Gemeinde genehmigt „grösstes Nazifestival der Welt“ ohne Einwände Militracks in Nimwegen: Wenn historische Fahrzeuge zur Verharmlosung des NS-Regimes werden
Politik
Die Behörden erteilen erneut eine Genehmigung für Militracks, die jährliche NS-Veranstaltung beim grossen Kriegs- und Widerstandsmuseum Overloon bei Nimwegen.

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Die Veranstaltung „Militracks 2019“ im Kriegsmuseum Overloon, Niederlande, 19. Mai 2019. Foto: Alf van Beem (PD)
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Die Veranstaltung zieht jährlich 17.000 bis 18.000 Besucher an und gilt laut Museum selbst als „die grösste Veranstaltung mit deutschen Fahrzeugen weltweit“. Das Museum verweigert den Begriff „Nazi“. Kritiker bezeichnen das Weglassen des Begriffs als „listige Holocaustleugnung und Täuschung“ sowie als „Verherrlichung des NS‑Regimes durch Irreführung“. Bei der niederländischen Polizei liegt eine Anzeige vor. Seit 2024 ist Holocaustleugnung auch in den Niederlanden strafbar.
Das Museum präsentiert die Fahrzeuge als technisch‑historisches Kulturgut.
Die niederländische Gruppe Werkgroep Herdenk Nazi's Niet ('Arbeitsgruppe Nazis nicht gedenken') hat offiziell Einspruch eingelegt. Sie weist darauf hin, dass das Museum alle Informationen über NS‑Terror, Holocaust und Judenverfolgung vollständig auslässt, sowohl auf der Militracks‑Website als auch während der Veranstaltung. Auch Mitglieder der niederländischen Vereinigung der Widerstandskinder sowie AFA erheben Einwände. Nach Angaben der Kritiker stellt Militracks die grösste Einnahmequelle des Museums dar. Sie behaupten, das Museum verdiene jährlich rund 500.000 Euro an der Veranstaltung und tue dies „auf dem Rücken der Opfer der Gaskammern des Holocaust“. Die Gruppen erklären, das Museum lasse bewusst und absichtlich jede historische Einordnung der NS‑Verbrechen weg. Die Fahrzeuge fahren an beiden Tagen ununterbrochen mit Publikum, sodass es faktisch keine Möglichkeit zur Kontextualisierung gebe.
Auf dem Gelände findet zudem eine grosse Militärbörse statt – von Kritikern als Nazibörse bezeichnet. Auch sie gehört zu den grössten in den Niederlanden, mit rund 150 Ständen. Besucher und Organisationen berichten, dass Händler neue Gegenstände mit NS‑Symbolik, darunter Hakenkreuze, frei verkaufen – etwas, das in Deutschland streng reguliert ist. Nach Angaben dieser Gruppen fehlen jegliche kommunale Aufsicht und Kontrolle.
Die Gemeinde erteilte am 8. April die Genehmigung für Militracks. Eine inhaltliche Begründung zur NS‑Symbolik und zum Handel mit NS‑bezogenen Gegenständen auf dem Gelände fehlt. Das Museum hatte diese Aspekte in seinem Antrag nicht ausdrücklich erwähnt.
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