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Zürich: Erklärung zur Juch-Räumung | Untergrund-Blättle

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Eine Räumung auf Vorrat Zürich: Erklärung zur Juch-Räumung

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Am Freitag 22.5.2020 hat das der Bürgerliche Stadtrat den Hinterzimmerdeal mit der HRS Real Estate AG in die Tat umgesetzt. Vorbei an Parlament und Stadtbewohner*innen wurde das Juch-Areal auf Vorrat geräumt.

Das besetzte JuchAreal in Zürich.
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Bild: Das besetzte Juch-Areal in Zürich.

25. Mai 2020

25. 05. 2020

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Am Freitag 22.5. am Abend um 00.00 lief das Ultimatum zum Verlassen des Areals ab. Eigengolta war den ganzen Tag über nicht erreichbar. Wozu haben Handys einen Flugmodus, wenn nicht um ihn zu benutzen?

Die Ereignisse im Überblick

Unter dem Vorwand auf dem Juch fände eine Veranstaltung statt, begann die Polizei gegen 10 Uhr morgens mit grossem Aufgebot einzufahren und das Areal grossräumig abzusperren. Gestützt auf die Covid-19 Verordnung verteilte sie voll motti Wegweisungen für die ganze Stadt Zürich. Schon wieder haben sie den aktuellen Corona Notstand für ihre Zwecke instrumentalisiert. Es ist unübersehbar, dass es stark vom Inhalt eines Vorkommnisses abhängt, wie sehr sie ihren Spielraum ausnutzen, um jegliche Systemkritik im Keim zu ersticken.

Durch von unserer Seite gestartete Verhandlungen konnten wir erreichen, dass die Polizei abgezogen ist. Um 18 Uhr, kaum waren die behördlichen Bürozeiten verstrichen, krochen sie wieder aus ihren Löchern und waren mit hoher Präsenz vor Ort. Je näher das Ende des Ultimatums rückte, desto grösser wurde das Aufgebot.

Die Besetzer*innen liessen sich nicht isolieren und organisierten fleissig dezentrale Aktionen. Sie zogen vor das Tor des Areals, um die letzten Stunden bis zur Räumung gemeinsam auszuharren. Besuch kam vorbei und gegen 00.00 waren von allen Seiten solidarische Knaller zu hören. Danke allen für den Support!

Am folgenden Morgen um 8 Uhr hat sich der vermeintlich linksgrüne Stadtrat endgültig demaskiert und gezeigt, auf welcher Seite er steht. Ein Abriss auf Vorrat, ohne Pläne für eine tatsächliche Nutzung des Areals, steht konträr zur von Links getragenen seit 40 Jahren üblichen Praxis der Stadt Zürich mit Besetzungen.

Polizeisprecher Marco Cortesi sagt auf die Frage nach dem Vorgehen, sie wollen erst einmal das Areal „unbewohnbar machen“ und anschliessend seien private Sicherheitskräfte gebucht worden, welche das Areal Tag und Nacht bewachen. Wir finden: HUUPETS?

Für uns alle ist klar:
“Trotz Autobahn bis Würdelos,
seid ihr uns noch lang nicht los.“

Wir stellen uns gegen dieses kapitalistische Machtspiel auf Kosten eines Freiraumes für alle, zugunsten eines Baustelleninstallationsplatzes.

Wir lassen nicht zu, dass ihr unsere Stadt unbewohnbar macht!

Erklärung der Migrantifa zur Juch-Räumung

Die Geschichte des Juch ist eine Geschichte, welche eng mit der Geschichte des Rassismus in der Schweiz geknüpft ist.

Das Juchhof-Areal entstand als Barackensiedlung für so genannte „Gastarbeiter*innen“: Arbeiter*innen aus dem europäischen Süden, welche – rechtlich und gesellschaftlich stark diskriminiert – von Schweizer Unternehmen und der Schweizer Gesellschaft ausgebeutet wurden. Sie wurden als Ware, nicht als Menschen behandelt, die man nach der Ölkrise als Konjunkturpuffer schnell wieder los werden wollte.

Das Juch war danach 13 Jahre lang die grösste Notunterkunft für Illegalisierte. Viele der illegalisierten Geflüchteten waren Teil der Bleiberecht-Bewegung, besetzten Kirchen, wobei daraus die Autonome Schule ASZ entstand. Die Kämpfe spezifisch von Illegalisierten des Juchs sollten nie vergessen werden!

Vor der Leerstehung wurde das Juch als Testzentrum für die Bundesasyllager genutzt. Das Asylwesen ist ein repressives, gewaltsames Institut des Schweizer Staates. Es ist nicht zum Schutz der Geflüchteten, sondern zu ihrer Abwehr und Absonderung konstruiert. Während die Halbgefangenschaft der Bundesasyllager, die Internierung von Geflüchteten oder ihre Unterbringung in menschenunwürdige Bunker den einen Teil staatlicher rassistischer Gewalt bilden, bilden neokolonialistische Ausbeutung, imperialistische Kriege und die Unterstützung von Diktaturen im Trikont die andere Seite derselben Medaille.

Nach der Besetzung entstand ein vielfältiger und offener Raum, welche auch für Projekte von People of Color und Migrant*innen offenstand. Beispiele sind das Büro „Ping PoC“ der Linken PoC zur Unterstützung von People of Color und Geflüchteten, oder eine Bibliothek mit antikolonialer und antirassistischer Literatur. Wir konnten im Juch Initiativen bilden und entwickeln. Es ist hervorzuheben, dass das Juch immer als ein Ort wahrgenommen wurde, welches gegenüber People of Color offen stand, und welches einen Freiraum bildete, in dem sich viele Initiativen mit antirassistischem Fokus bilden und ausbreiten konnten.

Deshalb sagen wir als People* of Color und Migrant*innen: Juch bleibt!

pm

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