Auf der Insel Kuba beabsichtigt das Grosskapital, ein neues Little Saint Jaimes zu errichten, die Insel von Jeffrey Epstein, auf der die Mächtigen der Welt ihr moralisches Heiligtum der Degradierung hatten. Das Kapital will keine Freiheit, sondern Sklaverei zu seiner touristischen Belustigung.”
Das sind zwei Abschnitte aus dem Aufruf der zapatistischen EZLN zu Kuba, der bereits im Februar 2026 verfasst wurde und auf der Webseite von Amerika 21 vollständig dokumentiert ist. Nur ist es verwunderlich, dass es kaum grössere Resonanz zu diesem Aufruf gibt. Ich habe weder in der Monatszeitung ak, in der viele linke Debatten geführt werden, noch in anderen linken Medien einen Hinweis zu diesem Aufruf gefunden, schon gar keine Diskussion darüber.
Dabei ist es ja schon eine Diskussion Wert, warum die zapatistische EZLN, die die Orientierung an dem Modell einer kommunistischen Partei wie in Kuba ablehnt und in den letzten Jahrzehnten einen anderen politischen Weg gegangen ist, in einer Zeit, in der die kubanische Gesellschaft vor aller Welt stranguliert wird, den Solidaritätsaufruf gemeinsam mit zahlreichen weiteren politischen Organisationen und Einzelpersonen aus Mexiko veröffentlicht hat. Er ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass unterschiedliche politische Herangehensweisen eben eine Solidarität bei grosser Gefahr nicht ausschliessen. Hier könnte der EZLN-Aufruf sogar beispielgebend sein.
Doch wie reagieren die vielen Menschen in Deutschland, die sich in den letzten 30 Jahren mit der zapatistischen Bewegung solidarisierten? Viele von ihnen haben sich mit Kuba kaum oder nur oberflächlich befasst. Und nun kommt gerade von der zapatistischen Bewegung ein Solidaritätsaufruf mit Kuba. Liegt der Grund für das Schweigen zu diesem Aufruf vielleicht genau darin, dass man sich auch weiterhin mit Kuba nicht beschäftigen will und die Strangulierung der Bevölkerung vor aller Welt ignoriert wird?
Dabei endet der zapatistische Aufruf fast schon pathetisch mit den Worten:
„Wir unterstützen das Volk Kubas und rufen die Völker der Welt dazu auf, ihre Solidarität zu zeigen und das Ersticken des kubanischen Volkes zu verhindern.“
Wann lassen die Anhänger*innen der zapatistischen Bewegung diesen Worten Taten folgen, in einer Zeit, in der die Angriffe des US-Imperialismus auf Kuba noch zunehmen? Wäre es nicht an der Zeit, Proteste vor den Einrichtungen der USA in den verschiedenen Städten zu organisieren? Sie würden deutlich machen, Kuba ist nicht allein. Das wäre auch ein Signal an die kubanische Bevölkerung.
Gebt uns fünf Jahre Zeit
Wie stark sie von den Angriffen der USA in ihrem Lebensalltag betroffen ist, beschreibt Renate Fausten in einem Brief aus Havanna an die junge Welt:„Ein neuer Tag mit 15 bis 20 Stunden ohne Strom, 34 Grad Celsius im Schatten, Wasserprobleme, denn dafür braucht man auch Strom, und eine Nacht mit vielen Moskitos erwartet uns. Das ist nur das normale Elend.“ So beschreibt Fausten, was die ständigen Stromausfälle für das tägliche Überleben in Kuba gegenwärtig bedeuten.
Ihr Brief schliesst mit diesem Wunsch: „Gebt uns fünf Jahre ohne Blockade, fünf Jahre, in denen wir leben können wie andere, und wir wären ein prosperierendes Land mit bescheidenem Wohlstand für alle. Gebt uns eine Chance!“
Dieser Wunsch wäre gar nicht so unrealistisch, wenn es eine weltweite Solidaritätsbewegung mit Kuba geben würde. Der zapatistische Aufruf ist dafür eine Grundlage. Jetzt gilt es ihn nicht nur zu diskutieren, sondern auch zur Plattform für Solidaritätsaktionen zu machen.


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