfnisse der Leute. Für den Käseproduzenten ist der Hunger anderer Leute nur ein Mittel, um den Käse einzutauschen, da für ihn das Wichtigste ist, dass sich der Käse als gesellschaftlicher Reichtum bewährt. Dafür wiederum braucht er Leute, die seinen Käse kaufen können. Er muss sie überzeugen, dass es sich lohnt, etwas für seinen Käse herzugeben. Nur dann hat er Zugriff auf den Reichtum, der in der Gesellschaft produziert wird.[10]

Man benutzt die Bedürfnisse anderer, um sie dazu bringen das herzugeben, was man selber braucht. Es ist eine beiderseitige, widersprüchliche Abhängigkeit. Alle hängen davon ab, dass andere die Dinge produzieren, die sie brauchen. Ich hänge davon ab, dass du Käse produzierst, damit ich meinen Hunger stillen kann — und trotzdem stehen unsere Interessen im Gegensatz zueinander: Ich hänge davon ab, dass du meinen Wein brauchst, damit ich den als Hebel nutzen kann, um an deinen Käse zu kommen. Es handelt sich um Produktion füreinander organisiert als Produktion gegeneinander.

Damit Waren Träger von Tauschwert sind, braucht es also ein bestimmtes gesellschaftliches System. In diesem System wird menschliche Arbeit verausgabt, um Privateigentum zu produzieren — ein Stück gesellschaftlichen Reichtum. Dieses Privateigentum wird dann als Mittel benutzt, die Bedürfnisse der anderen auszunutzen, um Zugang zum gesellschaftlichen Reichtum zu erlangen.

Abstrakte Arbeit

Nach diesem Einstieg wollen wir uns jetzt den Abschnitt anschauen, in dem Marx das erste Mal von abstrakter Arbeit spricht. Sie ist die grundlegende Kategorie, von der wir feststellen, dass David Harvey sie nicht verstanden hat. Anschliessend stellen wir Marx’ Fassung das gegenüber, was Harvey in seinem Buch zum Thema schreibt.

«Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich Ding. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit. — Kapital, Seite 52»

Sowohl Wein als auch Käse sind austauschbar. Ihre Austauschbarkeit ist keine physische Eigenschaft der Produkte. Das eine ist flüssig, das andere fest. Mehr noch, die Bedingung der Gleichsetzung zweier Waren im Tausch ist gerade ihre Verschiedenheit. Von dieser Verschiedenheit wird im Austauschprozess aber abstrahiert, sodass nur ihr Gemeinsames, ihr Wert, übrig bleibt. Das Gleiche passiert mit der Arbeit, die zu ihrer Herstellung nötig ist. Es ist nicht das Käsen oder das Keltern im Besonderen, sondern einfach menschliche Arbeit als solche, abstrahiert von ihrer konkreten Form, die zählt und Wert produziert. Diese Abstraktion ist alles andere als eine intellektuelle Übung. Abstrakte Arbeit ist vielmehr eine Abstraktion, die tatsächlich stattfindet, wenn Waren getauscht werden. Was Reichtum ausmacht in dieser Gesellschaft, ist die rein negative Seite der Arbeit, reiner Aufwand, »Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw.«[11] — eben abstrakte Arbeit — und nicht dass sie all die nützlichen Dinge produziert, die wir mögen, brauchen und konsumieren — das ist nur Bedingung.

Harvey kommentiert die Stelle folgendermassen:

«Aber sofort fragt er, welche Art von menschlicher Arbeit in den Waren verkörpert ist? Es kann nicht die tatsächlich verausgabte Zeit sein — was er als konkrete Arbeit bezeichnet —, denn dann würde die Ware um so wertvoller sein, je länger an ihr gearbeitet wurde. Warum sollte ich für eine Sache viel bezahlen, weil jemand lange für ihre Herstellung gebraucht hat, wenn ich sie von jemand anderen für die Hälfte bekommen kann, der nur halb so lange dafür brauchte? Alle Waren, schlussfolgert er also, sind „reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit“. — Marx lesen, S. 29»

Hier verpasst Harvey, was Marx da schreibt, wie wir im Folgenden erklären wollen. Qualität und Quantität

Bei Harvey wird plötzlich aus der „Art von menschlicher Arbeit“ die „verausgabte Zeit“. Er springt sofort zur quantitativen Bestimmung der Arbeit, wo Marx von ihrer Qualität spricht. Harvey redet vom „wie viel“ — der Menge —, ohne zu klären wie viel „von was“. Aber es geht hier um die Qualität: „was ist es?“. Es wirkt, als ob Harvey abstrakte Arbeit gar nicht für besonders erklärenswert hält, als ob seine einzige Frage ist, wie viel es davon gibt.

Die Wertsubstanz: geronnene abstrakte Arbeit

Harvey erklärt nicht nur die abstrakte Arbeit nicht, sondern er redet auch von etwas ganz anderem, wenn er schreibt: „warum sollte ich für eine Sache viel bezahlen, (…) wenn ich sie von jemand anderen für die Hälfte bekommen kann“. Wenn man einen Stuhl kaufen will, abstrahiert man nicht von seinem Gebrauchswert: Man sucht ein Objekt, auf dem man bequem sitzen kann. Also sucht man nach einem guten Stuhlproduzenten, der den Stuhl obendrein billig verkauft. Wovon Marx hier redet, ist, wie von all den verschiedenen Arbeitsprodukten und Arbeiten, die sie produzieren, abstrahiert wird, um sie gleichzusetzen und im Tauschakt gegeneinander zu stellen: Käse, Wein und jedes andere Produkt wird mit Stühlen gleichgesetzt, wenn der Stuhlproduzent seinen Stuhl verkauft. Sie sind offensichtlich nicht die gleiche Sache und auch das Produkt sehr verschiedener Arbeiten: Käsen, Keltern und Zimmern. Trotzdem gelten sie, sobald es um den Wert geht, als das Gleiche. Marx lesen aber verpasst, dass das Produkt des Käsens mit dem des Kelterns gleichgesetzt wird.

In dieser Gesellschaft wird für andere produziert, aber der Grund dafür ist nie, dass die andere Seite einen Gebrauchswert benötigt. Der Gebrauchswert wird stets als Hebel benutzt, um an gesellschaftlichen Reichtum zu kommen. Ein Hebel, dessen Kraft so gross ist wie die Menge an Arbeitsaufwand, der durchschnittlich nötig ist, diesen Gebrauchswert zu produzieren. Ich kann im Tausch gesellschaftlichen Reichtum für mein Produkt verlangen, weil zur Herstellung Arbeit nötig war und andere es brauchen.[12] Du brauchst meinen Käse, aber mein Käse ist mein Mittel, um Zugang zu einem Teil des restlichen gesellschaftlichen Reichtums zu bekommen, von dem ich sonst ausgeschlossen bin. Ich kann diesen Zugang verlangen, wenn mein Käse als gesellschaftlicher Reichtum zählt (also zahlungsfähige Nachfrage findet). Dafür spielt es keine Rolle, ob ich Wein oder Käse herstelle, sondern lediglich, dass Arbeit verausgabt wird. Nur unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen macht sich die Tatsache, dass Arbeit Anstrengung ist, als Qualität der Produkte der Arbeit geltend — als Wert.

Ökonomische Gesetze und gesunder Menschenverstand

Da Marx lesen nicht fragt: „was ist abstrakte Arbeit?“, kann es nicht erklären, wie die Wertgrösse zustande kommt. Zu fragen: „warum sollte ich mehr bezahlen?“, hilft einem nicht dabei, der Wertgrösse auf den Grund zu kommen. Harvey will nicht doppelt so viel bezahlen, aber warum kann er das vermeiden? Warum kann die langsamere Tischlerin nicht darauf bestehen, dass sie den ganzen Tag gearbeitet hat und so viel Geld verlangen, dass sie davon leben kann? Warum kann der Käufer sich durchsetzen, sie aber nicht? Warum kann der Käufer nur dann weniger ausgeben, wenn der zweite Tischler es geschafft hat, schneller zu produzieren? Das ist es, was Marx erklärt, wenn er von der Wertgrösse — der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit — redet, aber die Verkürzung dieser Diskussion auf den Standpunkt des gesunden Menschenverstandes beim Einkaufen, wie es Harvey macht, ignoriert den Inhalt der Erklärung: Er argumentiert mit der ökonomischen Vernunft, die aus den ökonomischen Gesetzen dieser Gesellschaft folgt, ohne zu erklären, worin diese Gesetze bestehen.

Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit und die Produktivität der Arbeit

Die Beobachtung, dass »[i]ch etwas zum halben Preis von jemandem bekommen [kann], der es in der Hälfte der Zeit produziert hat«, ist eine Beobachtung, die erklärt werden muss. Harvey behandelt sie aber schon als Erklärung. Stellen wir uns zwei Tischler_Innen mit unterschiedlicher Produktivität vor: Tischlerin Alice stellt in derselben Zeit doppelt so viele Stühle her wie Tischler Bob. Alice mag sich entscheiden, Bob beim Verkauf zu unterbieten und ein bisschen weniger für ihre Stühle zu verlangen, um sicherzustellen, dass sie all ihre Stühle los wird. Als Folge schafft es Bob nicht, seine Stühle gegen genügend Sachen zu tauschen, um sich zu reproduzieren. Er ist ruiniert. Wenn Alices Produktivitätsstand sich allgemein durchsetzt, sinkt das, was sie im Tausch für ihre Stühle bekommt, auf den neuen Stand der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Wenn in einer Branche mit wenig Aufwand viel verdient wird, wechseln andere Produzent_Innen in diese Branche, heizen die Konkurrenz an und senken das Austauschverhältnis der Produkte, in diesem Fall der Stühle.

Dabei ist unterstellt, dass Alice mit Bob um zahlungsfähige Nachfrage konkurriert, in Harveys Beispiel um zahlungsfähige Nachfrage nach einem Stuhl. Das ist ein sehr besonderes gesellschaftliches Verhältnis. Wenn zehn Kilo Käse hergestellt wurden, ist es vom Standpunkt der Bedürfnisbefriedigung — für den Konsum — nur wichtig, ob der Käse gut ist oder nicht. Wenn es nicht genug Käse gibt, gibt es nicht genug Käse und es muss mehr produziert werden. Wenn eine Produzentin es aber in dieser Gesellschaft aus irgendeinem Grund nicht geschafft hat, ihren Käse in der gesellschaftlichen Durchschnittszeit herzustellen, ist sie auch von Wein, iPhones usw. ausgeschlossen, weil sie mit dem Verkauf ihrer Waren das dafür nötige Geld nicht verdienen kann. Wenn sich die Produktivität bei der Herstellung von Stühlen verdoppelt, werden in derselben Zeit wie bisher doppelt so viele Stühle hergestellt.

Für den Konsum, also von der Seite der Gebrauchswerte her, hat sich der Reichtum vermehrt, da es nun mehr Stühle gibt. Aus Sicht der Warenproduktion hat sich der Reichtum nicht vermehrt, denn es wird die gleiche Menge an Arbeit verausgabt. Ausserdem ist es in dieser Gesellschaft so, dass meine Arbeit umsonst war, wenn mein Käse keine Abnehmer_Innen findet, er also nicht als gesellschaftlicher Reichtum gilt.[13] Auch wenn ich auf dem normalen Produktivitätsstand gearbeitet habe, kann es sein, dass zu viele Leute Käse in der Hoffnung hergestellt haben, ihn auch loszuwerden. Der Standard der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit macht sich gegen alle Produzent_Innen geltend, und jede Arbeit, die nicht mithalten kann, war umsonst. Diese Gesellschaft, in der abstrakte Arbeit den Reichtum ausmacht, ist in der Verausgabung tatsächlicher Arbeit sehr verschwenderisch. All das ist in der Konkurrenz zwischen Tischler_Innen und der zwischen allen anderen Produzent_Innen vorausgesetzt.

Harvey behandelt diesen Gegensatz zwischen verschiedenen Tischler_Innen in Marx lesen als selbstverständlich, genauso wie er den Gegensatz zwischen Produzent_Innen verschiedener Gebrauchswerte als gegeben hinnimmt. Er nimmt einfach den Standpunkt von jemandem ein, der sich in dieser widersprüchlichen Beziehung befindet, statt zu fragen, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen es überhaupt zu dieser Art von Beziehungen kommt.

Während Marx sagt, dass »diese zwieschlächtige Natur der in der Ware enthaltenen Arbeit [konkrete und abstrakte Arbeit] … der Springpunkt ist, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht«[14], geht Harvey auf diesen Springpunkt gar nicht ein. Es gelingt ihm darum nicht, den Unterschied und Gegensatz zwischen konkreter und abstrakter Arbeit zu benennen, geschweige denn zu erklären. Als Folge behauptet Harvey, wie wir sehen werden, einen Widerspruch zwischen Geld auf der einen Seite und Tausch und Wert auf der anderen.

Wertformanalyse: Ware und Geld

Harvey stört nicht, dass Geld Wert darstellt und Waren zirkulieren lässt, sondern dass man es horten kann:

«Das bedeutet [...], dass Produktion und Verteilung der Geldware sowie ihre Akkumulation (letztlich als Kapital) in privaten Händen liegt, obwohl sie eine verallgemeinernde gesellschaftliche Funktion erfüllt. — Marx lesen, S. 48»

«Oder was das Geld angeht — wir brauchen Geld, um Waren zu tauschen, keine Frage. Aber das Problem mit Geld ist, dass Privatpersonen es sich aneignen können. Es bekommt die Form privater Macht und wird zu einem Fetisch. — David Harvey /http://www.redpepper.org.uk/david-/harvey-interview-the-importance-of-postcapitalist-imagination/, unsere Übersetzung»

«Was ist also Geld und gibt es einen Widerspruch in der Geldform? Es zeigt sich, dass Geld tatsächlich ein Anspruch auf gesellschaftliche Arbeit ist und es deswegen aus marxistischer Sicht einen Widerspruch zwischen Geld und Wert gibt. [...] Als Mittel für den Tausch ist Geld ziemlich neutral. Das grosse Problem mit Geld ist seine Funktion als Wertspeicher, da es als Wertspeicher gesellschaftliche Macht speichern kann. — David Harvey, The Contradictions of Capital (17:24) /https://www.youtube.com/watch?v=8UD-QqYFJqY/, unsere Übersetzung»

Nach Harvey steht die Sache ungefähr so: Waren werden für den Tausch produziert. Dazu braucht es Geld, um Wert zu repräsentieren, aber irgendwie bekommt Geld auch die Funktion als Speicher von Wert und damit beginnt das ganze Problem mit der kapitalistischen Produktionsweise. Das heisst, er hat weder ein Problem mit der Unterordnung von Produktion und Konsumtion unter den Warentausch, noch mit der Tatsache, dass sich die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit gegen die Produzenten als der Standard geltend macht, dem sie gerecht werden müssen, noch damit, dass Aufwand das Mass des Reichtums ist, was als Konsequenz nur Mühe für die Arbeitenden zur Folge hat. Davon abgesehen gibt es für Harvey gar keinen notwendigen Zusammenhang zwischen Wert und Geld als Wertspeicher, weshalb es für ihn eine einfache Lösung gibt:

«Repräsentation von Wert in der Geldform ist eine Perversion dessen, worum es bei Wert geht, ein Widerspruch. [...] Das bedeutet, dass wenn man die Bildung von Klassen, die individuelle Aneignung von gesellschaftlichem Wert verhindern will, man eine Form von Geld erfinden muss, die Akkumulation verhindert. Marx sagt, dass Gold und Silber die Geldwaren sind, weil sie nicht vergänglich sind. [...] Sie erhalten ihre Eigenschaften. Man kann Wert — soziale Macht — akkumulieren. Und wir sehen, was in Gesellschaften passiert. Aber wenn man eine Geldform hätte, die sich auflöst, die vergänglich ist, würde man eine ganz andere Gesellschaft haben. Man würde eine Geldform haben, die der Zirkulation dient ohne Akkumulation zu fördern. — David Harvey auf dem Platypus Panel „Radical Interpretations of the Present Crisis“ (1:55:19), 14. November 2012 /http://vimeo.com/53579139/ [17], unsere Übersetzung»

Das ist eine falsche Darstellung von Wert, Wertformanalyse, Geld und Akkumulation.

Wert

Harvey charakterisiert Geld als eine Form gesellschaftlicher Macht und einen Anspruch auf gesellschaftliche Arbeit und stellt dies in Gegensatz zum Wert. Was aber ist Wert, wenn nicht gesellschaftliche Macht und Anspruch auf gesellschaftliche Arbeit, oder genauer, auf die Produkte der gesellschaftlichen Arbeit? Wie wir gesehen haben, wird ein Stuhl nicht produziert, um von der Tischlerin benutzt zu werden, sondern um ihn zu tauschen. Für die Tischlerin repräsentiert er ihren Anspruch auf Produkte gesellschaftlicher Arbeit, also all die Dinge, die produziert werden. Der Stuhl ist ihr Mittel, um auf diese Dinge zugreifen zu können und zählt in dieser Hinsicht bloss als ein Teil gesellschaftlichen Reichtums. Das ist es, was Austauschbarkeit bedeutet.

Eine Tischlerin besitzt ihre Lagerhalle voller Stühle nicht, um auf diesen sitzen zu können, sondern um sie zu verkaufen. Diese Stühle sind ihr Anspruch darauf, sich gesellschaftlichen Reichtum anzueignen. Harveys Charakterisierung von Geld ist also richtig, aber dies in einen Gegensatz zum Wert zu stellen, ist falsch: Alles was für den Markt produziert wird, will gesellschaftliche Macht sein. Das ist es, was Harvey in Marx lesen übersieht, wenn er den in den Waren enthaltenen Doppelcharakter der Arbeit auf ein einfaches „Warum sollte ich mehr zahlen?“ reduziert, womit er alles, was ihm als Käufer diesen Standpunkt ermöglicht, einfach ignoriert.

Der grosse Unterschied zwischen einem Stuhl und Geld ist allerdings, dass der Stuhl erst noch beweisen muss, dass er gesellschaftliches Zugriffsmittel ist, also verkauft werden muss, während Geld unmittelbar als solches anerkannt wird. Wie das?

Wertformanalyse

Obwohl David Harvey eines der Resultate von Marx’ Wertformanalyse akzeptiert, nämlich dass Wert in Geld ausgedrückt werden muss, vollzieht er die Argumentation nicht nach. Waren werden für den Tausch produziert. Aber bevor sie getauscht werden können, müssen sie zeigen, dass sie unmittelbar austauschbar und damit ein Stück des gesellschaftlichen Reichtums sind. Eine Analogie aus der Welt der Eitelkeit wäre, wenn wir behaupten würden, berühmt zu sein. Wir könnten sagen: „Wir sind so berühmt wie David Harvey“. Wenn David Harvey allgemein als berühmt anerkannt wird (ihn also jede_r kennt), dann hätten wir erfolgreich erklärt, für wie berühmt wir uns halten.

Wenn andere Leute Michael Heinrich als Vergleichsmassstab für Berühmtheit nutzen würden, dann würde uns ein gemeinsamer Bezugspunkt für unseren Ruhm fehlen. Manche Leute würden vielleicht den von uns behaupteten Ruhm nicht anerkennen, wenn sie nur Michael Heinrich, nicht aber David Harvey für wirklich berühmt halten. Das ist eine der Kritiken an der einfachen Wertform im Kapital, es hat nichts mit dem in Marx lesen auf Seite 43 beschriebenen Naturaltausch zu tun. Der Übergang von der einfachen Wertform zur entfalteten Wertform ist nicht notwendig, weil wir es mit einer „Welt komplexer Tauschvorgänge wie auf den Märkten“[15] statt mit simplem Naturaltausch zu tun haben, sondern weil die einfache Wertform nicht ausdrücken kann, dass unsere Ware tatsächlich Wert ist, oder — um auf die Analogie zurückzukommen — dass wir tatsächlich berühmt sind.

Weiterhin, wenn wir unseren Ruhm ausdrücken, indem wir uns auf David Harvey beziehen, schreiben wir ihm die absolute Eigenschaft zu, berühmt zu sein — also von allen sofort als berühmt anerkannt zu werden. Wenn wir das tun, leugnen wir allerdings gleichzeitig unseren eigenen unmittelbaren Ruhm. Wenn wir wirklich berühmt wären, müssten wir nicht auf David Harvey zeigen, um das auszudrücken: „Schaut, glaub uns, wir sind berühmt, genau wie David Harvey!“. Die Leute würden unseren Ruhm stattdessen unmittelbar (an)erkennen. Wenn wir durch den Vergleich mit David Harvey behaupten, berühmt zu sein, drücken wir auch aus, dass wir gar nicht unmittelbar berühmt sind. Wir würden uns daher der Kritik aussetzen: „Ihr behauptet so berühmt wie David Harvey zu sein? Beweist es!“

Geld

Um die etwas alberne Analogie beiseite zu lassen: Wenn alle Waren in dieser einen Ware ihren Wert ausdrücken, sagen sie auch aus, dass diese eine Ware die Ware ist, die Wert schlechthin verkörpert. Diese Ware ist Geld. Letztendlich zeigen sie immer auf diese Ware, um auszudrücken, dass sie ebenso Wert sind. Alle Waren haben ein Preisschild, um zu zeigen, wie viel gesellschaftlichen Reichtum sie ausmachen. Gleichzeitig streiten sie ab, unmittelbar Wert zu sein, das Preisschild deutet an, dass sie nicht unmittelbar Geld sind. Deswegen müssen sie es beweisen. Es reicht nicht, einen Preis zu haben, Waren müssen verkauft werden. Erst nachdem eine Ware erfolgreich gegen Geld getauscht wurde, hat sie sich als Stück gesellschaftlichen Reichtums bewiesen. Aber zu beweisen, dass eine Ware tatsächlich Wert ist und Zugriff auf gesellschaftlichen Reichtum erlaubt, ist der heikle Schritt, der „salto mortale“ der Ware. Denn die Produzenten treffen aufeinander in einer Gesellschaft, in der die Leute sich gegenseitig die Mittel zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse streitig machen und in der die gemeinsame Produktion als Konkurrenzkampf gegeneinander stattfindet. Ein Stuhl lässt sich gegen Geld verkaufen oder auch nicht. Geld dagegen kann — in ausreichender Menge — immer gegen jede andere Ware eingetauscht werden.

Anders gesagt, in einer Gesellschaft, die auf Warenproduktion und Tausch basiert, produzieren private Produzenten in der Hoffnung, dass sich ihre Privatarbeit als gesellschaftliche Arbeit und ihr Produkt als Teil des gesellschaftlichen Reichtums bestätigt. Haben sie umsonst produziert oder haben sie einen Stuhl produziert, der gesellschaftlichen Reichtum kommandiert? Nur Geld zählt unmittelbar als gesellschaftlicher Reichtum und erlaubt den Zugriff auf jedweden Reichtum in der Gesellschaft. Folglich ist die Geldwerdung die erfolgreiche Bestätigung, dass eine bestimmte Privatarbeit gesellschaftliche Arbeit ist. Geld als gesellschaftliches Zugriffsmittel schlechthin ist die notwendige direkte Erscheinungsform gesellschaftlichen Reichtums in einer Gesellschaft, in der Produktion unabhängig und privat, in Konkurrenz zu anderen, aber für andere, stattfindet.

Wert zu „speichern“, also zu sein, ist also nicht nur Sache des Geldes, es ist bloss besser darin als die Sachen, die nur Ware sind.

Akkumulation

David Harveys Lösung für „Akkumulation“ — das Schwundgeld — verpasst den Punkt der Akkumulation. Geld wird nicht akkumuliert, indem es gehortet wird. Mit seiner Darstellung von Akkumulation beschreibt Harvey in Wirklichkeit Schatzbildung. Schatzbildung funktioniert, indem man die Fähigkeit des Geldes, das Bedürfnis nach exquisitem Wein zu stillen, ignoriert; man wird reicher durch die Entsagung vom Konsum. Was die Schatzbildnerin tut, ist gesellschaftliches Zugriffsmittel zu horten, ohne es als Zugriffsmittel zu benutzen: Ihr Geld realisiert seine Zugriffsmacht nicht, es ist der Zirkulation entzogen. Es ist nur potentielles Zugriffsmittel, wie Marx in seiner Kritik des Schatzbildners darstellt.[16] Kapitalistische Akkumulation ist aber nicht blosses Horten. Unternehmen sitzen nicht einfach auf ihrem Geld. Ein Kapitalist, der das macht, ist nicht gut darin, Kapitalist zu sein. Stattdessen investieren Unternehmen in etwas, das das Kapital weiter wachsen lässt: Zum Beispiel stellen Industriekapitale Arbeiter für weniger ein, als diese an Wert produzieren.

Dass Harveys Lösung eine Lösung für ein ausgedachtes Problem ist, zeigt sich treffend daran, dass Schwundgeld, wenn man so will, schon lange existiert: Das Geld in allen erfolgreichen kapitalistischen Staaten verliert dauerhaft an Wert — es herrscht dauernd Inflation. Während das natürlich nicht die Art von Schwundgeld ist, die Harvey im Kopf hat, zeigt es aber, dass Schatzbildung nicht das ist, was kapitalistische Firmen erfolgreich macht, und dass ein Geld, was ständig an Wert verliert, die Akkumulation nicht unterbindet.

In einer auf Warentausch basierenden Gesellschaft benutzen Privateigentümer ihre Waren gegeneinander als Hebel, um an das zu kommen, was sie wollen und brauchen. Sie vergleichen jede Ware am Markt und reduzieren damit die verschiedenen Arten von Arbeit, die gebraucht werden, um sie zu produzieren, auf abstrakt menschliche Arbeit. Ihre Arbeitsprodukte zählen als Teil abstrakten gesellschaftlichen Reichtums, der in Geld seinen angemessenen Ausdruck findet. Diese Abstraktion von menschlicher Arbeit ist ein Kernpunkt in Marx’ Kritik der kapitalistischen Produktionsweise. An diesem gesellschaftlichen Verhältnis ändert Schwundgeld nichts. Weil Harvey aber Marx’ Kritik an Wert und abstrakt menschlicher Arbeit nicht versteht, schlägt er ein Geldsystem vor, welches die gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse reproduzieren und das gesellschaftlich hergestellte Elend fortsetzen würde. Gegen dieses Elend etwas zu unternehmen, hiesse den Wert selbst infrage zu stellen sowie die Produktion für den Tausch, die eben jenen Wert produziert.

Fetisch

David Harvey hält sich in Marx lesen nicht lange auf mit Erklärungen, was abstrakte Arbeit ist, was Wert ist und was jene für die bedeuten, die ihnen unterworfen sind. Warenproduktion als solche ist für ihn keine Produktionsweise, die diskutiert, erklärt oder kritisiert werden müsste. Folglich hat er Probleme damit, den Fetischcharakter der Waren zu erklären. Marx sagt folgendes:

«Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, dass sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein ausser ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen. — Kapital, S. 86»

«Gebrauchsgegenstände werden überhaupt nur Waren, weil sie Produkte voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten sind. Der Komplex dieser Privatarbeiten bildet die gesellschaftliche Gesamtarbeit. Da die Produzenten erst in gesellschaftlichen Kontakt treten durch den Austausch ihrer Arbeitsprodukte, erscheinen auch die spezifisch gesellschaftlichen Charaktere ihrer Privatarbeiten erst innerhalb dieses Austausches. Oder die Privatarbeiten betätigen sich in der Tat erst als Glieder der gesellschaftlichen Gesamtarbeit durch die Beziehungen, worin der Austausch die Arbeitsprodukte und vermittelst derselben die Produzenten versetzt. Den letzteren erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen. — Kapital, S. 87»

Wie wir gesehen haben, findet die Produktion in privaten Produktionseinheiten statt, die für andere produzieren und ihre Produkte dann auf dem Markt platzieren, darauf kalkulierend, dass sie diese als Zugriffsmittel auf den gesellschaftlichen Reichtum benutzen können. Unter diesen Umständen bekommen die Produkte der Arbeit, die Waren, gesellschaftliche Eigenschaften. Diese gesellschaftlichen Eigenschaften erscheinen als Eigenschaften der Waren selbst, die dann auf die Produzenten zurückwirken.

Auf dem Markt gehen Waren ein Verhältnis zu anderen Waren ein. Eine bestimmte Menge Kaffee tauscht sich mit einer bestimmten Menge Wein und das zeigt sich im Preis. Durch diesen Vorgang scheinen Waren nicht nur Beziehungen zueinander zu haben, sie haben tatsächlich welche. Durch diese Beziehungen zwischen ihren Waren manifestiert sich das gesellschaftliche Verhältnis der Produktion zwischen den Produzenten.

Für diese Privatproduzenten erscheint der Fakt, dass ihre jeweiligen konkreten Arbeiten zu homogener abstrakt menschlicher Arbeit reduziert ist, in der Form der Gleichheit von Arbeitsprodukten: „Meine Ware tauscht sich mit anderen Waren“. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, zur Herstellung einer bestimmten Ware erscheint als das Verhältnis vom Wert dieser Ware zum Wert anderer Waren: „Meine Ware ist doppelt so viel wert wie andere“. Das Verhältnis zwischen den verschiedenen konkreten Arbeiten der Warenproduzenten erscheint als gesellschaftliches Verhältnis der Arbeitsprodukte: „Mein Wein verkauft sich nicht mehr auf dem Markt, dann muss ich stattdessen Käse produzieren“. Marx beschreibt diese Situation, in der die Arbeitsprodukte nicht nur scheinbar Macht über ihre Produzenten haben, als den Fetischcharakter der Ware.

Selbst wenn ein Warenproduzent Das Kapital studiert und versteht, dass die Wertgrösse seines Produkts auf dem Markt ein Ausdruck der durchschnittlich von den Produzenten benötigten Herstellungsdauer (besser schneller arbeiten!) ist; oder dass insgesamt z.B. mehr Produkte hergestellt wurden, als Leute in der Lage sind, zu bezahlen; oder dass das, was eine Wertsumme einkaufen kann, ein Ausdruck vom Verhältnis der Arbeit in der einen Branche zur Arbeit in einer anderen ist — all diese Erkenntnisse ändern nichts am Fetisch. Waren verhalten sich immer noch zueinander und so kontrollieren auch die Menschen in der Produktion weiterhin nicht ihre Beziehungen zueinander, sondern werden beherrscht vom Resultat des Vergleichs ihrer Produkte auf dem Markt mit den Resultaten, die weiter vorne dargestellt wurden: Verschwendung tatsächlicher Arbeit, permanenter Druck schneller und intensiver zu arbeiten, Ausschluss vom gesellschaftlichen Reichtum.

David Harvey stört nicht die fehlende bewusste Kontrolle über die gesellschaftliche Produktion und die negativen Wirkungen der Produktionsweise auf die Produzenten, sondern einfach das fehlende Wissen über die Produktionsverhältnisse. Marx lesen nimmt einen Salatkopf als Beispiel:

«Du gehst in den Supermarkt und willst einen Salatkopf kaufen. Um den Salat zu kaufen, musst du eine bestimmte Geldsumme auf den Tisch legen. Das sachliche Verhältnis zwischen dem Geld und dem Salat drückt ein gesellschaftliches Verhältnis aus, denn der Preis —„was kostet das“— ist gesellschaftlich bestimmt und der Preis ist der Geldausdruck des Werts. Hinter diesem Austausch von Dingen versteckt sich eine Beziehung zwischen dir, der Konsumentin, und den unmittelbaren Produzentinnen — denjenigen, die mit ihrer Arbeit den Salat produziert haben. — Marx lesen, S. 53»

Soweit, so gut.[17] Doch gerät die Erklärung hier durcheinander:

«Nicht nur, dass du beim Einkaufen nicht das Geringste über die Arbeit oder die Arbeiterinnen wissen musst, die den Wert im Salat haben gerinnen lassen — in hochkomplexen Austauschsystemen ist es sogar unmöglich, irgendetwas über die Arbeit oder die Arbeiter zu wissen. Daher kommt es auf dem Weltmarkt unvermeidlich zu diesem Fetischismus. [...] Du kannst zum Beispiel im Supermarkt nicht herauskriegen, ob der Salat von glücklichen oder unglücklichen Arbeiterinnen, von versklavten Arbeitern, von Lohnarbeitern oder irgendwelchen selbstständigen Bauern produziert wurde. Der Salat schweigt sich sozusagen darüber aus, wie und von wem er produziert wurde. — Marx lesen, S. 53»

Der Fetischcharakter der Ware ist keine Beschreibung des Umstands, dass es an Wissen über die Herstellungskette mangelt. Jede halbwegs komplexe gesellschaftliche Arbeitsteilung birgt die Möglichkeit, dass wir nicht wissen, wie die Dinge, die wir konsumieren, hergestellt wurden.[18]

Fairtrade-Produkte, die mit ihrem Label etwas über die Bedingungen aussagen, unter denen die Arbeiter sie hergestellt haben, oder auch Kameras neben den zu verkaufenden T-Shirts, die den Innenbereich des Sweatshops zeigen, in dem sie produziert werden, ändern nichts an den Umständen der Produktion. Sie ändern nicht, dass die zur Herstellung dieser Produkte aufgewandte Arbeit durch die im Preis ausgedrückte Geldsumme in Beziehung zu anderer menschlicher Arbeit steht und das all diese Arbeiten damit dem Massstab abstrakte Arbeit untergeordnet werden.

Im Fazit taucht die Betonung des Fetischcharakters der Ware als einfach fehlendes Wissen wieder auf — schlimm scheint Harvey nur zu finden, dass wir „ständig der Gefahr unterliegen, dass die uns beherrschenden fetischistischen Konstrukte blind gegenüber dem wirklichen Geschehen machen“.[19] Soweit wir wissen, werden wir nicht von Konzepten beherrscht, sondern von einer Realität, die durch diese Konzepte beschrieben wird: Wir sind tatsächlich abhängig vom Geld, um an Wein und Käse zu kommen, und laufen nicht nur Gefahr, dies zu sein. Dass wir verstehen, warum das so ist, ändert daran erst einmal nichts.[20]

Was David Harvey in Marx lesen aus dem Fetischkapitel im Kapital zieht, ist, dass Wert keine „Naturtatsache“, sondern ein „gesellschaftliches Gebilde, dass einer besonderen Produktionsweise entspringt“, ist.[21] Das ist zwar richtig, aber weder erklärt er diese bestimmte Produktionsweise, noch kritisiert er sie vernünftig. Wie viele Kommentatoren vor ihm gibt er sich damit zufrieden, nieder zuschreiben, dass der Wert ein Produkt der Geschichte und ein gesellschaftliches Verhältnis ist, ohne zu fragen, was das denn ist, was da produziert wurde, und was zu was in einem gesellschaftlichen Verhältnis steht.

Marx lesen zitiert Marx’ Kritik der politischen Ökonomen, eine Kritik, die ebenso gut auf Harvey selbst zutrifft:

«Die politische Ökonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen, Wert und Wertgrösse analysiert und den in diesen Formen versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat niemals auch nur die Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also Arbeit im Wert und das Mass der Arbeit durch ihre Zeitdauer in der Wertgrösse des Arbeitsprodukts darstellt? Formeln, denen es auf der Stirn geschrieben steht, dass sie einer Gesellschaftsformation angehören, worin der Produktionsprozess die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozess bemeistert, gelten ihrem bürgerlichen Bewusstsein für ebenso selbstverständliche Naturnotwendigkeit als die produktive Arbeit selbst. — Kapital, S. 94ff»

Der Unterschied zwischen diesen politischen Ökonomen und David Harvey ist, dass letzterer — als Marxist, der er ist — den Wert nicht als natürlich ansieht. Was Wert allerdings tatsächlich ist, was seinen Gehalt ausmacht und was es für die, die ihm unterworfen sind, bedeutet, hält er nicht für erwähnenswert.

Wer Harveys Marx’ „Kapital“ lesen zur Hilfe nehmen will, um Das Kapital zu verstehen, wird enttäuscht werden: Es wird weder dem, was Marx zu sagen hatte, noch der kapitalistischen Produktionsweise gerecht.

Gruppen gegen Kapital und Nation

Fussnoten:

[1] Engels, Friedrich; Marx, Karl: Werke. Band 23. Berlin: Dietz, 1964. Im Folgenden einfach Kapital.

[2] Marx Kapital lesen. Ein Begleiter für Fortgeschrittene und Einsteiger. VSA, Hamburg 2011. Im Folgenden einfach Marx lesen.

[3] Dieser Text ist im wesentlichen eine Übersetzung eines englischsprachigen Textes unserer Schwesterorganisation Critisticuffs aus London: https://critisticuffs.org/texts/david-harvey/.

[4] Zum Beispiel lernt man auf Seite 152 von Marx lesen sehr wenig über die Mehrwertrate und wird stattdessen mit Erörterungen über die Profitrate konfrontiert, welche erst im dritten Band eingeführt wird.

[5] Hier vermeiden wir — Marx folgend — von Geld zu reden und sprechen von Waren, die direkt gegen andere Waren getauscht werden. Die Kategorie Geld und ihre Notwendigkeit wird später entwickelt und wir gehen auf diese Notwendigkeit später im Text ein.

[6] Im Gegensatz zu einer verbreiteten Vorstellung besteht der ökonomische Gehalt des Privateigentums nicht darin, dass die Leute das, was sie besitzen, selbst konsumieren können. Der ökonomische Witz am Privateigentum besteht gerade darin, Sachen zu besitzen, die man nicht braucht. Das ist die Bedingung dafür, andere dazu zu bringen, ihr Privateigentum gegen das eigene einzutauschen.

[7] Das ist der erste abstrakte Grund für das Nebeneinander von Armut und Reichtum in dieser Gesellschaft.

[8] „Das Geschwätz über die Notwendigkeit, den Wertbegriff zu beweisen, beruht nur auf vollständigster Unwissenheit, sowohl über die Sache, um die es sich handelt, als die Methode der Wissenschaft. Dass jede Nation verrecken würde, die, ich will nicht sagen für ein Jahr, sondern für ein paar Wochen die Arbeit einstellte, weiss jedes Kind. Ebenso weiss es, dass die den verschiednen Bedürfnismassen entsprechenden Massen von Produkten verschiedne und quantitativ bestimmte Massen der gesellschaftlichen Gesamtarbeit erheischen. Dass diese Notwendigkeit der Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit in bestimmten Proportionen durchaus nicht durch die bestimmte Form der gesellschaftlichen Produktion aufgehoben, sondern nur ihre Erscheinungsweise ändern kann, ist self-evident. Naturgesetze können überhaupt nicht aufgehoben werden. Was sich in historisch verschiednen Zuständen ändern kann, ist nur die Form, worin jene Gesetze sich durchsetzen. Und die Form, worin sich diese proportionelle Verteilung der Arbeit durchsetzt in einem Gesellschaftszustand, worin der Zusammenhang der gesellschaftlichen Arbeit sich als Privataustausch der individuellen Arbeitsprodukte geltend macht, ist eben der Tauschwert dieser Produkte.“ — Marx an Ludwig Kugelmann, London, 11. Juli 1868, hier nachzulesen: http://www.kulturkritik.net/systematik/philosophie/mew/pop_mew.php?url=me32_552.htm

[9] Es gibt noch andere Dinge, die als Zugriffsmittel auf gesellschaftlichen Reichtum benutzt werden können, aber nicht produziert werden, wie unbearbeitetes Land. Deren Preise unterliegen deshalb anderen ökonomischen Gesetzen als die der Arbeitsprodukte. Dazu mehr in einem Artikel über Gentrifizierung: https://gegen-kapital-und-nation.org/gentrification-0

[10] Nur weil jemand hungrig ist und es Käse gibt, heisst das noch lange nicht, dass sie den Käse bekommt. Wenn sie etwas hat, das sie gegen den Käse eintauschen kann, verhungert sie nicht. Die Tatsache, dass genug Lebensmittel vorhanden sind, ist in dieser Gesellschaft noch lange kein Grund dafür, dass alle Hungernden satt werden.

[11] Kapital, S. 58

[12] Das Verhältnis ist nicht, dass ich Zugriff auf den gesellschaftlichen Reichtum erhalte, weil ich Arbeit verausgabt habe um meine Ware herzustellen — Wert ist keine Belohnung für getane Arbeit — sondern weil es Arbeit braucht sie herzustellen und weil andere auf sie angewiesen sind, was heisst, dass ich sie als Hebel benutzen kann.

[13] In einem seiner besseren Momente stellt Marx lesen dies auch fest, aber seltsamerweise in der Diskussion des Fetischcharakters: „Ich kann etwas Schönes herstellen und auf den Markt bringen, aber wenn es mir nicht gelingt, es auszutauschen, hat es keinen Wert.“ — Marx lesen, S.56

[14] Kapital S.56

[15] Marx lesen, S. 31

[16] „Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der Schatzbildung, muss es verhindert werden zu zirkulieren oder als Kaufmittel sich in Genussmittel aufzulösen. Der Schatzbildner opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust.“ —Kapital, S. 147

[17] Es lohnt sich jedoch darauf hinzuweisen, dass Marx von Privatproduzenten redet und nicht von unmittelbaren Produzenten. Ihm geht es darum, wer auf dem Markt als Eigentümer der Ware auftritt und nicht direkt darum, wer diese hergestellt hat.

[18] Natürlich gibt es eine halbwegs komplexe gesellschaftliche Arbeitsteilung, in der Sklavenarbeit, Lohnarbeit und Selbständigkeit leicht ausgeschlossen werden können: Vernünftige Produktion für den Gebrauchswert.

[19] Marx lesen, S. 61 (unsere Hervorhebung)

[20] Das ist so, weil erstens die meisten Menschen unsere Einsicht in die Schädlichkeit dieser Produktionsweise nicht teilen und weil zweitens der kapitalistische Staat mit Gewalt das Privateigentum und damit die Grundlage dieser Produktionsweise garantiert.

[21] Marx lesen, S. 59

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