UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

Die Revolte in Chile | Untergrund-Blättle

5751

politik

ub_article

Politik

#ChileDespertó – Chile in Flammen Die Revolte in Chile

Politik

Auslöser der Proteste, die in Revolte umgeschlagen sind, war die Erhöhung der Fahrpreise für die Metro. Diese befördert in der Hauptstadt Santiago täglich rund 2,6 Millionen Menschen. Sie ist die teuerste in Lateinamerika: Eine Fahrkarte kostet rund 1,17 US-Dollar zur Hauptverkehrszeit.

Santiago de Chile während den Unruhen, November 2019.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Santiago de Chile während den Unruhen, November 2019. / Mascha (PD)

6. November 2019

6. Nov. 2019

5
0

2 min.

Korrektur
Drucken
Einige Schlüsselelemnte des Chilenischen Neoliberalismus. Das Wasser ist privatisiert. Natürliche Ressourcen werden so von der Elite vereinnahmt. Die 1980 von Diktator Pinochet in Kraft gesetzte Verfassung ist die Basis für diese Ausprägung des Neoliberalismus inspiriert von Milton Friedmans Wirtschaftstheorie. Die Verfassung wurde in 30 Jahren Demokratie nicht geändert.

Niedrige Löhne
  • Mindestlohn 373 € pro Monat
  • 25% verdienen nur das Minimum
  • 54% verdienen unter 495 €
  • 80% verdienen unter 930 €

Einkommensungleichheit
  • Parlamentarier verdienen das 31fache des Mindetslohns
  • 4 Familien = 20% des BIP
  • Der Präsident gehört zu den zehn reichsten Chilenen

Pensionssystem (Privat)
  • 50% der Pensionisten verdienen unter 200 € im Monat
  • 50% der kürzlich Pensionierten erhalten unter 60 € im Monat

Öffentlicher Verkehr
  • In Santiago kostet ein einzelnes U-Bahn-Ticket bis zu 1 €
  • Es gibt keine Monats- oder Jahreskarten

Hochschulbildung
  • Öffentliche Universitäten kosten 4000 € bis 5000 € im Jahr
  • StudienabsolventInnen zahlen ihre Schulden über ca. 20 Jahre zurück
Schulden
  • Jede dritte Chilenin lebt permanent in Schulden. Die Leute in Chile nehmen für Lebensmittel und Arzneimittel Schulden auf

Zum Hintergrund

Die Preise für die Grundversorgung (Strom, Wasser) gehören zu den höchsten in Lateinamerika. Die Kosten für Mobilität und Transport machen etwa 10 bis 15 Prozent des Verdienstes aus.

Auslöser der Proteste, die in Revolte umgeschlagen sind, war die Erhöhung der Fahrpreise für die Metro. Diese befördert in der Hauptstadt Santiago täglich rund 2,6 Millionen Menschen. Sie ist die teuerste in Lateinamerika: Eine Fahrkarte kostet rund 1,17 US-Dollar zur Hauptverkehrszeit.

Aus dem Kabinett von Präsident Sebastián Piñera, einem Unternehmer und Milliardär, wurde den Arbeitern angetragen, sie sollten doch einfach vor 7 Uhr morgens mit der U-Bahn zur Arbeit fahren und erst nach 21 Uhr nach Hause zurückkehren, damit sie günstigere Fahrtarife ausnutzen können. Diese Arroganz der Macht brachte das Fass zum überlaufen.

Die Menschen in Chile sind auf der Strasse, kämpfen für ihre sozialen Rechte und stehen an der Schwelle zur Revolution. Das hat seinen Preis: Wie zu Zeiten der Diktatur unter Augusto Pinochet gehen Militär und Polizei gewaltsam gegen die Bevölkerung vor, um die Interessen von Wirtschaft und Kapital zu schützen, die Land und Leute hemmungslos ausbeuten.

Nach Angaben des chilenischen Instituts für Menschenrechte wurden bis zum 31. Oktober 2019 mindestens 23 Menschen getötet, rund 1300 zum Teil schwer verletzt und über 4200 verhaftet. Es gibt Berichte über Folter, Vergewaltigungen und weitere Verbrechen durch Militär und Polizei.

Dieses Video wurde von Chileninnen in Leipzig produziert, um Informationen über die Ereignisse der letzten Wochen in Chile zu verbreiten.


red

roar / übersetzt von neue debatte

Mehr zum Thema...

Blick auf das Zentrum von Santiago de Chile während den Ausschreitungen, Oktober 2019.
Ein Land im AusnahmezustandChile: Aufstand der Prekären

21.10.2019

- In dem lateinamerikanischen Staat, welcher lange Zeit als «Musterschüler Südamerikas» galt, haben sich die Proteste gegen eine Ticketpreiserhöhung der Metro um gerade mal 5 Rappen zu einem landesweiten Aufstand ausgeweitet.

mehr...
Massenprotest in Santiago de Chile, Oktober 2019.
Chile ist aufgewacht und sagt dem Neoliberalismus den Kampf anDer (Alb)Traum ist aus?

16.12.2019

- „Chile despertó!“ Chile ist aufgewacht und es besteht die Hoffnung, dass der neoliberale Traum, der für die Mehrheit der Chilen*innen noch nie ein solcher war, sein baldiges Ende finden könnte.

mehr...
Proteste in Santiago de Chile, November 2019.
Furcht und Hoffnung in einer neoliberalen GesellschaftDas politische Erdbeben in Chile

13.11.2019

- Chile wird seit dem 18. Oktober 2019 von gewalttätigen Protesten in einem Ausmass erschüttert, das man seit der Diktatur nicht mehr gesehen hat.

mehr...
Einordnung der Proteste in Chile und Situation lokaler Medien

28.10.2019 - Seit mehr als zwei Wochen gibt es in Chile Massendemonstrationen der Bevölkerung. Was mit einem Protest von einigen Studenten gegen die Erhöhung der ...

Mit den Menschen in Chile – Piñera stinkt nach Diktatur!

10.11.2019 - Chiles neoliberaler Präsident und Milliardär Piñera lässt das Militär gegen das Volk aufmarschieren - und schiessen. Diese Gewalt ist neu seit dem ...

Aktueller Termin in Berlin

Anlaufpunkt der Solidarischen Aktion Neukölln

Gemeinsame Unterstützung bei Problemen mit Wohnen, Jobcenter/Sozialleistungen und der Arbeit Jeden 1. und 3. Dienstag im Monat Uhrzeit: gemeinsamer Beginn um 17:30 Uhr  Ort: Friedelstr. 8 (nähe Hermannplatz)

Dienstag, 21. Januar 2020 - 17:30

Friedelstr. 8, Friedelstr. 8, Berlin

Event in Amsterdam

Volx Kuche

Dienstag, 21. Januar 2020
- 19:00 -

De Muiterij - Vrijplaats Bajesdorp


Amsterdam

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle