2629

UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

«Fuck the EU» war «Klassiker freimütigen Redens» | Untergrund-Blättle

Politik

Die EU als «Konsum-Klub» zum Preis der Unterwürfigkeit «Fuck the EU» war «Klassiker freimütigen Redens»

Politik

Nicht nur digital, auch militärisch und wirtschaftlich unterwirft sich Europa den USA, kritisiert Philosoph Peter Sloterdijk.

Die USamerikanische Diplomatin Victoria Nuland bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko am 4.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Die US-amerikanische Diplomatin Victoria Nuland bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko am 4. Juni 2014 in Warschau, Polen. / sd (PD)

21. Oktober 2015

21. Okt. 2015

0
0

3 min.

Korrektur
Drucken
«Fuck the EU» sagte Victoria Nuland, US-Politikerin und Frau des konservativen Chefideologen Robert Kagan im Februar 2014 in einem abgehörten Telefongespräch und setzte in der Ukraine den von den USA gewünschten Arsenij Jazenjuk als Ministerpräsidenten durch.

Für den Philosophen und intensiven Gegenwartsbeobachter Peter Sloterdijk war dieser Ausspruch Nulands «ein Klassiker freimütigen Redens». Denn die USA würden in ihrem «Viel-Fronten-Krieg» nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden.

In einem ganzseitigen Beitrag in der NZZ vom 5. Oktober 2015 analysiert Sloterdijk die Aussenpolitik der USA als «Waffenkrieg, Wirtschaftskrieg, Kunstkrieg, Überwachungskrieg, Agentenkrieg und Datenkrieg». Das seien Aspekte derselben Mobilisierung.

«Die Rüstungsindustrie hat keine Rezession zu befürchten»

Den Hauptfeind Hitler habe Washington nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Stalin ausgewechselt und seither einen siebzigjährigen Krieg geführt. Seit 1945 hätten US-Truppen und CIA-Agenturen in rund hundert Kriegen und «Operationen» zwischen 10 und 13 Millionen Opfer gefordert – je nach Berechnungsverfahren der so diskreten wie kompetenten Institute für strategische Studien.

Heute würde das Pentagon leicht einen Psychologen finden, der an Wladimir Putin freihändig ein Asperger-Syndrom diagnostiziere.

Und das «nach 2001 geschaffene neue Suchbild 'Terror'» werde die kommenden Jahrzehnte «zuverlässig überdauern». Deshalb habe die Rüstungsindustrie auch auf lange Sicht keine Rezession zu befürchten.

Die EU als «Konsum-Klub»...

Die Europäer hätten ihre Sicherheit nach dem Zweiten Weltkrieg den USA zu verdanken und «den Faktor Gewalt weitgehend aus ihrer Weltsicht gelöscht». Europa nehme es kommentarlos hin, wenn dieses Töten so präzise wie möglich, so grossräumig wie nötig geschehe.

Die oben erwähnten getöteten 10-13 Millionen würden die «europäsischen Medien intensiv beschweigen». Weil die Europäer jahrzehntelang das Wegsehen geübt hätten, «haben sie gelernt, den Preis ihrer passiven Sicherheit zu ignorieren». Die Beziehung zu den USA sei vorrangig davon geprägt, dass «Europa nicht im eigenen Namen tötet, sondern kommissarisch töten lässt». Derweil hätten sich die Europäer «unter dem Klubnamen 'EU' zur Optimierung ihrer Konsumansprüche zusammengeschlossen».

...zum Preis der Unterwürfigkeit

Aus diesen Gründen «verhalten sich die Europäer gegenüber der tötungsbereiten Grossmacht unterwürfig». Die Unterwürfigkeit zeige sich in fast allen Bereichen: Bei den Aktivitäten der Geheimdienste, dem Datenaustausch, den Ambitionen der Nato, der Zusammenarbeit bei Auslandeinsätzen, bei Freihandelsabkommen, beim Durchsetzen amerikanischer Kunststandards etc.

Die Vorherrschaft der US-Datentechnologie ist für Solterdijk «mehr als eine Nebenfront im amerikanischen Krieg gegen den Rest der Welt». Es gehe vielmehr um die «Schlüsseltechnologie, bei der 'hard power' und 'soft power' direkt ineinander übergehen». In diesem Sinn sei das Silicon Valley «eine zivile Aussenstelle des Pentagons».

Europa als zweite Stimme?

Das angeschlagene Europa müsse sich entscheiden, ob es sich mit einer zweiten Stimme zu Wort melden wolle. Die «hochfliegende deutsche These zur Flüchtlingsfrage» könne den Anfang einer alternativen Politik signalisieren.

Es stehe viel auf dem Spiel: «Wäre Europa imstande, mit einer Stimme zu sprechen, würde es unter den ökonomischen Grossmächten seit einer Weile an erster Stelle stehen.». Längst hatte es, wäre es einig, eigene Suchmaschinen und Social Media entwickelt, die nicht der «massiven Bürgerausspähung durch paranoische Sicherheitsdienste» unterliegen würden.

Doch unsere «amerikanischen Freunde», meint Sloterdijk, würden weiterhin jede Entwicklung fördern, die aus der Schwäche Europas einen zusätzlichen Grund für ihre Stärke mache.

Urs P. Gasche / Infosperber

Mehr zum Thema...

Einsatztruppe des USMilitärs im Westen von Irak am 20.
Die USA führt einen hundertjährigen KriegEuropa muss sich von der US-Politik distanzieren

06.10.2015

- Für die bisher elf Millionen Flüchtlinge ist die Politik des Westens im Nahen und Mittleren Osten mitverantwortlich.

mehr...
Anti NATO Propaganda in Serbien.
Eingliederung der Ukraine in die NATO?NATO: sie provoziert und provoziert und provoziert

19.03.2018

- Die NATO arbeitet offen und erkennbar daran, die Armee der Ukraine zu integrieren. Europa aber verschliesst Augen und Ohren.

mehr...
Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk (rechts im Bild) zusammen mit dem Österreichischen Aussenminister Sebastian Kurz in Kiev, 10.03.2014.
Geopolitischer Konflikt zwischen den USA und RusslandSo diktieren die USA der Ukraine die Politik

07.07.2015

- Insider wissen es schon lange. Nun zeigt ein Brief von US-Senator Durbin an den ukrainischen Ministerpräsidenten, wie das abläuft.

mehr...

Aktueller Termin in Frankfurt am Main

Film: Till Eulenspiegel

Film von Rainer Simon (DDR 1974, 104 Min.) und Gespräch mit Rainer Simon, Regisseur und Drehbuchautor, Potsdam.

Dienstag, 22. Oktober 2019 - 18:00

Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt am Main

Event in Wien

Monsieur Doumani

Dienstag, 22. Oktober 2019
- 19:30 -

We Open Space


Wien

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle