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Politik

Grüsse aus dem Binnenland Akademikerball - Hass und Gewalt

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In Österreich ist man ja prinzipiell daran gewöhnt, dass man sich bei der Zeitungslektüre manchmal am Frühstück verschluckt. Aber was wir dieser Tage bei der öffentlichen Nachbereitung des „Akademikerballs“ und der Proteste gegen diesen erleben, ist schon eine beinahe rekordverdächtige Ansammlung an Nazi-verharmlosendem Schwachsinn und gemeingefährlicher Ignoranz.

AntiAkademikerballDemo der Offensive gegen Rechts am 30.
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Bild: Anti-Akademikerball-Demo der Offensive gegen Rechts am 30. Jänner 2015. / Haeferl (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

4. Februar 2014

4. Feb. 2014

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Kurz zusammengefasst: Ein von 2.000 Polizisten geschütztes rechtsradikales Vernetzungstreffen im Herzen der Republik löst Kopfschütteln in internationalen Medien aus – die heimische öffentliche Debatte hingegen dreht sich fast ausschliesslich um ein paar zerbrochene Schaufensterscheiben. Tonangebende Medien und PolitikerInnen aller Parteien lassen sich von den rechtsradikalen Scharfmachern der FPÖ vor sich hertreiben und auf einmal wird aus einer von der Polizei dutzendfach angegriffenen antifaschistischen Kundgebung eine Demo-Gewaltorgie wie sie dieses Land noch nicht gesehen habe.

Die Parteispitze der Grünen – stets bemüht um ihr politisch korrektes antifaschistisches Image – hat nach dem Prügeleinsatz der Polizei nichts besseres zu tun als ihrer Jugend vorzuwerfen, auf einer Homepage das Vokabel „Hass“ verwendet zu haben. Und in allen Medien schwafeln aufgebrachte Kommentatoren von der Gewaltfalle, in welche die Grüne Jugend ihre Mutterpartei mit ihrem Hass hineintreibt. Wann wurde eigentlich die Emotion „Hass“ verboten und die christliche Feindesliebe gesetzlich verankert? Und: wer, der noch alle Tassen im Schrank hat, hat keinen Hass auf Holocaustleugner und Neonazis?

Und dann ist da noch Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl. Der Mann, der den massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken ebenso zu verantworten hat wie die geplante Eskalation vor und während der Kundgebungen. Der Mann, der hofft, dass sich verletzte DemonstrantInnen in Krankenhäusern behandeln lassen, damit diese ausgeforscht werden können. Der Mann, der wenige Tage nach dem Prügeleinsatz meinte, der Fehler der Polizei sei gewesen, dass man zu stark deesakliert habe und zu defensiv aufgetreten sei. Der Mann war – wie könnte es anders sein – Mitglied in einer rechtsradikalen Burschenschaft. Also: 2.000 Kampfbullen unter dem Kommando eines Burschenschafters beschützen einen Burschenschafterball und verprügeln antifaschistische DemonstrantInnen. Österreich 2014.

Über die Hysterie um Gewalt und Hass, die nichts anderem dient als der Kriminalisierung antifaschistischen Protests, freut sich natürlich niemand mehr als die FPÖ. Im Wiener Gemeinderat sprachen sich Sozialdemokraten und Grüne gegen die künftige Abhaltung des FPÖ-Balls aus, da dieses „internationale Vernetzungstreffen von Rechtsextremen“ dem „Ruf Wiens geschadet“ habe. Gut. Die konservative Volkspartei schafft es mal wieder nicht da mitzustimmen. Das ist aber nicht weiter aufgefallen, denn in der gleichen Gemeinderatssitzung setzte der FPÖ-Abgeordnete Wolfgang Jung allen Ernstes Jüdinnen/Juden mit Nazis gleich: „Ersetzen Sie das Wort Jude durch Nazi, dann haben Sie genau die Parolen, die Ihre Anhänger gebrüllt haben“, sagte der Mann mit Bezug auf antisemitische Beschimpfungen eines Rabbiners. Man weiss nicht genau: ist der Mann besonders rechtsradikal oder besonders dumm? Vermutlich beides.

Am Ende hat sich dann auch noch der oberste Österreicher, Bundespräsident Heinz Fischer, zu Wort gemeldet und „sieben Worte“ an die DemonstrantInnen gerichtet: „Ich lehne jede Gewalt dieser Art ab.“ Ahja. Zwar findet der Präsident es auch nicht so super, dass Rechtsradikale in den Prunkräumen der Republik Party machen, aber verbieten geht natürlich gar nicht. Stattdessen hat er einen Tip für die Nazis: sich noch besser tarnen. Er „hielte es für eine weise Entscheidung“, so Fischer laut der Tageszeitung Standard, wenn die Veranstalter des „Akademikerballs“ beschliessen würden „diese Tradition zu beenden und einen Neustart an einem anderen Ort unter einem anderen Namen zu machen.“ Fischer rät den Nazis und Holocaustleugnern also, erneut so zu tun, als ob ihr Ball abgeschafft würde (dies ist mit der Umbenennung von „WKR“- in „Akademikerball“ ja schon einmal passiert), nur um sich unter neuem Namen (und wenns nicht zuviele Umstände macht, dann vielleicht bitte doch an einem anderen Ort) ungestört neu formieren können. Man weiss nicht genau: ist der Mann besonders feig oder besonders dumm? Vermutlich beides.

Die Burschenschafter sind aber ohnehin nicht auf Ratschläge von höchster Stelle angewiesen. Stattdessen planen sie bereits den nächsten Aufmarsch. Ein „Freiheitsfest“ in Gedenken an die Revolution von 1848 planen sie für Mai dieses Jahres am Wiener Heldenplatz. Kaum angekündigt, beginnen österreichische Medien schon mit der vorsorglichen Vorverurteilung möglicher Gegenproteste: „Droht der nächste Verwüstungsskandal?“ fragt ein Moderator im Österreichischen Rundfunk. „Das ist nicht auszuschliessen“, sekundiert ihm der befragte „Experte“.

Karl Schmal
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