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Das 2. Impeachment gegen Donald Trump als parteipolitische Schmierenkomödie in vier Akten Argwohn, Angst, Abscheu und ein wenig Hoffnung

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„Wahlbetrug, Wahlbetrug, Wahlbetrug“, das war das Motto und der Schlachtruf, mit dem Donald Trump seine Anhänger nicht nur indirekt ermunterte, sondern direkt aufforderte zum Kampf gegen die demokratischen Wahlbetrüger.

Donald Trump in Washington, November 2018.
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Bild: Donald Trump in Washington, November 2018. / White House Archived (PD)

11. Februar 2021

11. 02. 2021

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1. Akt

Vor-Mittel-und Endphase der Wahl und Ernennung Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA. Dieser Wahlsieg glich einem Wunder, denn Hillary Clinton hatte über drei Millionen Stimmen mehr. Trump protestierte nicht gegen dieses Ergebnis. Die übrige Welt allerdings staunte mal wieder über die Absurdität des amerikanischen Wahlrechts.

2. Akt

Danach vier Jahre peinliche, eruptive Regentschaft als Präsident – eine Epoche aus ungeheuerlichen Lügen, Hetze, Arroganz, aus Hass, Selbstüberschätzung, Leugnung des Corona-Virus, Rassismus und Aufruf zur Gewalt gegen Andersdenkende, Einbeziehung von abstrusen Verschwörungstheorien in das Denken und in das tagespolitische Handeln eines amtierenden US-Präsidenten, es war tatsächlich eine Epoche aus totaler Spaltung einer ehemals fast stolzen Nation, die einem skrupellosen Demagogen und Zyniker unter Ausschaltung all ihrer Vernunft blind folgte (so wie einst die Kinder dem Rattenfänger von Hameln) direkt hinein ins politische und so manches Mal auch ins private, menschliche Verderben. Beim „Rattenfänger von Hameln sollen es 130 Kinder gewesen sein, in den Vereinigten Staaten von Amerika waren und sind es „nur“ über siebzig Millionen fehlgeleitete Menschen...

3. Akt

Misslungene Wiederwahl von Donald Trump und seine vielen vergeblichen Versuche, seinen demokratisch regulär gewählten Nachfolger als Lügner und Betrüger hinzustellen. „Wahlbetrug, Wahlbetrug, Wahlbetrug“, das war das Motto und der Schlachtruf, mit dem Donald Trump seine Anhänger nicht nur indirekt ermunterte, sondern direkt aufforderte zum Kampf gegen die demokratischen Wahlbetrüger. Bis zum totalen Sieg (Holt Euch Euer Land zurück).

4. Akt

Auf dem Scherbenhaufen seiner chaotischen Innen-und aggressiven Aussenpolitik versucht der Ex-Präsident nach wie vor, sich als den grössten US-Präsidenten aller Zeiten und zugleich auch als bedauernswertes Opfer einer gnadenlosen Hexenjagd durch die nur Fake-News verbreitenden Medien in Szene zu setzen.

Die Demokraten, die in Wirklichkeit Kommunisten seien und jedem Amerikaner das Haus, das Auto und sein Sparbuch wegnehmen werden, Verleumdungen, übelste Beschimpfungen und Beleidigungen dieser Art posaunte er laut über Twitter täglich in die Welt hinaus, zuletzt beschuldigte er die „korrupten Demokraten“ hätten ihm seinen eindeutigen Erdrutsch-Wahl-Sieg gestohlen.

Das Fatale daran: Seine Jünger (und das sind vielleicht vierzig Prozent der amerikanischen Bevölkerung) glauben diesem Brunnenvergifter und Schmierenkomödianten jedes Wort, sie bewundern und lieben diesen Hasardeur und Narziss, der nur zwei Dinge zu lieben scheint: Sich selbst und die Macht über andere Menschen. Dass es ihm dank dieser durch permanentes Lügen erreichten Macht gelang, seine Anhänger auch noch zum Sturm auf das Kapitol zu hetzen, das war die Overtüre zu der vielleicht grössten nationalen Tragödie (und Schande) in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn es einen Gott geben sollte, so könnte gewiss auch er keine Antwort auf die Frage geben, warum so viele Amerikaner in diesem Mann unbedingt ihren Erlöser vermuten und ihn als solchen auch frenetisch feiern: Irren ist zurzeit offensichtlich nicht nur menschlich, sondern insbesondere und ausschliesslich amerikanisch.

Hauptstück

Am 20. Januar dieses Jahres erschien und begann ein Artikel von mir in diesem medialen Forum mit den Sätzen: „Ich blicke nun schon seit vier Jahren mit Entsetzen, mit Schaudern, mit Angst und bisweilen auch mit Abscheu nach Amerika.“

Und ich beendete den Artikel mit den Worten: „Der Trumpismus erwies sich (und tut es noch immer) als eine das Hirn der Trump-Jünger vernebelnde Pest, also als eine ideologische Seuche, weitaus gefährlicher noch als das Corona-Virus (dem die Wissenschaft den Garaus machen wird) und bedroht dadurch nicht allein die auseinander driftende amerikanische Gesellschaft, sondern alle Demokratien in der heutigen Welt. Das Gegenmittel zu Trump & Co. muss rasch gefunden werden, bevor die Trump-Pest sich in Windeseile über dem gesamten Planeten ausbreitet“.

Ich nehme keinen Satz und auch kein einziges Wort von dem zurück, was ich da ausgesprochen habe, denn jedes Wort in diesem Artikel ist nichts anderes als der Versuch, mit einigen sorgsam angesetzten Pinselstrichen beim Anfertigen einer Skizze oder eines Porträts den bizarren Charakter und die paranoide Persönlichkeit eines Mannes sichtbar werden zu lassen, dem es mit seiner brutalen, raffiniert-diabolischen Rhetorik gelungen ist, zumindest die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung für sein absonderliches Weltbild zu begeistern und alle seine enthemmten Jünger mitsamt der gesichtslosen und feigen republikanischen Partei wie eine willenlose Hammelherde vor sich her … und direkt in den Abgrund zu treiben.

Die Kunst, mit Zuckerbrot und Peitsche umzugehen, ja, diese Kunst beherrschte Donald Trump bestens.

Und nun kommt zum Finale dieses Trauerspiels auch noch das Impeachment hinzu, das zweite bereits gegen den Ex-Präsidenten, der nunmehr und ohnehin für alle Zeit gebrandmarkt ist und mit dem Makel leben muss, der erste Präsident seit Gründung dieses Staates zu sein, dem die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, gleich zweimal angeklagt zu werden. Der Gründe gab und gibt es wahrlich genug...

Sprach ich im Zusammenhang mit dem „Sturm auf das Capitol“ von der vielleicht grössten Tragödie (und Schande) in der Geschichte der USA, so kommt nun noch etwas hinzu, was ich nicht für möglich gehalten habe und was sich gegenwärtig als Schmierenkomödie ersten Ranges in den USA abspielt: Unzählige Senatoren standen vier Jahre lang als Mitmacher an der Seite eines ehrlosen Präsidenten, der seinen Amtseid nicht einmal, sondern mehrfach, wenn nicht gar permanent missachtete und die ihm kraft seines Amtes übertragene Machtstellung missbrauchte, um vorwiegend seine persönlichen Neigungen und Interessen zu befriedigen.

Dieser Präsident war also der Anstifter, der Anführer, der geistige Brandstifter für alles, was in vier Jahren seiner Regentschaft in den USA geschehen ist. Aber die Republikaner waren (kein Zweifel ist möglich) an der chaotischen Politik (raus dem Pariser Klimaschutzvertrag, aus der WHO und anderen Verträgen) von Donald Trump Tag und Nacht beteiligt, sie spannten sich freiwillig vor den ideologischen und parteipolitischen Karren ihres grössenwahnsinnigen Herrn, ohne zu bemerken, dass sie für ihn nichts anderes waren und bleiben werden als seine geistigen Sklaven, sie gaben ihre Ehre und ihre Verantwortung den Wählern gegenüber zugunsten ihrer politischen Karrieren und aus Angst vor den gewaltigen Zornesausbrüchen ihres Herrn ganz einfach „an der Garderobe der Geschichte“ ab.

Während die Demokraten in dem jetzt angelaufenen Verfahren also versuchen, diesen längst überführten Volksverhetzer für seine vielen politischen und moralischen Verbrechen gegen die Demokratie, gegen die Verfassung und vor allem gegenüber dem amerikanischen Volk zur Rechenschaft zu ziehen und auch verhindern wollen, dass dieser Mann jemals wieder ein politisches Amt bekleidet, werden die „Mittäter“ in den Reihen der Republikaner (es sei denn, es geschieht ein „Wunder“) ihren Parteifreund, also den „Haupttäter“ wahrscheinlich von jeder Schuld freisprechen, dann bereits zum zweiten Mal.

Und all das geschah und geschieht auch weiterhin in jenem Land, das sich brüstet, die erste, grösste und „sauberste“ Demokratie der Welt zu sein. Diese Rolle steht den USA gegenwärtig nicht mehr zu. Ob es dem 46. Präsidenten jemals gelingen wird, das Ruder bald wieder herum zu reissen und der übrigen Welt ein neues „Amerika-Bild“ zu vermitteln, das steht wohl in den Sternen. Es bleibt nur der Glaube an das „Prinzip Hoffnung“...

Axel Michael Sallowsky

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