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Neujahrserklärung der Häuservernetzung Winterthur | Untergrund-Blättle

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Wir wehren uns Neujahrserklärung der Häuservernetzung Winterthur

Politik

Die Häuservernetzung Winterthur ist das Netzwerk der selbstverwalteten Stefanini-Häuser in Winterthur.

Kundgebung der Häuservernetzung Winterthur im Februar 2022.
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Kundgebung der Häuservernetzung Winterthur im Februar 2022.

5. Januar 2023
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Wir bewohnen und unterhalten dieseHäuser seit vielen Jahren - das älteste seit 1997, das jüngste seit 2011 - mit eigener Arbeit und auf eigene Kosten. Sie sind unsere Zuhause undvielfältiger Wohn- und Kulturraum für viele.

Im Herbst 2020 hat die Eigentümerin, die milliardenschwere Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG, einigen von uns ein Ultimatum gestellt und verlangt, dass wir unsichere und befristete Gebrauchsleihverträge von einem oder maximal drei Jahren unterzeichnen. Im Januar 2021 erklärte die SKKG an ihrem jährlichen Werbeanlass öffentlich, dank diesen Verträgen könnten sie uns nach Ablauf der Frist «einvernehmlich» rauswerfen. Danach werden die Häuser abgerissen oder saniert. Die SKKG ist zur Zeit daran, alle ihre Häuser zu sanieren, um die Rendite zu erhöhen. Alleine in Winterthur besitzt die Stiftung über 1700 heute noch günstige Mietwohnungen.

Wir lehnen das Vorgehen der SKKG und ihrer Immobilienverwaltung Terresta ab. Wir lassen uns nach all den Jahren nicht einfach «einvernehmlich» rauswerfen und wegsanieren. Darum organisieren wir uns kollektiv in der Häuservernetzung. Die Häuser sind unsere Lebensgrundlage. Wir haben in zwei offenen Briefen an die SKKG und Terresta konkrete, konstruktive und umsetzbare Vorschläge für den Erhalt der Häuser gemacht. Diese Vorschläge werden bis heute ignoriert.

Wir wehren uns

Wir wehren uns gegen die Vertreibung der ärmeren Bevölkerung aus Winterthur und kämpfen für den Erhalt des günstigen Wohnraums. Deshalb haben wir im Februar 2022 während dem alljährlichen Werbeanlass der SKKG eine gutbesuchte Platzkundgebung vor dem SKKG-Sitz unter dem Titel «Vertreibung ist keine Kunst» organisiert. Im März 2022 machten wir mit Transparenten im Stadtraum auf den internationalen Housing Action Day aufmerksam. Am ersten Mai 2022 waren wir mit mehreren hundert solidarischen Menschen an der antikapitalistischen 1. Mai-Demo. Im Dezember 2022 haben wir uns am Stadtspaziergang gegen die steigenden Lebenshaltungskosten beteiligt. Unsere Reden, Flugblätter und Aktionen treffen auf der Strasse auf viel Zuspruch. Betroffen von der akuten Wohnungsnot, hohen Mieten und den Auswirkungen der Krise sind viele in dieser Stadt.

Im Frühling 2022 kam es nach zahlreichen Aktionen mit der Forderung, eine sichere Lösung für alle Bewohner:innen zu finden, zu einem letztlich enttäuschenden Gespräch mit den Verantwortlichen der SKKG und der Terresta. Die Präsidentin der SKKG Bettina Stefanini und der CEO der Terresta Hans Rupp haben sich mit uns - über fünfzig Bewohner:innen der selbstverwalteten Häuser - in einen Raum gesetzt mit der Absicht, uns einen repressiven Gebrauchsleihvertrag aufzuhalsen.

Der Vertragsvorschlag der SKKG war unsicher, er enthielt keinerlei Absicherung über die Zukunft der Bewohner:innen der selbstverwalteten Häuser. Stattdessen strotzte er nur so von fragwürdigen Gängelungen und drohte offen mit gewaltsamer Räumung und Hausfriedensbruchklagen. Dieser Vertragsvorschlag wurde von keinem der selbstverwalteten Häuser unterzeichnet. Wir haben den Vorschlag kollektiv abgelehnt und gleichzeitig einen vernünftigen Vertragsvorschlag vorgelegt. Die SKKG und die Terresta lehnten unseren Vorschlag ab und vertrösteten uns auf einen unbestimmten Zeitpunkt. Die SKKG scheint an einer konstruktiven Lösung nicht interessiert. Unsere Situation bleibt prekär. Mitten in der akuten Wohnkrise werden unsere Häuser bedroht.

Das geht so nicht

Wir warten nicht darauf, dass die SKKG ein Haus nach dem anderen zu räumen versucht. Wir werden selber aktiv und wehren uns gemeinsam gegen Wohnungsnot, Gentrifizierung und steigende Lebenshaltungskosten. Wir werden uns weiterhin in den Häusern, auf der Strasse und den Plätzen treffen und uns mit anderen von der Wohnkrise Betroffenen zusammentun.

Auch 2023 werden wir weiter für den Erhalt des günstigen Wohnraums in Winterthur und anderswo kämpfen. Um die Solidarität unter den Betroffenen zu stärken und den gemeinsamen Widerstand gegen die Wohnkrise und Vertreibungspolitik in den Städten aufzubauen, werden wir an Pfingsten 2023 ein überregionales Treffen gegen die Stadt der Reichen organisieren. Alle wohn- und stadtpolitisch Aktive, alle von Wohnungsnot und Vertreibung Betroffene sind herzlich eingeladen. Mehr Infos zum Treffen werden in den folgenden Wochen auf wohnraumverteidigen.noblogs.org veröffentlicht.


Häuservernetzung Winterthur

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