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Jugendpreis der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) Wie Alternativen vom System aufgefressen werden

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Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) haben den Jugendwettbewerb «Together we’re better» lanciert. Die Gewinnerprojekte wurden am Freitag 21. Juni in Fribourg prämiert. Die Diebe waren da und haben sich umgesehen.

17. Juli 2019

17. Jul. 2019

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Wir haben nun so oft darüber geschlafen, wie wir nur konnten, um weniger subjektiv zu werden. Wir konnten nicht mehr weiterschlafen. Hier also das Resultat.

Unsere Konzepte sind künstlerisch und eher wirr (hören wir oft). Wir sind sperrig und nur beschränkt anpassungsfähig (schlussfolgern wir).

Mittelmässig erfolgreich mit unseren Konzepten bei einschlägigen Stellen können wir unsere Projekte immerhin als Mittel des Austausches mit erfahrenen Menschen von Institutionen und Engagement nutzen. Ein grosser solcher Austausch fand am Freitag 21.6. in Fribourg statt. Es gab eine Tagung und als Marketinggag einen Preis für Junge, die ein weltverbesserndes Projekt verfolgen. Wir galten noch als jung und durften unser Projekt Garazh auch vorstellen. Diese Szene war uns beiden unbekannt. Wir nahmen ein paar Musikinstrumente mit und freuten uns auf die anderen Menschen da.

Wir sind beide ziemlich unsozial. Das gibt uns den Genuss der Aussensicht. Die Chance der Reflexion.

Sachlage: Neben uns waren da um die 40 Projekte. Alle mit der Hoffnung auf Unterstützung von finanz- oder erfahrungsstarken Menschen bestimmter Institutionen. Wir ertranken fast in der Menge an Herzblut, die da investiert wird. Es war rührend. Und (– und darum liest du diesen Text, seine Motivation war ursprünglich enorme Wut, inzwischen nur noch eine Art Niedergeschlagenheit:) es war frustrierend.

Warum? Wir versuchen einen Hinweis, den wir als sehr wichtig empfinden. Version Mater als erstes. Dann folgt Version Spirit.

M A T E R :

Unterstützt wird Symptombekämpfung. Keine Lösung von Ursachen.

Beispiel: Ein mit Video speziell vorgestelltes dieser Projekte befreit. Stärkt die Stimmen. Regt zur Selbsterkenntnis, -bestimmung an. Übt mit seinem Zielpublikum öffentliches Sprechen. Ist neben zwei anderen ausgeschrieben für den Publikumspreis. Gewählt wird und gewinnen tut ein anderes. Eines, das unseren Müll in Indien besser rezyklieren will.

Warum erhält dieses Müllprojekt so viele Stimmen? Ich sehe darin die Trägheit des Denkens. Es triggert, dass es um meinen Müll geht. Die armen Inder, die da in meinem Müll hocken. Ist dieser Fokus wirklich Nachhaltigkeit? Warum soll dieser Job sympathischer werden? Begehrenswert?

Es steht für viele andere dieser Projekte, die sich darauf fokussieren, mit Kurzsichtigkeit, doch unglaublich viel Effort, nachgelagerte Probleme zu lösen. Somit gibt es nur Folgeprobleme. Einige wenige profitieren.

Folgeopfer verschwinden in den Lösungslücken.

Und es wird noch absurder. Im Laufe des Tages, nach einigen Reden und Aussagen der Organisation, wird uns der wirkliche Anlass unseres Daseins vor Ort bewusst.

Diese Menschen hier an dieser Tagung, an diesem Anlass, die sich in die Entwicklung und Realisierung ihrer Herzensprojekte stürzen und sich so sehr einsetzen merken nicht, wie sie von dieser staatlichen Stelle instrumentalisiert werden. Die Projekte die von dieser Stelle gefördert werden befreien nicht. Sie legen uns als Menschheit nur weiter in Ketten. Was wirklich befreien will wird nicht gefördert.

Und wir stehen da wie dressierte Hündchen, brav die Nähe der Organisation zu wirklichen Taten simulierend. Eine Teilnahme an einem solchen Event bedeutet die Investition von Zeit und Energie. Da stehen, Rede und Antwort stehen, hinterfragt werden, belächelt werden. Die Belohnung ist eine Art Verpflegung während des ganzen Tages. Und wir stehen alle da, weil man uns winkt mit einem Preis, einer Möglichkeit der Unterstützung, Förderung, Wertschätzung. Ein Spesenbeitrag wäre Bezeugung von Respekt gewesen. Das Ausbleiben eines solchen ist die Bezeugung von Disrespekt.

Ich weiss, meine Aussagen hier sind radikal und stossen vor den Kopf. Können als Gestänkere der Nichtgewinnenden abgetan werden. Doch bitte, schau genauer hin.

Das schlechte Gewissen des Kapitalismus, der unseren materiellen Wohlstand bringt, ist immens. Bei allen, die ihren Sinn für Gerechtigkeit nicht komplett ignorieren können. Denn menschlich sind wir hier sehr bedürftig.

Also «helfen» wir. Ach nein, heute heisst es, wir «arbeiten zusammen». Sehr wichtig. Die Hierarchie in meinem Kopf darf ich nicht zugeben. Aber entwickelt euch gefälligst so wie wir. Werdet uns. Denn wir sind gut. Wickelt euch aus eurer Scheisse raus. Äh, das ist ja unsere Scheisse. Wir scheissen euch seit Jahren auf die Köpfe. Und ehrlich gesagt ... wirklich ändern wollen wir das gar nicht. Werden wir doch einfach alle reich! Ich muss nur genügend fest dran glauben! Jaja das geht sicher!

Ich fühlte mich wie in einer Kirche, wo vorne die Glaubenssätze heruntergebetet werden. Die Zuhörenden sind froh, gleicher Meinung zu sein, um sich als Gemeinschaft fühlen zu dürfen ... applaudiert wird zum immer Gleichen: wir müssen zusammenhalten! Gemeinsam können wir es schaffen!

Was?

Natürlich ist es wunderbar, wenn ein Kind nicht mehr neben dem Haus auf den Boden machen muss. Genauso sein Vater oder sein Hund. Diese Projekte produzieren aber nur neue, nächste Probleme. Hierarchien. Sie spiegeln nur unser schlechtes Gewissen. Sie sind nicht wirklich eine Renaturierung des Überflusses. Sie sind eine Festigung der ungleichen Zustände. Unseres Wohlstandes. Unser Ausnutzen all dieser benachteiligten Menschen, auf das wir ALLE nicht verzichten wollen. Das nehme ich wahr.

Es bräuchte grössere Umwälzungen. Die bringen aber Opfer. Davor fürchtet man sich. Also Pflästerlen wir. Oder sollten wir grösser denken, liebevoll?

All die stillen Opfer bei gleichbleibenden oder minimal verbessernden Zuständen, die können wir gut ignorieren. Wir sind darin trainiert.

Was ist Entwicklungsarbeit also? Die im grossen Massstab?

Das Erschliessen neuer Märkte für noch mehr «Wohlstand».

Materieller Wohlstand nur. Spiritueller Wohlstand … diese Bedeutung des Begriffes fehlt dem kapitalistischen Vokabular.

Und wie bringen wir die Leute dazu, mitzumachen? Auch die Weltverbesserer, die, die noch dran glauben was bewegen zu können; die, bei denen die üblichen Dämpfer nicht funktionieren?

Wir machen mit ihnen einen Ablasshandel. Dank dem schlechten Gewissen durch ihren Zufallswohlstand. Sie werden blind für die grösseren Zusammenhänge. Glück und Stillegung durch konstante Überforderung.

Mut zur Wahrheit.

S P I R I T :

Alle sind in der Gesellschaft, die Gesellschaft ist aber nicht alle im Einzelnen. Die Masse besteht aus Einzelnen aber funktioniert nicht wie einzelne. Ich versuche dich zu erreichen, ich versuche zu dir zu sprechen. Nicht durch die Gesellschaft, sondern von mir zu dir. Es gibt zwei Wege zu dir, durch die Gesellschaft (Zeitung) oder durch dein Handy (deine Persönlichkeit/ Identität). Ist dein Handy verloren oder du begegnest niemandem, wirst du gesucht. Diese zwei Kanäle zu dir werden ständig besser erforscht, weil du es zulässt. Weil du denkst als Einzelner nichts machen zu können. Und die Gesellschaft ist manipulierbar wie Sand im Sandkasten.

Du fühlst dich als ein Teil der Gesellschaft und willst ein Teil davon bleiben. Du glaubst niemandem, dass es dir besser gehen würde, nicht ein Teil davon zu sein. Erst wenn es zur Gesellschaft gehören würde, nicht ein Teil von der Gesellschaft zu sein. Du glaubst ausserhalb der Gesellschaft bedeutet im Wald zu Leben und in einem Zelt schlafen und kein Kontakt zu Menschen zu haben. Du bist aber bereit, andere aus anderen Gesellschaften zu deiner aufzunehmen. Dies beweist dass es möglich ist, ausserhalb zu sein. Und ich bin auch ein Beispiel davon. Sogar ein Beispiel das gerade mit dir redet.

Glaube mir, du glaubst es nur, ein Teil dieser Gesellschaft zu sein. Sobald du mit mehreren Menschen zusammen bist, passt du deine Einstellungen, Haltungen und dein Wesen der Menge an. Darum denkst du nicht selbständig. Darum liest du nur vorgekautes, widersprichst nicht. Darum schaust du Netflix und darum betrinkst du dich jedes Wochenende und schneidest wahllos synaptische Verbindungen in deinem Kopf … trennst deine Hirnhälften soweit, dass du schliesslich denkst, alles zu verstehen, weil deine Hirnhälften nicht richtig miteinander funktionieren. Trägst Brille und merkst nicht, wie deine Augen immer mehr nachlassen, wie dein Hirn. Hörst zu lange zu laute Musik und denkst, die Vögel nerven dich weil du alt wirst.

Würdest du dies nicht tun, dann würdest du anfangen ein Aussenseiter zu werden. Doch dies willst du ja nicht. Sonst wirst du wie ich. So willst du nicht sein. Ein armer Künstler will niemand sein. Und ein Aussenseiter sowieso nicht. Das ist aus deiner Sicht gemeint. Aus meiner bist du arm und ein Aussenseiter. Also ein dummer Insider. Dumm, weil du in der Gesellschaft nur dumm sein darfst. In deiner Schicht und in deinem Kasten. Um da raus zu kommen braucht es viel Fleiss und Arbeit. Aber auch das wird dir nur erzählt damit du nicht Suizid machst. Denn deine Lage ist ausweglos. Stimmt natürlich nicht. Du kannst dich auch entscheiden zu spenden, gute Taten zu machen.

Jetzt nehme ich dich gerade auf den Arm. Der Ausweg aus diesem Dilemma ist ganz einfach. Schau zu dir und zu deinen Nächsten, doch nur wenn sie dir sehr wichtig sind und sie dir auch gut tun. Denn sobald du meine Sicht hast, musst du dich deinen Nächsten erklären oder sie anlügen.

Darum überlege gut, ob du nicht alleine sein willst.

Mache nichts unüberlegtes wenn du nicht alleine bist. Reflektiere Jeden Text und jede Aussage. Selten ist etwas so wie es scheint. Wir nehmen an, die Sonnenoberfläche ist heiss weil sie auf unserer Haut Wärme erzeugt. Du glaubst sowieso der Wissenschaft. Die ist auch nur eine Religion die mit Magie versucht, dich für sich zu gewinnen. Siehst du, es ist ganz einfach. Nur solltest du dies ständig tun.

Jeden Tag.

Immer wie ein kleines Kind.

Nur eines, das erwachsen wird während es ein Kind bleibt.

Du hast Skills. Übe sie und lerne zu schreiben und lerne auch, dich anders auszudrücken. Denn was du als kleines Kind im erwachsenen Körper siehst und zu verstehen beginnst, ist erschreckend. Die Natur ist so wie sie ist. Den Menschen wirst du anfangen zu hassen. Darum achte dich auf radikale Wege die dir jemand anders zeigen möchte. Du wirst dich selber Radikalisieren. Du wirst an deinen Wurzeln (Radix) rütteln. Immer wieder und immer wieder. Hast du aber gute Skills, verhelfen sie dir deine Erkenntnisse anderen mitzuteilen und für dich weiter zu entwickeln. Deine Wurzeln und deine Krone wachsen.

So entfremdest du dich deiner Gesellschaft immer mehr. Durch deine geschärfte Beobachtungsgabe und entwickelten Skills kannst du aber wiederum immer besser ein Teil der Gesellschaft werden. Respektive, du lernst auch zu schauspielern und wirst sogar richtig erfolgreich in dieser Gesellschaft, weil du ganz viel Kritik hast und diese wird gerne verkauft. Wohl nicht so wie du es meinst. Sondern so, damit du der Letzte bist der dies geschafft hat.

So bist du ein reicher Künstler.

Naja und jetzt? Für CHF 1000 erzähle ich dir viel mehr! Versprochen! (IBAN: CH46 0839 0035 1026 1000 8 ABS Olten, Die Diebe, Baselstrasse 61, 6003 Luzern)

Was ist Entwicklungshilfe? oder Entwicklungszusammenarbeit?

Das ist Entwicklungshilfe. Nur ist sie noch perfider verpackt als mein Erfolgsmodell für dich, damit du ein besseres Leben haben kannst. Bei der Zusammenarbeit biete ich dir noch meinen persönlichen Rat. ;)

Ist Entwicklungshilfe nicht Problembehandlung unserer modernen Kolonialisierung?

Waffen haben wir bessere. Ideen nicht bessere. Andere Bräuche und Lebensweisen. Ein System der Ausbeutung, aus dem wir nicht heraus zu wissen scheinen. Anstatt uns damit zu befassen, bemächtigen wir uns, es besser zu wissen für andere. Und manchmal sind wir sogar von jeglichen guten Geistern verlassen und beuten so richtig aus. Gibst du das Gold nicht, dann bist du tot und dein Land gehört mir. Ich habe mehr Macht also Geld und mehr Waffen. Sogar auf Zeit verlierst du. Ich lebe nicht da wo ich ausbeute.

Jüngere mit viel Macht und Geld, aus den nächsten Generationen, die nicht von allen guten Geistern verlassen sind, sehen das Elend, so wie sie im Fernsehen gezeigt wird. Sehen aber nicht dahinter, weil sie geblendet werden und sich sowas böses nicht vorstellen können, vor allem nicht von den eigenen Müttern und Vätern.

Sie wollen helfen. Die beste Hilfe wäre es, einfach zu gehen und alle die dort nicht hingehören wieder wegzunehmen.

Entschuldigungen braucht es keine, denn das klingt nur zynisch. Ich bitte euch dies zu machen. Lasst andere Gesellschaften in Ruhe so wie ihr selber in Ruhe gelassen werden möchtet. Die Nächstenliebe ist hier der Deckmantel des Wolfes.

Beutet man aus weil man Angst hat ausgebeutet zu werden?

Wird sogar die Armut ausgebeutet?

Armut ist erfunden. Im Sinne einer Gesellschaftlichen Errungenschaft.

Ein Filmtipp: Enjoy Poverty, von Renzo Martens. Und Buchtipp: Barbarei der Anderen, von Immanuel Wallerstein. Und Entwicklungshilfe ist auch erfunden, eigentlich ist es ein neuer Begriff für Kolonialisierung. Der klang zu Beginn auch mega nett.

Die Diebe

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