Gleichzeitig werden Milliarden für Heere und Waffen ausgegeben. Die EU bereitet unter dem Schlagwort „Readiness 2030“ ihre geplanten Kriege vor. Parteien und Medien werben für die Militarisierung der europäischen Länder. Denn Krieg und Militarisierung bringen einigen wenigen sehr hohe Gewinne.
In Österreich haben etliche Rüstungsschmieden, bzw. ihr technisches Know-How, die Monarchie überlebt. Während des Nazi-Regimes und auch später durch die Zeit des kalten Krieges hindurch blieb das dann „neutrale“ Österreich stets Waffen-Produktions- und -Exportland.
Es verfügt heute über eine unauffällige, hoch technisierte Produktion mit hauptsächlich österreichischen, deutschen oder US-amerikanischen Eigentümern. Exportiert werden derzeit schweres Kriegsgerät (wie gepanzerte Fahrzeuge, Flugzeuge, Artillerie und Munition), aber auch andere militärische Materialien und Dual-Use-Güter, (etwa Überwachungstechnik oder unbemannte Fluggeräte) in über 100 Länder. Nach den vom Observatory of Economic Complexity analysierten Handelszahlen war Österreich 2023 mit Abstand der grösste Exporteur von Handfeuerwaffen weltweit (im Wert von 376 Millionen Dollar, das entspricht einem Anteil von 27% aller exportierten Handfeuerwaffen weltweit)[1].
Exakte aktuelle Zahlen sind nur schwer eruierbar
Nach einem Bericht im österreichischen „Industriemagazin“ vom März 2025 generierten an die 150 Unternehmen mit hiesiger Rüstungsproduktionen 2014 etwa 3,3 Milliarden Euro oder rund 0,6% des BIP.[2] Österreich ist dabei Teil der kompatiblen Aufrüstungskette von NATO-Ländern und direkt in die EU-Hochrüstungspläne eingebettet. Die europäische Rüstungsindustrie erlebt derzeit eine beispiellose Wachstumsphase, auch zahlreiche österreichische Firmen versuchen aktuell, in diesen Markt vorzudringen.[3]Bei der Beantwortung einer Anfrage vom 17. Januar 2025 nach dem Auskunftspflichtgesetz an das Bundesministerium für Inneres bezüglich „Auskunft betreffend Export von Verteidigungs- und Dual-Use-Gütern sowie Forschungskooperation“[4], Ausfuhrgenehmigungen nach dem Kriegsmaterialgesetz und Wert dieser Ausfuhren wurde vom BMI lapidar auf die COARM-Database der EU verwiesen (Informationen über Wert, Bestimmung und Art europäischer Waffenausfuhrlizenzen), wo aktuell Daten zu Exportgenehmigungen aus 2023 abrufbar sind.[5] „Darüber hinausgehende nationale Statistiken werden nicht geführt.“
Einen offiziellen Bericht, welche Waffen in welchem Umfang in welche Staaten exportiert werden, gibt es von Seiten Österreichs also nicht. Auch genaue Zahlen zu österreichischen Handfeuerwaffenexporten gibt es nicht.[6]
Ausfuhrgenehmigungen
Österreichs Exportkontrollen gelten – zumindest auf dem Papier – als relativ scharf, die Zuständigkeiten sind allerdings zwischen unterschiedlichen Ministerien gesplittet oder unklar.- Für den Export von „Kriegsmaterial“ (etwa Maschinenpistolen, Raketen, Mörser, Panzer, militärische Flugzeuge und anderes schweres Gerät) nach dem Kriegsmaterialgesetz ist das Innenministerium „im Einvernehmen“ mit Aussenministerium und Verteidigungsministerium zuständig.
- Exportbewilligungen für „Verteidigungsgüter“ (etwa Pistolen, Jagdwaffen, bestimmte Arten von Sprengkörpern und bestimmte Fahrzeuge) erteilt das Wirtschaftsministerium.
- Auch die Ausfuhren von „Dual Use Produkten“ unterliegen nach Definition der Verordnung EU 2021/821 einer Genehmigungspflicht durch das Wirtschaftsministerium. Gemäss einer Anfragebeantwortung zur Nutzung von „Rotax-Motoren in israelischen Drohnen im Gaza-Krieg“ vom September 2025 gilt dies jedoch nur für die Güter, die im Anhang der Verordnung gelistet sind (siehe unten: Rotax).[7]
Trotzdem genehmigen österreichische Ministerien immer wieder Waffenexporte an Länder, die in Kriege verwickelt sind, Völkerrecht oder Menschenrechte missachten, selbst dann, wenn gegen sie Anklagen wegen Völkermord vorliegen (siehe unten: Rotax). Österreichische Waffen tauchen in den verschiedensten Konflikten auf und landen auch bei diversen Milizen und Terrorgruppen.
Kriegsindustrie in Österreich
Hier eine – unvollständige – Auswahl wichtiger Hersteller von Kriegsgerät und Dual-Use-Produkten:[8]Hirtenberger
Hirtenberger Defence Systems[9] (Hirtenberg im Bezirk Baden, Niederösterreich) ist der grösste Rüstungsproduzent des Landes mit ca. 1.800 MitarbeiterInnen. Hirtenberger ist führend in der Herstellung von Nato-kompatiblen Mörsersystemen (60mm, 81mm, 120mm), Mörsergranaten, Zündsystemen und Brandsätzen.Bei einem geschätzten Jahresumsatz von etwa 180 Millionen Euro gehen rund 90% der Produktion in den internationalen Markt.
Rheinmetall
Die deutsche Rheinmetall AG ist einer der führenden Rüstungskonzerne Europas (Umsatz 2024: 9,75 Milliarden Euro) und eng in internationale Rüstungsprogramme eingebunden. Sie betreibt in Österreich zwei Tochtergesellschaften:Rheinmetall Waffe Munition Arges GmbH (Schwanenstadt, Oberösterreich)
Hergestellt werden, angeblich als profitabelstes Segment im Konzern, Granatwerfer und Granatmunition oder etwa Splitter- und Handgranaten. Zentrales Produktsegment sind programmierbare 40mm-Hochexplosiv-Granaten, die mit Luftzündung und Zielverfolgung ausgestattet sind. Arges zählt damit zu den Hightech-Herstellern militärischer Munition nach NATO-Richtlinien. Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH (Wien Liesing)
Produziert Militärlastwagen und Transporter zur Beförderung von Panzern, Kriegsgerät oder Truppen. Auch für die deutsche Bundeswehr werden LKWs produziert und repariert.
GDELS (General Dynamics European Land Systems) (Wien Simmering)
Die frühere Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug GmbH ist heute ein Europa-Ableger des US-Rüstungsriesen General Dynamics und produziert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge.Zur Zeit werden etwa 225 „Pandur“ Radpanzer um 1,8 Milliarden Euro für das österreichische Bundesheer gefertigt[10]. 16 Stück davon erhalten Mörseraufbauten der Firma ESLAIT, Israels grösstem Rüstungskonzern.
Schiebel Elektronische Geräte GmbH (Wien und Wiener Neustadt, Niederösterreich)
Ist eines der international bekanntesten Hightech-Unternehmen Österreichs im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme (UAS). Vertrieben wird vor allem der militärisch genutzte „Camcopter S-100“, der in über 20 Staaten für Überwachungs-, Aufklärungs- und Zielerfassungsmissionen eingesetzt und mit Trägersystemen für Boden-Luft-Raketen ausgestattet wird.Airborne Technologies GmbH (Wiener Neustadt, Niederösterreich)
Bietet modulare Überwachungslösungen und arbeitet an der Schnittstelle zwischen Luftfahrttechnik, Sensorintegration und Datenauswertung, produziert Drohnensysteme (UAVs), und managt Umbau und Aufrüstung von Flugzeugen und Hubschraubern für militärische Einsätze.Frequentis (Wien)
Ist ein international agierendes österreichisches Hightech-Unternehmen mit Defense-Sparte. Die Firmengruppe entwickelt Kommunikations- und Informationssysteme für Kontrollzentralen mit sicherheitskritischen Aufgaben im militärischen Air Traffic Management. (Umsatz 2022: 428 Millionen Euro.)Glock GmbH (Deutsch-Wagram, Niederösterreich und Ferlach, Kärnten)
Ist international bekannt für seine Pistolen, die bei Polizei und Militär in über 100 Ländern, bei Organisationen wie dem FBI, bei repressiven Spezialeinheiten oder bei Kriminellen weltweit im Einsatz sind. Glock produziert in Österreich, der Slowakei und den USA (Umsatz 2023: 615,5 Millionen Euro).Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bisher über 25 Millionen Pistolen verkauft – „die Glock“ gilt damit als meistproduzierte Pistole weltweit.
Steyr Arms (Steyr, Oberösterreich)
Produziert Sturmgewehre und Scharfschützengewehre, die weltweit von Sicherheitskräften genutzt werden. Das Sturmgewehr Steyr AUG (Armee-Universal-Gewehr), das seit den 1970er-Jahren gefertigt wird, ist in über 35 Ländern im Einsatz, der Exportanteil liegt bei rund 90%.Steyr Motors (Steyr, Oberösterreich)
Produziert, u.a. für Rheinmetall, M1-Monoblock-Dieselmotoren, die sich in einer Vielzahl gepanzerter Fahrzeugen finden.STI Steyr (Steyr, Oberösterreich)
Steyr Spezialfahrzeuge und Baumaschinen baut seit 2001 „taktische“ und „geschützte“ Fahrzeuge sowie Fahrzeugaufbauten und weitere „Lösungen“.[11]eska
Produziert „Handschuhe für alle Lebenslagen“, von Skihandschuhen über Handschuhe für die Feuerwehr bis hin zu welchen für Militär und Polizei – „für deine Sicherheit“[12]EMPL Fahrzeugwerk GmbH (Kaltenbach, Tirol)
Entwickelt nach militärischen Standards kundenspezifische Transport-Lösungen für extreme Bedingungen und Anforderungen.[13]Diamond Aircraft (Wiener Neustadt, Niederösterreich)
Ist ein österreichischer Flugzeughersteller mit Produktionsstätten in Österreich, Kanada und China.[14]HAWE Mattro (Schwaz in Tirol)
Entwickelt gemeinsam mit der deutschen DIEHL Defence den „Ziesel“, ein autonomes Kettenfahrzeug für extreme Bedingungen.[15]BRP-Rotax (Gunskirchen, Oberösterreich)
Einen Sonderfall bildet derzeit das Unternehmen BRP-Rotax, ein Tochterunternehmen des kanadischen Konzerns Bombardier. Rotax produziert u.a. Viertaktmotoren für Leichtflugzeuge, und hat in den letzten Jahrzehnten mehr als 50.000 Motoren der 912/914 Serien („ROTAX 912“ und „ROTAX 914“) in Umlauf gebracht.
Seit dem Jugoslawienkrieg werden Rotax-Motoren nachweislich in grosser Zahl in Drohnen verbaut, und für extralegale Hinrichtungen, zur Zielerfassung, als Träger von Luft-Boden-Raketen und für Bombardements ziviler Ziele eingesetzt.
- Die US Air Force oder die CIA setzten Drohnen in Jugoslawien, Pakistan, Afghanistan, Somalia, Jemen, Libyen und vor allem Syrien ein. „Hellfire“ Luft-Boden-Raketen werden von Predator Kampfdrohnen des Rüstungskonzerns General Atomics gestartet.
- Französische Militär-Drohnen kamen im afrikanischen Mali zum Kriegseinsatz.
- Türkische „Bayraktar-TB2“ Kampfdrohnen flogen im armenisch-aserbaidschanischen Krieg in Berg-Karabach und liquidieren syrische Milizen und PKK-Kräfte im Nordirak.
- Im Ukrainekrieg kämpfen beide Seiten mit ROTAX-Motoren: sie sind in iranischen „Shahed-129“ Drohnen ebenso verbaut wie in ukrainischen Ultraleichtflugzeugen des Typs „Aeroprakt A-22“, oder der Langstrecken-Drohne „Ukrjet UJ-22 Airborne“, mit der Moskau angegriffen wurde.
- In Israel, wo beim Einsatz von IDF-Kampfdrohnen in jahrelangen Bombardements im Gazastreifen und anderswo zahllose Zivilisten ermordet wurden, produzieren Rüstungskonzerne wie Israel Aerospace Industries oder Elbit Systems die Kampfdrohnen „Hermes 900“ und „Heron MK2“. (Österreich kauft gerade 315 Aufklärungsdrohnen vom Typ „Magni-X2“ bei Elbit) Rund die Hälfte der israelischen Drohnenstaffeln fliegen mit Rotax-Motoren, sie bringen Tod und Verderben über die Bevölkerung in Gaza. Die Lieferung dieser Motoren nach Israel muss als Beihilfe zum Völkermord betrachtet werden.
Die Waffenproduktion wird ausgeweitet…
Dennoch wurde aktuell in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage festgestellt, dass es sich bei den Motoren zwar um Dual-Use-Güter handelt, die nach Definition der Verordnung EU 2021/821 einer Genehmigungspflicht unterliegen würden, aber kein Ministerium dafür zuständig sei.[16]
Die Kriegsmaterialverordnung 1977, aktuelle Fassung, besagt, dass beispielsweise Antriebsaggregate für Raketen (Paragraph 1, Punkt 2), sowie Flugkörper mit Waffenwirkung als Kriegsmaterial anzusehen sind. Ebenso auch Antriebsaggregate für solche Flugkörper mit Waffenwirkung (Punkt 2c). Die Rotax-Motoren sind also definitiv Kriegsmaterial.

Auf nach Gunskirchen



