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Basel: Das Sternenversteck ist besetzt | Untergrund-Blättle

Politik

Das Projekt an der Nonnenholzstrasse 40 Basel: Das Sternenversteck ist besetzt

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Heute Morgen vor Sonnenaufgang hat eine kleine Gruppe freidenkender Menschen einen wunderschönen, seit längerer Zeit leerstehenden ehemaligen Bauernhof an der Nonnenholzstrasse 40a besetzt.

Das Sternenversteck an der Nonnenholzstraße 40a in Basel.
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Bild: Das Sternenversteck an der Nonnenholzstrasse 40a in Basel. / projekt

11. Februar 2019

11. 02. 2019

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Wir haben heute früh, gleichzeitig zur Besetzung des Hofes, das ausgearbeitete Konzept im Anhang dem Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt vorgelegt. Dadurch erhofft sich das Projekt Sternenversteck eine Behandlung des Konzeptes an der kommenden Grossratssitzung diesen Mittwoch und daher eine baldige Antwort.

Schon seit einigen Jahren steht dieser Bauernhof, der im Besitz des Kantons Basel-Stadt ist, leer. Die dazugehörenden Felder werden zwar bewirtschaftet, aber der Hof selbst hat für den Kanton keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr. Er bietet viel Platz für tolle Projekte und mehrere Räume zum Wohnen. Wir finden diesen Ort zu schön um ihn verrotten zu lassen. Der trägen Untätigkeit der Politiker*innen setzen wir deshalb unsere Ideen und deren direkte Umsetzung entgegen. Ab heute heisst der Hof Sternenversteck. Wir beleben, und zwar jetzt!

Ausgangslage

Der Hof an der Nonnenholzstrasse 40 A wurde 1962 vom Kanton Basel-Stadt erworben und ging damals mit weiteren Objekten und rund 316’134m2 Land in dessen Besitz über. Die gesamte Fläche befindet sich auf beiden Seiten der Landesgrenze, die Gebäude des Hofes stehen jedoch auf deutschem Boden, welcher zum Teilraum Weil am Rhein gehört. Seit Jahren wird der Hof nicht mehr in seiner ursprünglichen Form genutzt.

Das Wohnhaus steht seit fast zwei Jahrzehnten leer, zuvor wurde es über 30 Jahre vermietet. Die Scheune wird seit mehr als 30 Jahren als Wagenunterstand vom Landwirt des Bäumlihofs gemietet. Zudem wird ein Teil der Nebengebäude von einer Fasnachtsclique als Unterstand für ihren Wagen genutzt. Es wird seit Jahren versucht, den Hof zu verkaufen, was bisher jedoch an den landwirtschaftlichen Auflagen und dem deutschen Mietrecht scheiterte. Anträge für eine Umnutzung des Hofes wurden bisher nicht angenommen. Als Gründe dafür wurden die hohen Kosten für den Umbau, die Lage in der Grundwasserschutzzone, die damit verbundene Kanalisierung und die nicht geregelte Zufahrt zu den Gebäuden genannt. Durch das jahrelange Brachliegen haben die Gebäude wie auch das Grundstück einen erheblichen Schaden davongetragen.

Einleitung zum Projekt Sternenversteck

Die Lage sowie der Aufbau der zwei Gebäude eignen sich für ein weitgreifendes, gemeinschaftliches Wohn-, Arbeits- und Öffentlichkeitsprojekt. In Bezug auf den Regierungsratsbeschluss vom 23. August 2005 erläutern wir hier ein alternatives Umnutzungsprojekt welches die, im Beschluss festgehalten Punkte einbezieht, die zur Ablehnung des Antrages von Irène Fischer-Burri geführt haben.

Zudem sind wir der Meinung, dass sich unser Projekt gut in den vom Kanton Basel-Stadt und Teilraum Weil am Rhein ausgearbeiteten Flächennutzungsplan 2022 integrieren lässt.

Die im Konzept ausgearbeiteten Punkte beziehen sich auf die Umgebung, den Umbau, wie auch auf die Nutzung des Hofes und können somit lösungsorientiert den Kritikpunkten im oben erwähnten Beschluss entgegentreten. Sei es die Finanzierung des Umbaus, bei der wir als alleinige Kostenträger*innen auftreten werden oder der Schutz der Grundwasserzone, für die wir eine Lösung aufzeigen, welche die Einwände im Regierungsratsbeschluss miteinbezieht und darüber hinaus nicht gegen etwaige Umweltschutzgesetze verstösst.

Wir möchten eine für alle Parteien befriedigende Ausgangsposition schaffen und mit unserem Projekt eine Zukunft für den Hof ermöglichen und gestalten.

Wer wir sind

Wir sind Menschen, die sich weitgreifend kritisch mit der heutig vorherrschenden Gesellschaft und dem Weltgeschehen auseinandersetzen. Wir sind eine Gruppe von Menschen, die unkommerzielle und antikapitalistische Lebensentwürfe anstreben, welche weg von einer individualistischen Gesellschaft und hin zu einer humanistischen, nicht ausbeuterischen und von Zwängen unterliegenden Gemeinschaft führen sollen. Wir sind alle Teil eines Systems, welches immer mehr, und das zurecht, in Kritik gerät.

Da wir uns dieser Teilhabe bewusst sind, möchten wir neue und konstruktivere Wege einschlagen. Wege, die es uns ermöglichen, systemvorgegebene Normen zu kritisieren, diese zu durchbrechen und Möglichkeiten zu bieten, auf Bedenken und Ängste der Gesellschaft einzugehen. Aus diesen Gründen haben wir uns für eine offene und transparente Form der Kommunikation und Vorstellung für unser Projekt entschieden.

Wie bereits oben im Text erwähnt, zielen wir auf die Erschaffung von Räumen, die das gemeinschaftliche Leben und Arbeiten fördern und gleichzeitig eine Alternative zu schon vorhandenen Strukturen bieten. Wir sind der Überzeugung, dass Orte, die das Individuum und die Gruppe in ihrem Zusammenleben bestärken, zukunftsleitend sind.

In einer Zeit des Überflusses, die sich ausbeutend und zerstörerisch auf unser Zusammenleben und unsere Umwelt auswirkt, möchten wir dieser Entwicklung im Rahmen unseres Projektes entgegenwirken.

Das Projekt Sternenversteck

Das Hauptgebäude soll 7-9 Bewohner*innen Platz zum Leben und Wohnen bieten. Neben einem gemeinschaftlichen und generationenübergreifenden Wohnprojekt für Kinder, Eltern und Alleinstehende wollen wir eine bereichernde, entlastende und selbstbestimmte Wohnform ermöglichen. Das gesamte Projekt ist nicht profitorientiert, was einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und das Zusammenleben der Bewohner*innen hat. Da sich die Wohnkosten lediglich auf Wasser und Strom beschränken, können wir unsere finanziellen Mittel für Projekte am Wohnhaus, auf dem Grundstück und für die Instandhaltung des Hofes verwenden.

Leben und Arbeiten

Neben dem Wohnprojekt steht für uns das gemeinsame Leben, das Arbeiten und das Gestalten der Räume und des Grundstückes im Vordergrund. Wir wollen einen Ort schaffen, der die alltäglichen Facetten und Formen des Lebens vereint. Ein Ort, der es ermöglicht, selbstverwaltend und selbstverwirklichend unseren Alltag zu bestimmen und zu kreieren.

Unsere Ideen dazu sind beispielsweise:
  • Gartenbau (ansatzweise selbstversorgend)
  • Werkstätte und Ateliers (verschiedene Möglichkeiten für kreatives Schaffen) Gemeinschaftsküche (Produktion und Konservierung von Lebensmitteln)
  • Räumlichkeiten für Selbst- und Weiterbildungen

Gemeinsame und öffentliche Projekte

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, möchten wir unser Projekt auch gegenüber unbeteiligten Personen öffnen. Es soll ein Ort entstehen, den wir zusammen mit interessierten Menschen gestalten können. Ein Ort, an dem wir uns begegnen, uns austauschen, von und miteinander Lernen und uns gegenseitig unterstützen können. Wie das Wohnprojekt soll auch das öffentliche Projekt nicht profitorientiert sein und dadurch die Möglichkeiten bieten, dass auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln teilhaben und sich einbringen können.

Menschen sollen Zugang zu Räumlichkeiten, Aktivitäten und Wissen in jeglicher Form erhalten und sich selbst und ihr eigenes Können miteinbringen. Kurse, Schulungen, Vorträge, Diskussionen und Workshops können selbstverwaltend und nach Interesse gestaltet und organisiert werden. Zudem soll Raum entstehen wo mensch rasten und sich der Hektik des städtischen Alltags entziehen kann.

Um nur einige unserer Ideen in Stichworten vorzustellen:
  • Gemeinschaftsräume
  • Gemüse- und Obsttauschmarkt
  • Allerleitauschbazar - Kleider und sonstige Gebrauchsgegenstände Bibliothek und Büchertausch
  • Tee- und Kaffeeecke (wir wollen keinen Gastronomiebetrieb)

Schutz der Forst- und Grundwasserschutzzone

Für uns steht eine gesunde Umwelt im Vordergrund. In den oben genannten Punkten wird darauf geachtet, keine Mehrbelastung zu generieren. In folgendem Abschnitt möchten wir auf die Gewährleistung einer gesunden Umwelt im Rahmen der Umweltschutzzonen eingehen.

Wie im Regierungsratsbeschluss vom 23. August 2005 erwähnt, ist der Hof nicht an die Kanalisation angeschlossen. Um die horrenden Kosten eines Kanalisationsanschlusses zu umgehen, werden wir einen abpumpbaren Abwassertank installieren, der sich für die Verwendung in Grundwasserschutzzonen eignet. Dies verhindert, dass fäkale Mikroorganismen in den Boden und dementsprechend ins Grundwasser gelangen. Das Abwasser wird durch uns fachgemäss bei einer Kläranlage entsorgt.

Der installierte Heizöltank ist nach wie vor in Betrieb und wurde das letzte Mal Ende 2016 gewartet. Bei unserem Einzug werden wir den Tank und die baulichen Standards überprüfen lassen. Die Prüfung wird, wie gesetzlich vorgeschrieben, alle zweieinhalb Jahre wiederholt werden.

Wir werden bei der Instandsetzung chemische Substanzen umweltgerecht entsorgen und beim Gartenbau gänzlich darauf verzichten. In den Ateliers und Werkstätten werden jeweilige Substanzen wie Lösungsmittel, Farbe oder Lacke ebenfalls umweltschonend entsorgt.

Die Befahrung des Grundstückes und des dazu führenden Waldstückes wurde in den Jahren seit dem Kauf vom Kanton Basel-Stadt nicht geregelt. Momentan nutzen einige Hundehalter*innen die Zufahrt um zu den beliebten Spazierwegen zu gelangen. Diese Zufahrt wird durch uns nur selten, in Ausnahmen für An- und Zulieferung genutzt werden, wie beispielsweise beim Abtransport des Abwassers.

Instandhaltung der Gebäude

Die Instandhaltung der Gebäude soll nachhaltig, ökologisch und ganzheitlich umgesetzt werden. Daher werden wir für die verschiedenen Bereiche Fachleute einbeziehen, die mit uns an den Gebäuden arbeiten und uns beratend zur Seite stehen. Wir möchten den Charakter und den Charme des Hofes bewahren und unterstreichen. Er soll sich in das Bild der Umgebung einfügen und es ergänzen. Wir werden in allen baulichen Schritten die Freisetzung von Schadstoffen und Chemikalien aus der Bausubstanz verhindern.

Bepflanzung des Grundstückes

Das Grundstück bietet geeignete Flächen für Gartenanbau, die zurzeit ungenutzt sind. Wir möchten ein in sich selbst funktionierendes und auf die natürliche Umgebung angepasstes Biotop entstehen lassen. Dabei wird der Lebensraum für heimische Wildpflanzen und Wildtiere begünstigt und erweitert. Der Gemüse- und Obstanbau soll in Form von Permakultur nachhaltig und ökologisch unbedenklich sein. Wir werden auf jegliche synthetische Hilfsmittel und Kunstdünger verzichten. Wie bei der Instandhaltung der Gebäude werden wir von Fachpersonen unterstützt und beraten.

Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft und dem Pächter, sowie der Fasnachtsclique „Güete Bonjour“

Wie wir dem Beschluss des Regierungsrates entnehmen konnten, dient der Hof seit einigen Jahrzehnten als Unterstand für die Gerätschaften des Bäumlihofgutes. Wir möchten das in unser Konzept miteinbeziehen und hoffen auf eine gute Zusammenarbeit mit den Landwirt*innen in der Umgebung.

Wie wir bei einer Besichtigung des Hofes festgestellt haben, dient der vordere Teil der Scheune als Unterstand für den Wagen der Fasnachtsclique „Güete Bonjour“. Der Hof bietet genügend Platz um den Unterstand des Fasnachtswagens weiterhin zu gewährleisten.

Wir möchten die jetzigen Nutzer*innen in unser Projekt miteinbeziehen und hoffen, dass die Übereinkunft für alle beteiligten Parteien stimmig ist.

Schlusswort

Wir möchten neben einem Ort des schönen Lebens einen Lebensentwurf erschaffen, der für uns, unser Umfeld und die allgemeine Öffentlichkeit eine Möglichkeit bietet, ein anderes Miteinander zu leben. Dieses Projekt soll aufzeigen, dass eine Gemeinschaft fernab von Profitorientierung möglich ist und trotzdem für alle Beteiligten einen Mehrwert mit sich bringt.

Die Autonomie der am Projekt beteiligten Personen und des Projektes selbst ist für uns vordergründig. Wir erklären uns zu einer lösungsorientierten Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit den Parteien bereit, die im Hof und den angrenzenden Projekten involviert sind.

Wir möchten eine Verhandlungsebene auf Augenhöhe schaffen, weswegen wir Ihnen verschiedene Möglichkeiten bieten, mit uns in Kontakt zu treten. Wir hoffen auf ein Treffen mit den beteiligten Parteien und den Nutzer*innen des Hofes zu einem späteren Zeitpunkt.

pm

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