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Urheberrechtsstreit Kein Gewerbe mit Marx und Engels

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Ein linker Verlag in Grossbritannien versucht, Schriften von Marx und Engels aus dem Internet zu nehmen.

Karl Marx mit seiner Tochter Jenny.
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Bild: Karl Marx mit seiner Tochter Jenny. / PD

13. Mai 2014

13. 05. 2014

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Wie lautet dieses verdammte Marx-Zitat? Man hat es schon tausendmal gehört, aber kann sich nicht an den genauen Wortlaut und schon gar nicht an die Quelle erinnern. Gut, dann greift man zu den 43 "Blauen Bänden" der Marx-Engels-Werke für eine aufwendige Suche. Oder wer einfach danach googlet, landet, fast automatisch, beim Marxists Internet Archive (MIA).

Dieses Webarchiv ist weltweit das grösste seiner Art. Es verfügt über Zehntausende Texte in 60 Sprachen, nicht nur von Marx und Engels, sondern auch von Luxemburg, Lenin, Trotzki oder Guevara. Freiwillige MitarbeiterInnen haben diese Sammlung über zwei Jahrzehnte aufgebaut. Mit Erfolg: Jeden Monat werden rund zwei Millionen Seiten abgerufen.

Doch seit dem 30. April fehlen die Texte von Marx und Engels aus den ersten zehn Bänden der englischsprachigen "Collected Works" (MECW). Der britische Verlag Lawrence & Wishart hatte gedroht, das Archiv vor Gericht zu zerren, weil es die Urheberrechte an den Übersetzungen verletzt habe, über die der Verlag verfügt. Das MIA knickte ein und löschte 1662 Dateien von den Servern. Wer jetzt zum Beispiel nach einem Brief von Marx aus dem Jahr 1848 sucht, bekommt nur den Hinweis, dass die Seite nicht mehr gezeigt werden darf.

Lawrence & Wishart ist ein linker Verlag, der früher eng mit der 1991 aufgelösten Kommunistischen Partei verbandelt war. In ihm erscheinen Werke von Gramsci, Hobsbawm und wissenschaftliche Magazine zur Geschichte der ArbeiterInnenbewegung.

Nun hat eine Online-Petition, die vom MIA nicht beworben wurde, für den freien Zugang zu den Werken von Marx und Engels 5.000 Unterstützer aus aller Welt, versammelt, die die gesperrten Texte als einen "essentiellen Teil des gemeinsamen Wissens der internationalen Arbeiterbewegung" begreifen. Lawrence & Wishart erklärte, dass der Verlag "keine kapitalistische Organisation" sei, aber seine Urheberrechte schützten müsse, um die Kosten für Forschung und Übersetzung zu decken. Doch die zehn Bände, um die es geht, wurden zwischen 1975 und 1978 veröffentlicht – von drei Verlagen: Das waren neben Lawrence & Wishart in London noch International in New York und Progress in Moskau. Übersetzungkosten dürften also keine mehr anfallen.

Der tatsächliche Grund für das restriktive Verlagsgebaren von Lawrence & Wishart dürfte der Plan sein, eine eigene digitale Ausgabe vorzubereiten, die dann von Bibliotheken abonniert werden könnte. Der Verlag verspricht, dass die Werke von Marx und Engels damit weiterhin "öffentlich" wären. Doch "wenn sie nur in einer Universität zugänglich sind, sind sie nur für die Elite zugänglich", äusserte David Walters in einer Stellungnahme des MIA. Sally Davis von Lawrence & Wishart konterte: "Das ist eine akademische Ausgabe und für revolutionäre Tätigkeit nicht notwendig."

Durch diesen Streit ist das MIA noch bekannter geworden. Am 1. Mai berichtete die New York Times über den Konflikt, am 2. Mai teilte der Verlag mit, dass man von den Reaktionen "überrascht" sei und aufgrund der "Stärke der Gefühle" überlege, wie man den Zugang zu den MECW erleichtern könne.

Die MIA hatte schon in früherer Zeit Probleme mit dem Urheberrecht, Der US-amerikanische Verlag Pathfinder, der die Rechte einigen englischsprachigen Übersetzungen von Trotzki-Texten besitzt, hatte mit Klage gedroht. In Deutschland sieht man die Lage anscheinend entspannter. "Die Beziehungen zum Karl-Dietz-Verlag sind gut" sagt Einde O’Callaghan, Administrator des deutschsprachigen Teils des MIA.

Also wie war noch mal dieses Marx-Zitat? "Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein." Über Google ist die Originalquelle in 0.44 Sekunden zu finden. Noch.

SAVEMARX - für den freien Zugang zu Marx und Engels

Wladek Flakin

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