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Die Entwicklung selbstverwalteter Räume Bern: Freiräume verteidigen

Politik

Das Erschaffen von Freiräumen war schon immer ein wichtiger Bestandteil von revolutionären Bewegungen.

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Foto: Graffiti in Bern zur Erklärung.

10. Februar 2021
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In Zeiten, in welchen aufgrund einer weltweiten Pandemie, sämtliche Restaurations- und Kulturbetriebe geschlossen sind und die Menschen somit keine Möglichkeit haben, ihre sozialen Kontakte zu pflegen, ist die Dringlichkeit nach solchen Räumen grösser denn je zuvor. Dazu kommt noch, dass sich der Polizeiapparat durch die aktuellen Umstände dazu bekräftigt fühlt, noch härter und unverhältnismässiger durchzugreifen.

Dem Staat waren selbstbestimmte Orte aber schon immer ein Dorn im Auge, gegen welchen er stets seine geballte Kraft einsetzte, um so das Entstehen oder das Etablieren von solchen Orten im Keim zu ersticken. Die nahe Vergangenheit zeigt eine Entwicklung hin zu einer Nulltoleranz gegenüber solchen Orten. Am 9. Oktober 2020 wurde die Liebig 34 in Berlin nach über 30 Jahren bestehen von rund 1’500 Polizist*innen brutal geräumt.

Dieses Jahr beginnt die Prozessreihe zu Effy 29, welches am 22. Februar 2017, ebenfalls mit viel Polizeigewalt geräumt worden ist. Den Aktivist*innen, drohen mehrstellige Geldbussen oder sogar unbedingte Haftstrafen. Auch die Hausbesetzung im vergangenen Jahr, im ehemaligen Altenheim in Zollikofen, wurde innert wochenfrist von der Polizei aufgelöst. Aktuell soll das selbstbestimmte Wohnprojekt “Eichwäldli” bei der Allmend in Luzern beendet werden. Aber auch in Bern wird in naher Zukunft ein weiterer Freiraum von der Bildfläche Verschwinden.

Das Böxli auf der Lorrainebrache soll abgerissen werden um einem Luxusneubau Platz zu machen. Menschen, welche gerne alternative Lebensformen führen oder ausprobieren möchten oder einfach nur nach einem Ort suchen, wo sie ohne Konsumzwang und anderen gesellschaftlichen Zwängen sein können, werden immer wie mehr verdrängt, denn die Gesellschaft hat für solche Menschen offensichtlich keinen Platz.

Aus diesen Gründen, haben wir uns sehr darüber gefreut, als wir von den kürzlich besetzten Häusern an der Weissensteinstrasse 4 und der Landorfstrasse 51A gehört haben. Es ist wichtig, dass wir versuchen gegen die Aufwertung der Quartiere, die Verdrängung von Randgruppen und die Repression, welche der Staat uns entgegenbringt, anzukämpfen und die genommenen Räume wenn nötig auch zu verteidigen. Wenn sie uns diese Orte wegzunehmen versuchen, dann nehmen wir uns einfache neue und schaffen dort neue Räume.

Räume in welchen alle Menschen willkommen sind. Räume in welchen Menschen keiner Repression ausgesetzt sind. Räume ohne Hierarchien, ohne Sexmismen, ohne Rassismus, ohne Homophobie und ohne gesellschaftliche Zwänge. Räume in welchen alle Menschen so sein können wie es gerne möchten. Aus diesem Grund möchten wir uns an dieser Stelle beim tripity-Kollektiv und den Menschen von der Landorfstrasse für ihren Mut und ihre Entschlossenheit bedanken.

Auch die Entwicklung des Freiraumes Reitschule/Vorplatz ist unserer Meinung nach besorgniserregend. Unserer Auffassung nach, soll die Reitschule ein Ort sein, an welchem mensch sich nicht vor racial Profiling und anderen Übergriffen durch die Polizei zu fürchten braucht. Team Blau hat weder auf dem Vorplatz, geschweige denn innerhalb der Reitschule etwas verloren.

Leider entspricht dies aber nicht mehr der Realität. Polizist*innen verhaften Menschen im Innenhof und schlendern gemütlich über den Vorplatz, ohne das dem in irgendeiner Form etwas entgegengesetzt wird. Diese Entwicklung macht uns Sorgen. Wenn die Polizei versucht, ihre Präsenz bei solchen Räumen zu erhöhen und sie dabei keine Reaktion erfahren, fühlen sich in ihrem Verhalten bestärkt und werden sich immer mehr getrauen. Die Reitschule soll eine No-Cops-Zone sein und auch bleiben.

Aus diesen Gründen haben wir, ein loses Bündis von Anarchis*innen, uns dazu entschlossen eine Botschaft zu hinterlassen und die Menschen zu ermutigen für ihre Freiheiten einzustehen und diese wenn es notwendig ist, auch zu verteidigen.

pm

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