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Piratensender Radio Banana: Interview mit Christian Egger | Untergrund-Blättle

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Züri brännt: Texte zur Bewegung Piratensender Radio Banana: Interview mit Christian Egger

Politik

Interview mit Christian Egger über den Piratensender Radio Banana, der während der Zürcher Unruhen in den 80er Jahren illegal gesendet hat.

Zürich, 1980.
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Zürich, 1980. Foto: strapazin

25. November 2022
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00:00 Radio Banana: Radio Banana wünscht allen Partygästen einen guten Empfang und ein aktionsgeladenes, ein geiles und ein sinnliches 1980! Und vergesst nicht, es geht nur noch vier Jahre, aaah!

00:38 Fredy Meier: Zu der Zeit gab es extrem viele Sender. Schwarze Chatz, Frauensender, Radio Banana… wirklich endlos.

00:51 Radio Banana: Am 8. Juni findet ja die ominöse Demo über den 60 Millionen Kredit fürs Opernhaus statt. Uns interessiert die Abstimmung nicht gross. Wir wissen, wenn wir etwas wollen, müssen wir darum kämpfen. Dies ist eine Einladung zu einem unvergesslichen Opernabend! In der Demo geht es darum, zu zeigen, dass wir mit der ungerechten Verteilung der städtischen Kulturausgaben nicht einverstanden sind. Kommt alle zur Demo, lasst euch was einfallen, ein bisschen Fantasie und dann wird es sicher eine lustige Angelegenheit.

01:26 Christian Egger: Ich heisse Christian und wir sind im Restaurant Schiwago, das gerade mein Restaurant ist – legal alles. Einmal war es so, da haben wir einen Live-Bericht gemacht. Es gab Leute, de technisch versiert waren, das war ein Vorteil. Ich hätte das nicht gekonnt. Man musste die Antenne auf einen hochgelegenen Punkt bringen, ich war eher dafür zuständig.

02:01 Einmal war ich allein daheim mit dem Sender und konnte nicht mit dem Zeug aus Dach. Aber unsere Wohnung war im 5. Stock. Und einer der Techniker hatte einen Scanner, mit dem man en Polizeifunk mithören konnte. Das war unglaublich spannend. Eigentlich wollte ich an die Demo, aber dann konnte ich nicht aufhören, zuzuhören und dann habe ich das live gesendet.

02:31 Gesendet hat man eigentlich auf einem Kanal von Radio24, das Radio war in Italien und hat mit einem Richtstrahl nach Zürich gesendet. Und in Zürich war der nicht mehr so stark und man war mit dem kleinen Sender stärker. Der Sender plus Tonband und Batterie, die Batterie war das schwerste. Damit im Rucksack ist man irgendwo auf einen Aussichtsturm.

03:09 Dann hat man Radio24 gehört, dudel dudel, und auf einmal kroch… hier ist Radio Banana…

03:27 Christoph Schuler: Einmal sind wir auf den Lorenchopfturm, haben den Sender hochgeschleppt, um von dort zu senden. In der Stadt mussten wir aufpassen, wenn wir gesendet haben, denn die Post hatte damals da Monopol für Radio. Die sind herumgefahren mit mehreren Autos und haben probiert, mit Peilsendern die Piratenradios zu finden.

03:50 Radio Banana: Vielleicht kann es passieren, dass die heutige Sendung von den Arschlöchern von der PTT gestört wird. Lasst euch nicht irritieren, sondern sucht einfach auf der Frequenz von 100 bis 105, bis ihr uns wiedergefunden habt. Und jetzt also viel Spass mit dem Programm von Radio Banana!

04:11 Christian Egger: Zum Geldverdienen hatte ich eine Reinigungsfirma. Wir hatten einen Auftraggeber im Niederdorf, jede Woche dort zu putzen. Das war ein sehr exponiertes Haus, sehr hoch und das habe ich benutzt, im Putzeimer hatte ich den Sender und das Tonbandgerät und dann bin ich zuerst nach oben, habe ihn unter dem Dach installiert, auf den Knopf gedrückt und dann bin ich nach unten, die Treppe putzen. Das war das beste eigentlich.

04:48 Später haben sie das aufgegeben, uns zu suchen, dann haben sie nur noch einen Störsender laufen lassen, PTT. Das war natürlich blöd. Und dann haben wir angefangen, die Frequenzen zu wechseln. Da ist man davon ausgegangen, dass derjenige, der hört, auch immer wechselt. Sonst hat er dich nicht mehr.

05:16 Radio Banana: Das war Radio Banana. Wir hoffen, ihr seid bei der nächsten Sendung wieder dabei – und einen lieben Gruss an Susanne! Tschau!

05:34 (Zerbrechendes Geschirr) NEIN!

05:38 Fredy Meier: Klirr! Der berühmte Teekrug fällt auf den Boden, in der Wohnung von Christian und Jo und geht kaputt, während wir live senden.

05:49 Christoph Schuler: Alle schreien, oh nein!

05:51 Fredy Meier: Nein, der Teekrug! Er hat doch gesagt, wir müssen darauf aufpassen! Aus Afghanistan! Ahhh! Wir sind auf Sendung, was sollen wir noch sagen? Nein, mir fällt nix mehr ein, der Teekrug!

06:09 Radio Banana: Ja hoppla, jetzt ist da leider gerade der wertvolle Teekrug aus der Ming-Dynastie kaputtgegangen. Äh… in dem Fall können wir nicht weitermachen, ich gebe wieder zurück ins Studio und hoffe, der Jimmy wird heavy Sounds auflegen. Zurück nach Zürich.

Interview aus Strapazin NO:137

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