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Erklärung einiger Bewohner aus Atlanta Gegen ein zweites Headquarter von Amazon

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Überall in den USA streiten sich Städte, wer sich für die grössten Steuererleichterungen bereitstellt oder die interessantesten Stadterneuerungspläne vorlegen kann, um die Unterbringung zu und den Transport der 50.000 technischen Arbeitskräfte zu sichern, die HQ2 mitbringen würde.

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Bild: Die verbleibenden 20 US-Städte (inkl. Miami), welche sich für die neue Amazon-Zentrale (Amazon HQ2) bewerben, Februar 2018. / Wikideas1 (CC BY-SA 4.0 cropped)

27. Juni 2018

27. 06. 2018

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Wenn Du es endlich geschafft hast, Dich durch den Verkehr zu kämpfen und in Deiner Wohnung gelandet bist, ist Deine Mitbewohnerin bereits seit einigen Stunden im Netflixrausch. Du willst Ihr erzählen, wie Dein Tag so war, aber sie ist offenbar schon mit sich selbst beschäftigt. Trotzdem hast Du das Bedürfnis nach irgendeiner Art von Kommunikation.

„Alexa, spiel mir etwas Entspannungsmusik.“

Du lässt Dich in Deine lernende Schaumstoffmatratze sinken und denkst an alles, was Du gerne hättest, all die kleinen Projekte, die Du angehen willst, zu denen Du aber nie kommst, weil Dir die Energie und die Zeit dazu fehlen. Wenn Deine Aquarellfarben nicht so mies wären, hättest Du vielleicht mehr Lust zu malen.

„Alexa, bestell mir einen neuen Aquarellmalkasten.“ “Okay. Wie wäre es mit diesen hier…?” Amazon erfüllt Dir alle Deine Wünsche. Zum Glück macht Amazon das Leben leicht: klicken, bestätigen, Problem gelöst. Amazon erinnert Dich nicht nur an die Dinge, die Du vergessen hast zu besorgen, sondern stellt Dir auch Produkte vor, von denen Du nicht wusstest, dass Du sie willst. Es gibt sogar einen Laden in Seattle, der Dir nerviges Anstehen und krampfige Gespräche mit Kassierern erspart.

Allerdings liegt in der Vereinfachung von allem auch etwas Beunruhigendes; das Geschäftsmodell einer Firma, die alles schluckt, ist irgendwie auch suspekt. Du hast mitangesehen, wie Dein Lieblingsbioladen vor Ort von Whole Foods aufgekauft wurde, nur um dann verwirrt zuzugucken, wie Whole Foods von Amazon übernommen wurde. Dann war da noch diese Amazon Werbung, wo wir um unsere Hausschlüssel gebeten wurden, damit Pakete direkt ins Haus geliefert werden konnten. Als diese Idee dann doch etwas zu unheimlich erschien, versuchten sie uns mit der Installation von Überwachungskameras zu beruhigen, die mit einem Live-Stream über eine App direkt mit unseren Smartphones verbunden sein würden.

Amazon zieht es vor die konkreten Abläufe zu verstecken – die Realität in Form öder Reihen von Mega-Lagerhallen und Zulieferer-Farmen in der wirklichen Welt – um als eine wohltätige, unsichtbare Kuscheldecke zu erscheinen. Aber dieses Jahr brauchen sie einen Ort um eine neue Hauptgeschäftsstelle – HQ2 – zu errichten.

Die Veröffentlichung der finalen zwanzig konkurrierenden Städte hat die Gestalt eines Todesspiels aus der „Die Tribute von Panem“ Romantrilogie angenommen, wo Stadtverwaltungen und Makler sich abstrampeln, ganze Stadtbezirke freiwillig auf dem Altar zu opfern. Überall im Land streiten sich Städte, wer sich für die grössten Steuererleichterungen bereitstellt oder die interessantesten Stadterneuerungspläne vorlegen kann, um die Unterbringung zu und den Transport der 50.000 technischen Arbeitskräfte zu sichern, die HQ2 mitbringen würde.

Als Bewohner Atlantas sehen wir, was wirklich gespielt wird: ein wilder Mietpreisanstieg, noch mehr Strassenverstopfung und demnächst auch noch Lieferdrohnen, die über unseren Köpfen brummen. Das Einströmen tausender sozial isolierter Techniker wird die kulturelle Lebendigkeit beschädigen, und people of colour und die arme Arbeiterschicht werden aus dem Umkreis verdrängt werden. Für die, die es schaffen, in der Stadt zu bleiben, wird es wird ein paar mehr befristete und zuschlagsfreie „Jobs“ in Lagern geben, wo die Arbeiter wie die Roboter, durch die sie bald ersetzt werden, behandelt werden.

Der Bürgermeister wird den Unternehmenschef Lord Jeff Bezos krönen, und das Amazon Imperium wird nicht nur expandieren, um das ganze Internet zu annektieren, sondern auch die Viertel und Gemeinden, in denen wir aufgewachsen sind.

Die Visionäre der Cloud träumen von einer Welt, in der ungelernte Arbeit durch Roboter ersetzt wird, ein universelles Grundeinkommen die Armen in Schach hält, und Smart Cities der Lebensarbeitsspielplatz der Neureichen wird. Von unserem geerdeten Standpunkt aus betrachtet sehen wir nur einen Alptraum, in dem alle Daten transparent sind, alle Bewegungen überwacht werden, und unser Zugang zur Wirtschaft direkt proportional ist zum Anteil persönlicher Freiheit, die wir aufzugeben bereit sind.

Folglich würden wir gerne eine einfaches Statement machen, von dem wir hoffen, dass Ihr ihm zustimmt: Nein, wir wollen Amazon nicht hier. Tatsächlich wollen wir Amazon nirgendwo. Wir glauben, dass Leute in Atlanta und Leute mit Gewissen im ganzen Land sich gegen HQ2 stellen sollten bevor die Entscheidung fällt.

„Alexa? Hörst Du mir zu...“

Wenn die Entscheidung bekannt gegeben wird, wird es bereits zu spät sein.

atlantaagainstamazon.org

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