Dann halte dich fern von der RKP/dem Funken! Bist du Kommunist:in?

Politik

Der Funke ist eine Organisation über die sich innerhalb der revolutionären Linke gern und oft lustig gemacht wird. Sie ist aber nicht (nur) ein bemitleidenswerter Lesekreis, sondern eine Gefahr für die revolutionäre Linke.

Halt dich fern vom Funke/RKP.
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Halt dich fern vom Funke/RKP. Foto: Barrikade.info

1. April 2024
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Der Anlass für diesen Text ergibt sich durch das rasante Wachstum der Organisation durch die Instrumentalisierung des Genozides in Gaza, der kürzlich bekanntgewordenen Umstrukturierung des Funke zur "Revolutionären Kommunistischen Partei" und dem Barrikadeartikel "Warum ich den Funken und die Internationalistische Marxistische Tendenz verlassen habe".

Der Text ist eine erweiterte Version eines Instapostes des Alerta Recherchekollektiv, dementsprechend ist er nicht als ein einheitlicher Fliesstext sondern mit Unterkapiteln strukturiert.

Unerfahrende Linke abholen

Der Funke scheint vorallem Erfolg bei sogenannten "Baby-Leftists" zu haben, Linke, die (noch) nicht eine ausgeprägte theoretische Bildung genossen haben und noch vor einer Radikalisierung stehen.

Grundsätzlich wäre ja nichts daran verkehrt, mehr Wert auf politische Theorie und ideologische Bildung zu setzen. Problematisch wird es dann, wenn im Zuge der "Rekrutierung" dieser Menschen Gespräche geführt werden, in denen eine klare Ungleichheit, ein Machtgefälle, spürbar wird. Diese Gespräche an Demos oder Hochschulen laufen eigentlich immer so ab, dass die Person vom Funken ihre Analyse als die einzig wirklich linke und marxistische darstellen, während die andere Person sich eigentlich nur noch rechtfertigen muss und als weniger radikal oder gebildet abgestempelt wird.

Es passt für den Funken strategisch gut, Menschen das Gefühl zu geben, sie seien nicht genügend links, radikal, marxistisch, was auch immer, um sie dann, von ihrem Schuldgefühl angetrieben, an der nächsten Veranstaltung ihrer lokalen IMT-Sektion begrüssen zu können. Moralisch verwerflich ist es trotzdem.

Spenden von armutsbetroffenen Menschen glorifizieren

Die IMT zählt sich seit letzem Jahr zu den Immobilienbesitzer*innen in einer der teuersten Städte Europas, London. Wie kommt eine Organisation, die vorallem Zeitungen verfasst und diese verkauft, an ein Büro in London? Ganz einfach, Spenden von ihren Mitgliedern.

Bist du Kommunist? Dann kauf uns ein Büro!

Es wird Druck auf die Basis ausgeübt und durch das Versprechen, die einzige revolutionäre Bewegung zu sein, werden hohe Spenden, sogar von armutsbetroffenen Menschen, glorifiziert. Wir möchten keinesfalls die Handlungsfähigkeit von armutsbetroffenen Menschen absprechen, aber ihnen die eigene Ideologie als das einzige Heilsversprechen zu verkaufen, nicht nur im übertragenen Sinne, ist ein Verhalten, hinter dem wir nicht stehen können. Ein Verhalten, welches, wie so oft bei der IMT, mehr an eine Sekte, als an eine revolutionäre Bewegung erinnert.

Antifeminismus und Klassenreduktionismus

Nach einer queerfeministischen Analyse sucht mensch beim Funke vergebens, sogar das Gegenteil ist der Fall.

In diversen Texten, stellen sie die Ideen des Marxismus in einen Gegensatz zu queerfeministischen Idealen, diese Analyse ist schlichtwegs Falsch.

Wenn marxistische Feminist*innen des 21. Jahrhundert unbezahlte Care-Arbeit in ihre Analyse des Kapitalismus einschliessen, antwortet der Funke mit Auszügen von Marx und Engels - zwei Dudes die ihre Texte weit vor jeglicher gesellschaftlicher Auseinandersetzung der unbezahlten Care-Arbeit geschrieben haben, welche dazu nicht ferner von der Lebensrealität als TINFA im Patriarchat sein könnten.

Was der Funke betreibt nennt sich "Klassenreduktionismus", alle Probleme von marginalisierten Menschen werden auf die kapitalistische Klassengesellschaft reduziert und damit de facto als zweitrangig oder völlig irrelevant (da die Probleme der marginalisierten Gruppe "von allein" verschwinden würden, wenn die Klassengesellschaft aufgebrochen sei) abgestempelt. Als revolutionäre Linke können und sollen wir nicht nur auf die Weltrevolution planen. Wir müssen auch in der Gegenwart, wo auch immer möglich, Lebensrealitäten von marginalisierten Menschen verbessern. Nur wer gewisse Privilegien geniesst, kann die Gleichstellung von Menschen, die nicht dem hegemonialen Idealbild des weissen, cis hetero Mannes entsprechen, aufschieben und als Reformismus oder gar als konterrevolutionär brandmarken.

Perspektiven aufzeigen

Wir wollen mit diesem Text keinesfalls uns, noch andere Organisationen als DIE revolutionäre Linke darstellen. Der Grund für den Wachstum der IMT als Organisation können nicht alleine ihr Entrismus und nervige Auftritte an Demos und Hochschulen sein. Die IMT scheut nicht davor, Perspektiven zu geben. Sie geben den Eindruck überzeugt von der Revolution und ihrem "Marxismus" zu sein.

Wer weiss, ob solche Politsekten gedeihen könnten, wenn andere (parlamentarische) "Linke" ihre Ziele als erreichbar und wünschenswert verkauften, anstatt mit linksliberalen Reformen um sich zu werfen.

Der Diskurs hat sich in den letzen Jahrzehnten massiv nach Rechts verschoben. Klimakleber*innen und Demonstrierende scheinen mehr negatives Aufsehen zu erregen, als Neonazis auf den Strassen und in den Parlamenten, Klimakatastrophen und tödliche Hetzerei gegen trans* Menschen. Um dem entgegenzuwirken können wir ihren neoliberalen Dreck nicht einfach als normal akzeptieren, um vielleicht doch ein paar Sitze im Parlament mehr zu ergattern.

Wir müssen das Bild einer klassenlosen, egalitären Gesellschaft aufzeigen können, um aufzuzeigen, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Fazit

Um diesen Text abzuschliessen, möchten wir festhalten, dass wir das Ziel und die Vision einer gleichgestellten, solidarischen Gesellschaft der IMT (Funke), als unterstützenswert erachten, aber wie der Funke diese erreichen möchten halten wir für alles andere als vertretbar. Sie verfallen dem Reduktionismus, verstricken sich in ihre strikten Dogmen und Strukturen und ihr Auftreten im Allgemeinen ist alles andere als queerfeministisch. Die dominante Position von cis-männlichen Personen innerhalb und ausserhalb der Bewegung wird nicht annähernd genügend reflektiert und angegangen.

Übergriffiges Verhalten wird gedeckt und den Opfern wird nicht geglaubt, vor Allem wenn der Täter einen Namen innerhalb der IMT hat. Der Basis wird ein Schuldgefühl vermittelt, wenn diese nicht (genügend) spendet. Mitglieder der IMT fühlen sich ermächtigt, anderen Menschen linke Standpunkte zu erklären, als wären sie die einzigen, die sie verstanden hätten.

Der Funke ist innerhalb der Linken oft Subjekt von Spott und Memes, verständlich, wenn mensch bedenkt, wie lächerlich ihre Standpunkte sind. Wenn mensch aber ihr Wachstum und die ständig steigende, obwohl negative, Medienpräsenz bedenkt, genügen Spott und Memes nicht mehr. Es braucht eine kritische und ernstzunehmende Auseinandersetzung mit der IMT. Die revolutionäre Linke, kann nicht tatenlos zuschauen, wie die Begriffe Revolution, Marxismus und Kommunismus nur mit der IMT und ihrer reduktionistischen, anti-feministischen Analysen assoziert werden.

Wir haben den Funken mit einem Teil dieser Kritik und einigen Fragen konfrontiert - nach einem kurzen Mailverkehr wurden wir ignoriert (Stand 1. März 2024). Falls wir nach Veröffentlichung dieses Artikels und des dazugehörigen Posts eine Antwort erhalten, werden wir uns wieder melden.

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