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Umweltschützer:innen aus Mexiko übergeben Beschwerde an KfW IPEX-Bank

Fertigstellung der voraussichtlich grössten Ammoniakfabrik Lateinamerikas Umweltschützer:innen aus Mexiko übergeben Beschwerde an KfW IPEX-Bank

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Politik

In Topolobampo, Sinaloa, soll Lateinamerikas grösste Ammoniakfabrik entstehen. Indigene Umweltschützer*innen warnen vor schweren Umweltschäden sowie dem Verlust ihrer Lebensgrundlage und reichen Beschwerde bei der deutschen KfW IPEX-Bank ein, die das Projekt mitfinanziert.

Hauptgebäude der KfW IPEX-Bank in Frankfurt am Main.
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Hauptgebäude der KfW IPEX-Bank in Frankfurt am Main. Foto: Schlittenhund1986 (CC-BY-SA 4.0 cropped)

Datum 3. April 2026
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Mit deutschem Geld darf keine Umweltzerstörung in der Bucht von Ohuira (Sinaloa, Mexiko) finanziert werden. Mit dieser klaren Botschaft ist eine Delegation der mexikanischen Initiative „¡Aquí No!“ (“Hier nicht!”) nach Deutschland gereist. Ihr Ziel: die Fertigstellung der voraussichtlich grössten Ammoniakfabrik Lateinamerikas im geschützten Feuchtgebiet von Santa María-Topolobampo-Ohuira zu verhindern. Die Aktivist*innen befürchten einen ökologischen Kollaps der Lagune und damit den Verlust der Lebensgrundlage lokaler Indigener Gemeinden.

Das Projekt des Unternehmens Gas y Petroquímica de Occidente (GPO), einer Tochter der Schweizer Proman AG, die auch einen Standort in Düsseldorf hat, wird massgeblich durch die deutsche KfW IPEX-Bank ermöglicht: Sie koordiniert ein Bankenkonsortium für Kredite in Höhe von 860 Millionen US-Dollar und tritt selbst als Geldgeberin auf. Da die KfW IPEX-Bank eine Tochtergesellschaft der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau ist, trägt die deutsche Bundesregierung über diese Finanzierung sowie durch Exportkreditgarantien (Hermes-Bürgschaften) eine Mitverantwortung bei der Entscheidung für das Vorhaben.

Am gestrigen Dienstag übergaben die Umweltschützer*innen der KfW IPEX-Bank eine offizielle Beschwerde. Sie befürchten durch den Betrieb der Anlage irreversible Schäden für die Biodiversität und die Vernichtung der Existenzgrundlage von über 3.000 Fischerfamilien durch Schadstoffeinleitungen in die Lagune. Ein weiteres Risiko: In der seismisch aktiven Zone könnte austretendes, hochgiftiges Ammoniak zur tödlichen Gefahr für tausende Anwohner*innen werden.
„Die KfW IPEX-Bank und die deutsche Bundesregierung dürfen hier nicht um ihre Verantwortung drücken. Ihr Kapital finanziert ein Vorhaben, welches unsere Bucht vergiftet und die Zukunft Indigener Gemeinschaften zerstört. Wir verlangen, dass keine öffentlichen Mittel mehr in Projekte fliessen, die wegen ihrer Auswirkungen auf Menschen und Klima in ihrem eigenen Land niemals zulässig wären“, erklärt Claudia Susana Quintero aus der Gemeinde Ohuira und Gründungsmitglied von „¡Aquí No!“.

Melina Maldonado Sandoval, Umweltschützerin aus der Fischergemeinde Lázaro Cárdenas, betont: „Die Zerstörung unserer Mangroven bei den Bauarbeiten ist eine offene Wunde, die unser Ökosystem bereits jetzt belastet. Nun zuzulassen, dass die Anlage in Betrieb geht, käme einem Todesurteil für die lokale Artenvielfalt gleich. Wir fordern den sofortigen Stopp dieser Umweltzerstörung, bevor die Folgen für unsere Gemeinschaften irreversibel werden.“

Mit grosser Sorge nimmt die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko (DMRKM) Berichte über Drohungen und tätliche Angriffe auf die Umweltschützer*innen wahr. Mehrere Mitglieder von „¡Aquí No!“ wurden infolge von Bedrohungen bereits in den mexikanischen Schutzmechanismus für Menschenrechtsverteidiger*innen aufgenommen.

„Bei derartigen Grossprojekten müssen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten gelten – insbesondere in einem Land wie Mexiko, in dem allein im Jahr 2024 25 Umweltschützer*innen ermordet wurden. Deutsche Akteure gehen sonst das Risiko ein, für schwere Menschenrechtsverletzungen im Umfeld des Projekts mitverantwortlich zu sein,“ so Dr. Peter Clausing von der Organisation Partner Südmexikos e.V., die Mitglied des Menschenrechtsnetzwerks DMRKM ist.

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