UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Raus aus dem Käfig der bürgerlichen Form! | Untergrund-Blättle

6243

Die Abschaffung der Herrschaft Raus aus dem Käfig der bürgerlichen Form!

Politik

Das moderne bürgerliche Exemplar hat die Zwänge von Wert und Geld völlig aufgesogen, kann sich selbst ohne diese gar nicht mehr vorstellen.

22. Februar 2021
6
0
3 min.
Drucken
Korrektur
Es beherrscht sich wahrlich selbst, Herr und Knecht treffen sich im selben Körper. Geld ist unser aller Fetisch. Niemand, der es nicht haben will. Wir haben das zwar nie beschlossen, aber es ist so. Geld ist ein gesellschaftlicher Imperativ und kein modellierbares Werkzeug. Als eine Kraft, die uns ständig zum Berechnen, zum Ausgeben, zum Eintreiben, zum Sparen, zum Verschulden, zum Kreditieren zwingt, demütigt und beherrscht sie uns Stunde für Stunde. Geld ist ein Schadstoff sondergleichen. Der Zwang zum Kaufen und Verkaufen steht jeder Befreiung und Selbstbestimmung im Weg. Geld macht uns zu Konkurrenten, ja Feinden. Geld frisst Leben. Tauschen ist eine barbarische Form des Teilens.

Ein beträchtlicher Teil aller Produkte und Leistungen dient ausschliesslich der Geldvermehrung, zwingt zu unnötiger Plage, vergeudet unsere Zeit und gefährdet die natürlichen Grundlagen des Lebens. Manche Technologien sind nur noch als apokalyptisch zu begreifen.

Nicht nur, dass eine Unzahl von Berufen sich ausschliesslich damit beschäftigt, ist absurd, auch alle anderen Kopf- und Handarbeiter sind permanent am Kalkulieren und Spekulieren. Wir sind abgerichtete Rechenautomaten. Geld schneidet uns von unseren Möglichkeiten ab, erlaubt nur, was sich marktwirtschaftlich rechnet. Wir wollen das Geld nicht flott-, sondern wegkriegen.

Ware und Geld sind nicht zu enteignen, sondern zu überwinden. Menschen, Wohnungen, Produktionsmittel, Natur und Umwelt, kurzum: nichts soll eine Ware sein! Wir müssen aufhören, Verhältnisse zu reproduzieren, die uns unglücklich machen. Tätig sein ist etwas anderes, wenn es nicht für Geld und Markt geschieht, sondern als Geschenk, Gabe, Beitrag, Schöpfung für uns, für das individuelle und kollektive Leben frei verbundener Menschen.

Befreiung heisst, dass die Menschen sich ihre Produkte und Dienste zukommen lassen. Dass sie sich direkt aufeinander beziehen und nicht wie jetzt sich in ihren gesellschaftlichen Rollen und Interessen (als Kapitalisten, Arbeiter, Käufer, Staatsbürger, Rechtssubjekte, Mieter, Eigentümer etc.) konfrontieren. Bereits heute erleben wir geldfreie Sequenzen in der Liebe, in der Freundschaft, in der Sympathie, in der Hilfe. Da schenken wir uns etwas, schöpfen gemeinsam aus unseren existenziellen und kulturellen Energien, ohne dass Rechnungen präsentiert werden. Da spüren wir in einigen Momenten, dass es ohne Matrix ginge.

Es geht um nichts weniger als um die Abschaffung der Herrschaft, egal ob diese sich in persönlicher Abhängigkeit oder in Sachzwängen äussert. Es geht nicht an, dass Menschen anderen Menschen unterworfen bzw. ihren Geschicken und Strukturen hilflos ausgeliefert sind. Selbstherrschaft wie Selbstbeherrschung sind unsere Sache nicht. Herrschaft ist mehr als Kapitalismus, aber der Kapitalismus ist das bisher entwickelteste, komplexeste und destruktivste System von Herrschaft. Unser Alltag ist so konditioniert, dass wir den Kapitalismus täglich reproduzieren, uns verhalten, als gäbe es keine Alternativen.

Wir sind blockiert, Geld und Wert verkleben unsere Gehirne und verstopfen unsere Gefühle. Die Marktwirtschaft funktioniert wie eine grosse Matrix. Sie zu negieren und zu überwinden ist unser Ziel. Ein gutes und erfülltes Leben setzt den Bruch mit Kapital und Herrschaft voraus. Es gibt keine Transformation der gesellschaftlichen Strukturen ohne Änderung unserer mentalen Basis und keine Änderung der mentalen Basis ohne die Überwindung der Strukturen.

Wir müssen raus aus dem Käfig der bürgerlichen Form. Politik und Staat, Demokratie und Recht, Nation und Volk sind immanente Gestalten der Herrschaft.

Streifzüge Redaktion

Mehr zum Thema...
The Photographer (   - )
Gegen das bürgerliche Dasein – für das gute Leben!Repariert nicht, was euch kaputt macht!

28.11.2013

- Durch die Politik können keine Alternativen geschaffen werden. Sie dient nicht der Entfaltung unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten, sondern in ihr nehmen wir bloss die Interessen unserer Rollen in der bestehenden Ordnung wahr.

mehr...
usg
Transvolutionäre Mutmassungen zum elementaren AufstandDie grosse Freisetzung

23.01.2017

- Was ersparen wir uns, wenn es kein Geld mehr gibt?

mehr...
Hardi Hõlpus
AbhandlungDas Ende von Arbeit und Geld

25.03.2000

- Unter Arbeit wird im kleinbürgerlichen Verstande Arbeit für Geld verstanden. Marx nennt solche Arbeit deshalb mit Hegel

mehr...
Zum aktuellen Stand des Immergleichen. Dialektik der Kulturindustrie - vom Tatort zur Matrix (Teil 1/2)

09.04.2009 - Nicht ob Kulturindustrie heute noch funktioniert, sondern wie, dieser Frage gehen die Texte eines Sammelbandes nach, der uns in der zweiten Stunde genauer ...

Zum aktuellen Stand des Immergleichen. Dialektik der Kulturindustrie - vom Tatort zur Matrix (Teil 2/2)

09.04.2009 - Nicht ob Kulturindustrie heute noch funktioniert, sondern wie, dieser Frage gehen die Texte eines Sammelbandes nach, der uns in der zweiten Stunde genauer ...

Dossier: Islam
Meshal Obeidallah
Propaganda
Freiheit macht Arbeit

Aktueller Termin in Berlin

Café Schlürf

Hallo,heute wieder Kaffee und Kuchen im Schlürf gegen Spende, 12-18 Uhr.Spenden gehen an FLINTA*, die von Repressionen betroffen sind. Wenn ihrdrinnen sitzen möchtet: bei uns ist immer noch 2G. Bestellung unddraussen sitzen: keine ...

Donnerstag, 11. August 2022 - 12:00 Uhr

Regenbogencafe, Lausitzer Str. 22a, 10999 Berlin

Event in Berlin

MILITARIE GUN

Donnerstag, 11. August 2022
- 21:00 -

Badehaus Berlin

Revaler Straße 99

10245 Berlin

Mehr auf UB online...

Liz Taylor (hier in Amsterdam, April 1965) spielt in dem Film von Richard Brooks die Rolle der Maggie „The Cat” Pollitt.
Vorheriger Artikel

Die Katze auf dem heissen Blechdach

„Das Leben ist kannibalisch ...”

Demonstration der italienischen Basisgewerkschaften USB und SI Cobas in Piacenza gegen die staatliche Repression, 23.
Nächster Artikel

Angriffe auf kämpferische Belegschaften

Wenn Arbeitskämpfe zum Terrorismus erklärt werden

Untergrund-Blättle