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Die EU als «Konsum-Klub» zum Preis der Unterwürfigkeit «Fuck the EU» war «Klassiker freimütigen Redens»

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Nicht nur digital, auch militärisch und wirtschaftlich unterwirft sich Europa den USA, kritisiert Philosoph Peter Sloterdijk.

Die USamerikanische Diplomatin Victoria Nuland bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko am 4.
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Bild: Die US-amerikanische Diplomatin Victoria Nuland bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko am 4. Juni 2014 in Warschau, Polen. / sd (PD)

21. Oktober 2015

21. 10. 2015

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«Fuck the EU» sagte Victoria Nuland, US-Politikerin und Frau des konservativen Chefideologen Robert Kagan im Februar 2014 in einem abgehörten Telefongespräch und setzte in der Ukraine den von den USA gewünschten Arsenij Jazenjuk als Ministerpräsidenten durch.

Für den Philosophen und intensiven Gegenwartsbeobachter Peter Sloterdijk war dieser Ausspruch Nulands «ein Klassiker freimütigen Redens». Denn die USA würden in ihrem «Viel-Fronten-Krieg» nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden.

In einem ganzseitigen Beitrag in der NZZ vom 5. Oktober 2015 analysiert Sloterdijk die Aussenpolitik der USA als «Waffenkrieg, Wirtschaftskrieg, Kunstkrieg, Überwachungskrieg, Agentenkrieg und Datenkrieg». Das seien Aspekte derselben Mobilisierung.

«Die Rüstungsindustrie hat keine Rezession zu befürchten»

Den Hauptfeind Hitler habe Washington nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Stalin ausgewechselt und seither einen siebzigjährigen Krieg geführt. Seit 1945 hätten US-Truppen und CIA-Agenturen in rund hundert Kriegen und «Operationen» zwischen 10 und 13 Millionen Opfer gefordert – je nach Berechnungsverfahren der so diskreten wie kompetenten Institute für strategische Studien.

Heute würde das Pentagon leicht einen Psychologen finden, der an Wladimir Putin freihändig ein Asperger-Syndrom diagnostiziere.

Und das «nach 2001 geschaffene neue Suchbild 'Terror'» werde die kommenden Jahrzehnte «zuverlässig überdauern». Deshalb habe die Rüstungsindustrie auch auf lange Sicht keine Rezession zu befürchten.

Die EU als «Konsum-Klub»...

Die Europäer hätten ihre Sicherheit nach dem Zweiten Weltkrieg den USA zu verdanken und «den Faktor Gewalt weitgehend aus ihrer Weltsicht gelöscht». Europa nehme es kommentarlos hin, wenn dieses Töten so präzise wie möglich, so grossräumig wie nötig geschehe.

Die oben erwähnten getöteten 10-13 Millionen würden die «europäsischen Medien intensiv beschweigen». Weil die Europäer jahrzehntelang das Wegsehen geübt hätten, «haben sie gelernt, den Preis ihrer passiven Sicherheit zu ignorieren». Die Beziehung zu den USA sei vorrangig davon geprägt, dass «Europa nicht im eigenen Namen tötet, sondern kommissarisch töten lässt». Derweil hätten sich die Europäer «unter dem Klubnamen 'EU' zur Optimierung ihrer Konsumansprüche zusammengeschlossen».

...zum Preis der Unterwürfigkeit

Aus diesen Gründen «verhalten sich die Europäer gegenüber der tötungsbereiten Grossmacht unterwürfig». Die Unterwürfigkeit zeige sich in fast allen Bereichen: Bei den Aktivitäten der Geheimdienste, dem Datenaustausch, den Ambitionen der Nato, der Zusammenarbeit bei Auslandeinsätzen, bei Freihandelsabkommen, beim Durchsetzen amerikanischer Kunststandards etc.

Die Vorherrschaft der US-Datentechnologie ist für Solterdijk «mehr als eine Nebenfront im amerikanischen Krieg gegen den Rest der Welt». Es gehe vielmehr um die «Schlüsseltechnologie, bei der 'hard power' und 'soft power' direkt ineinander übergehen». In diesem Sinn sei das Silicon Valley «eine zivile Aussenstelle des Pentagons».

Europa als zweite Stimme?

Das angeschlagene Europa müsse sich entscheiden, ob es sich mit einer zweiten Stimme zu Wort melden wolle. Die «hochfliegende deutsche These zur Flüchtlingsfrage» könne den Anfang einer alternativen Politik signalisieren.

Es stehe viel auf dem Spiel: «Wäre Europa imstande, mit einer Stimme zu sprechen, würde es unter den ökonomischen Grossmächten seit einer Weile an erster Stelle stehen.». Längst hatte es, wäre es einig, eigene Suchmaschinen und Social Media entwickelt, die nicht der «massiven Bürgerausspähung durch paranoische Sicherheitsdienste» unterliegen würden.

Doch unsere «amerikanischen Freunde», meint Sloterdijk, würden weiterhin jede Entwicklung fördern, die aus der Schwäche Europas einen zusätzlichen Grund für ihre Stärke mache.

Urs P. Gasche / Infosperber

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