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Was von der Lohnarbeit alles abhängt: Die Kosten der Arbeit

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Die Kosten der Arbeit Was von der Lohnarbeit alles abhängt

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Politik

Glaubt man den deutschen Wirtschaftsvertretern, dann sind die Arbeitskosten in Deutschland zu hoch, weshalb die Wirtschaft nicht in Schwung kommt[1].

Datum 27. Januar 2026
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Das Weihnachtsgeschäft verlief 2025 für den Einzelhandel unbefriedigend, weil es eine zu grosse Kaufzurückhaltung gab[2], sprich die Bürger von ihrem Lohn oder Gehalt nicht genügend ausgaben. Da die Kosten im Gesundheitswesen steigen, müssen die Beiträge für die gesetzlichen Krankenversicherungen, wie die Kassenchefs zum Jahresende melden, erhöht werden; das heisst, auf Löhne und Gehälter wird auch hier stärker zugegriffen. Die Sicherung der Renten erfordert ebenfalls höhere Beiträge, wie man zeitgleich hört.

Vom Lohneinkommen der Bürger hängt offenbar mehr ab, als dass der Einzelne damit bloss das eigene Auskommen auf die Reihe kriegt.

Die Kosten der Arbeit

Wenn der Präsident des Arbeitgeberverbandes die Höhe der Arbeitskosten beklagt oder der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fordert, dass mehr und länger gearbeitet wird (Bild am Sonntag, 4.1.26), dann reden beide auf ihre Art von einem Sachverhalt, der im Klartext „Ausbeutung“ heisst. Senkung der Kosten für Arbeit bedeutet ja nicht, dass dann auch weniger geleistet werden soll, sondern dass bei niedrigerem Lohn die gleiche oder grössere Leistung erbracht werden muss und sich so der Überschuss über die Lohnkosten erhöht, der Gewinn des Unternehmens also steigt. Wenn Söder mehr oder längere Arbeit fordert, dann soll diese auch nicht höher entlohnt werden, vielmehr die gleiche Bezahlung mehr an Leistung und damit an Rendite fürs Unternehmen erbringen.

Von Ausbeutung und Lohnarbeit will heute aber keiner mehr reden, drückt sich darin doch ein eindeutiges Abhängigkeitsverhältnis aus. Aus Arbeitern sind stattdessen Arbeitnehmer oder Mitarbeiter geworden, Entgeltempfänger oder Arbeitsplatzbesitzer – und wie die schönen Umschreibungen alle lauten. In der Sache hat sich allerdings seit Bestehen des Kapitalismus nichts geändert. Die Mehrzahl der Menschen verfügt über nichts weiter als ihre Arbeitskraft und muss daher jemanden finden, der diese Arbeitskraft zum eigenen Nutzen bezahlen will. Arbeiten gehen zu müssen gilt als Normalität, ein Sachzwang der als solcher gar nicht mehr wahrgenommen wird. Ein Arbeitsplatz gilt als selbstverständliches Mittel, um zu einem eigenen Einkommen zu gelangen.
Dabei ist dieser ominöse Platz gar nicht das Mittel des „Arbeitnehmers“, sondern des „Arbeitgebers“, der grosszügiger Weise etwas gibt, damit andere es sich nehmen können – so die kindische Vorstellung. In Wirklichkeit werden Arbeitsplätze nur dann zur Verfügung gestellt, wenn es sich für diejenigen lohnt, die die Verfügungsmacht über die objektiven Produktionsbedingungen besitzen. Sei es, dass der Staat durch die Bezahlung von Arbeitskräften nützliche Dienstleistungen für sich erbringen lässt, oder im anderen Fall, dass sich durch die Entlohnung von Arbeitskräften der Reichtum der besitzenden Klasse vermehren lässt. Beides mal stellt die Lohnzahlung einen Kostenfaktor dar, der beim Staat den Haushalt belastet, im Unternehmen durch seine Höhe den Gewinn schmälert.

Dass das Geld für den Lebensunterhalt der Beschäftigten beim Staat wie bei den Unternehmen als Belastung erscheint, macht schlagend deutlich, dass die hochgelobte Marktwirtschaft samt ihrer politischen Betreuung nicht zum Wohlergehen der abhängig Beschäftigten eingerichtet ist. Die Kosten für deren Lebensunterhalt verringern beim Staat seine Möglichkeiten, die Wirtschaft zu fördern, von der alles im Lande abhängig gemacht ist, eben auch die Verfügung über Staatsreichtum. Der wird benötigt, um den Staat mit Machtmitteln für die Konkurrenz mit anderen Staaten auszustatten. Auch die Produktion von Gütern dient hierzulande nicht dazu, die Menschen mit Lebensmitteln, Kleidung, Wohnungen usw. zu versorgen. Vielmehr ist alles Mittel des Geschäfts, was nichts anderes bedeutet, als dass es der Vermehrung von Reichtum bei denjenigen dient, die über Reichtum verfügen. Die also, wie es so schön heisst, ihr Geld arbeiten lassen.

Wenn die Konsumzurückhaltung beklagt wird, dann ist eigentlich die Armut der Lohn- und Gehaltsempfänger Thema, die sich wegen der gestiegenen Preise weniger von ihrem Einkommen leisten können. Damit wird aber auch eine weitere Funktion der Löhne und Gehälter angesprochen: Die Güter, die Unternehmen herstellen, um einen Gewinn zu erzielen, müssen wieder zu Geld gemacht, also verkauft werden. Als Käufer kommen im grossen Umfang diejenigen in Frage, die zu den Lohn- und Gehaltsempfängern gehören. Das macht einen Widerspruch am Lohn deutlich: Als Kost kann er gar nicht niedrig genug sein, zur Realisierung der Gewinne als Kaufkraft gar nicht hoch genug. Ein Umstand, an den Gewerkschafter gerne erinnern, wenn es um Lohnverhandlungen geht.

Das hilft aber nicht, es bleibt ein schwaches Argument: Der Lohn geht bei der Zahlung in die Rechnung des eigenen Unternehmens ein, beim Verkauf strebt das Unternehmen den Zugriff auf das Geld aller Bürger an. Es ist ja nicht die eigene Belegschaft, die das Produkt der Firma kaufen soll. Mit der Lohnzahlung bekommen die Beschäftigten keineswegs das Äquivalent ihrer Leistung erstattet – wäre das so, gäbe es keinen Gewinn mehr fürs Unternehmen. Mit der Bezahlung erhält das Unternehmen vielmehr die Verfügungsmacht über die Arbeitskraft, damit diese in der bezahlten Zeit ein Mehr an Leistung vollbringt, als sie Kosten verursacht hat. Von daher sind die eigenen Beschäftigten gar nicht in der Lage, das von ihnen hergestellte Produkt zu kaufen.

So stellt die notwendigerweise beschränkte Zahlungsfähigkeit der lohnabhängig Beschäftigten – eine Verrücktheit, die zum System gehört – eine entscheidende Schranke für die Realisierung des produzierten Reichtums dar. Unternehmen machen sich davon unabhängig, indem sie mit Unterstützung des eigenen Staates auf die Märkte anderer Länder und die dortige Kaufkraft zugreifen. Eine tolle „Lösung“, die schon einiges davon verrät, warum es im modernen Staatenverkehr so ungemütlich zugeht.

Sozialstaat zu teuer

Die Klage über die zu hohen Sozialkosten oder die Unbezahlbarkeit des Sozialstaats thematisiert im Prinzip die Unsicherheit der Lohnarbeiterexistenz mit ihren berühmten Wechselfällen: Arbeitslosigkeit, Krankheit und Einkommenslosigkeit im Alter. Die Abhängigkeit des Lohneinkommens vom Gang des Geschäfts macht das Leben von Lohnarbeit zu einer per se unsicheren Angelegenheit. Arbeitskräfte gibt es ja immer im Überfluss, notfalls oder vorausschauend werden Migranten angeworben. Der Zwang, arbeiten zu müssen, schliesst gerade nicht ein, dass jedem die Gelegenheit dazu geboten wird. Zeiten von Arbeitslosigkeit gehören zum Arbeitsleben selbstverständlich dazu und das bedeutet Einkommenslosigkeit.

Die absolute Verarmung der Arbeitskräfte würde allerdings das Funktionieren der Gesellschaft gefährden, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Arme versuchen sich irgendwie über Wasser zu halten und das auch unter Missachtung von Gesetzen. Verelendete Massen bilden zudem eine Seuchenquelle, Mangelernährung und Ähnliches beeinträchtigen den Volkskörper. Zudem sind nicht alle bereit, diese Gefährdung ihres Lebens hinzunehmen, und bilden so schnell eine Unruhequelle.
Dies alles hat den Sozialstaat hervorgebracht, um damit auch – wie seinerzeit unter Bismarck deutlich gemacht – Aufstandsbestrebungen zu begegnen. Die Leistung des Sozialstaates besteht im Einsatz seiner Gewalt, mit der er die Lohnabhängigen dazu zwingt, für die Notlagen des Lohnarbeiterdaseins Vorsorge zu treffen, und zwar in Form von Zwangsversicherungen gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit und Arbeitsunfähigkeit im Alter. Eine seltsame Fürsorglichkeit ist das, denn um eigenständig eine solche Vorsorge zu treffen, müsste der Lohn enorm steigen. Dann könnte zwar der Einzelne Rücklagen für die Wechselfälle des Lohnarbeiterlebens schaffen, das würde aber das Wachstum der Wirtschaft behindern. Deshalb nimmt der Staat die Gesamtheit der Lohnarbeiter für die „Sozialversicherungen“ in die Pflicht.

Da die Beiträge dafür aus den Löhnen bezahlt werden – für die Unternehmer stellen sie einen Aufschlag auf die mit den Gewerkschaften vereinbarten Löhne dar, für die Arbeiter einen Abzug vom gezahlten Lohn –, ist die Finanzierung der Versicherungen immer eine prekäre Sache. Das Resultat sieht entsprechend aus: Mit der Arbeitslosenversicherung wird keinesfalls der Lebensunterhalt gesichert, sondern für einen begrenzten Zeitraum bis zu zwei Jahren erhalten die vom Kapital überflüssig Gemachten in etwa zwei Drittel ihres früheren Einkommens, damit sie sich auch weiterhin als Reservearmee für das Kapital tauglich halten. Wer länger als die vom Staat festgelegte Frist arbeitslos ist, gilt als Sozialfall, dem nicht einmal das Existenzminimum aus Steuermitteln zugebilligt wir, wie die Schlangen bei den Tafeln beweisen. Was nicht heisst, dass sie aus dem Zwang entlassen sind, sich weiterhin dem Kapital zur Verfügung zu stellen, auch wenn der angebotene Lohn für den Lebensunterhalt nicht reicht – wie die aktuelle Diskussion um das Bürgergeld und seine Abschaffung deutlich gemacht hat.

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung finanziert sich ebenfalls überwiegend aus den Löhnen. So sind nicht nur die Lohnabhängigen durch ihre Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert, damit sie im Krankheitsfall medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können, sondern auch ihre Ehepartner, sofern sie nicht selbst berufstätig sind, sowie ihre Kinder. Das Gesundheitswesen steht der gesamten Bevölkerung zur Verfügung, auch denjenigen, die nicht arbeiten können. Damit stellt sich für die politische Aufsicht die Frage, wie die verschiedenen Bevölkerungsgruppen an der Finanzierung zu beteiligen sind.

Die oberen zehn Prozent der Einkommensbezieher können sich privat gegen die Kosten im Krankheitsfall versichern. Bei Arbeitslosen, Menschen, die wegen Krankheit oder Behinderung nicht arbeiten können und daher über kein Einkommen verfügen, stellt sich die Beteiligung an der Finanzierung des Gesundheitswesens über die Krankenkassen anders dar. Es werden auch Mittel aus der Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung an die Krankenkassen als Beiträge überwiesen und der Staat zahlt zudem über die Grundsicherung Beiträge an die Krankenkassen zur Gesunderhaltung seiner Gesellschaft.

Damit sind die Kassen und die ganze Finanzierung des Gesundheitswesens abhängig vom Gang der Geschäfte und der darauf bezogenen Politik. Ist der Beschäftigungsstand hoch, weil das Geschäft floriert, fliessen viele Beiträge den Krankenkassen zu und können entsprechend den gesetzlichen Verpflichtungen Ärzte und Krankenhäuser bezahlen. Stockt das Geschäft, gibt es weniger Beiträge und somit gleich die Frage, in welchem Umfang aus der Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie dem Staatshaushalt den Krankenkassen Mittel zukommen können. Da das Arbeitslosengeld geringer ist als das frühere Einkommen, sind auch die Beiträge zur Krankenversicherung niedriger.

Das Gleiche gilt für die Rentenversicherung. Die schlechte Konjunktur macht aber die Arbeitslosen und Rentner nicht gesünder und verringert nicht den Bedarf nach medizinischen Leistungen. Auch zahlt der Staat für die verschiedenen Sozialfälle niedrigere Beiträge, weswegen die Kassen darüber klagen, dass sie unentgeltlich Leistungen für die Bürgergeld-, jetzt Grundsicherungsgeld-Bezieher erbringen müssen. Die so entstehenden finanziellen Löcher werden dann über die Zusatzbeiträge der Lohnempfänger ausgeglichen, die keinen Aufschlag auf die Lohnkosten, aber einen weiteren Abzug vom Lebensunterhalt darstellen.
Die Rentenversicherung wird ebenfalls über die Löhne finanziert. Die aktuell Beschäftigten kommen für den Lebensunterhalt der Rentner auf. Und damit hat man ein ganz anderes Verhältnis vor sich, als die Leitmedien mit grösster Beharrlichkeit der Öffentlichkeit weis machen wollen: Es hängt eben nicht vom quantitativen Verhältnis der Alten zu den Jungen ab, wie das Bild vom demographischen Wandel immer wieder vorstellig machen will. Bestimmt ist das Verhältnis durch die Zahl derer, die das Kapital entsprechend seinem Geschäftsgang beschäftigen will, und die Anzahl derjenigen, die sich in Rente befinden.

Beide Seiten werden massgeblich durch die Kapitalseite bestimmt – einerseits durch den Umfang der Beschäftigten und die Höhe ihrer Löhne, andererseits durch die Zahl derjenigen, die im Rahmen von Sozialplänen unter Mitwirkung der Gewerkschaften frühzeitig in den Ruhestand geschickt werden. Zudem benutzt der Staat auch die Rentenversicherung für seine Zwecke, ohne dieser Kasse entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen. Weil dennoch die Löcher in den Kassen immer grösser werden, schlägt sich dies in steigenden Zuschüssen aus dem Staatshaushalt nieder.

Alles in Allem zeigen die Sozialversicherungen, dass die Unsicherheit des Lohnarbeiterdaseins auch durch sie nicht behoben wird. Sie mildern die Folgen ab, weisen aber die gleichen Unsicherheiten auf. Läuft das Geschäft zu Zeiten des Booms, sind die Kassen einigermassen gefüllt, schwächt es sich ab, wird der Ruf nach Reformen laut – und dann gelten die Sozialleistungen als nicht mehr bezahlbar, wie Merz, Söder und Co. derzeit verlauten lassen. Das heisst natürlich zugleich, dass bei vielen Leistungskürzungen dennoch verstärkt auf die Löhne zugegriffen wird.

Steuern rauf und runter

Zu Beginn eines jeden Jahres wird den Bürgern vorgerechnet, was sich für sie im neuen Jahr alles verändert. Die Regierung hat für Lohn- und Gehaltsempfänger auf der einen Seite die Steuern in geringen Dosen reduziert und schlägt mit der gestiegenen CO2-Steuer bei Heizung, Benzin und Energie auf der anderen Seite zu, so dass von den angeblichen Wohltaten nichts bleibt. Wer auf seine Lohn- oder Gehaltsabrechnung schaut, muss stets feststellen, dass schon fast die Hälfte seines Einkommens vom Staat beschlagnahmt ist, bevor er überhaupt seine Miete und sonstigen festen Kosten bezahlt hat; so schrumpft das, was zu seiner freien Verfügung steht auf einen geringen Anteil.

Neben den Sozialabgaben wird der Lohn- und Gehaltsempfänger auch als Steuerzahler zur Kasse gebeten und damit zum Ausstatter der staatlichen Haushalte gemacht, aus denen die verschiedenen Staatsabteilungen wie Bund, Länder und Gemeinden ihre hoheitlichen Aufgaben finanzieren – vom Kindergarten über Wirtschaftsförderung bis zur Armee. Der Staat ist allerdings keine finanzielle Umverteilungsstelle, die den Bürgern Geld abnimmt, um es ihnen dann wieder in Form von Dienstleistungen wie Schule und Strassen zukommen zu lassen. Ein nicht unerheblicher Teil – der, wie die gegenwärtige Aufrüstung zeigt, nicht verhandelbar ist – dient der Ausstattung des Staates mit Gewaltmitteln und der Einflussnahme auf andere Staaten.

Auch wenn der Anteil der Lohn- und Einkommenssteuer lediglich ca. 35 Prozent des staatlichen Gesamtsteueraufkommens ausmacht[3], ist das nicht die ganze Wahrheit. Die Lohn- und Gehaltsempfänger werden ja auch als Verbraucher zur Kasse gebeten, etwa in Form der Mehrwertsteuer. Während Unternehmen diese als Vorsteuer steuermindernd geltend machen können, bleibt sie beim Endverbraucher hängen, also bei denjenigen, die von Lohnarbeit leben müssen. Hinzu kommen dann noch Energiesteuer, Versicherungssteuer, Tabaksteuer, Kraftfahrzeugsteuer usw., so dass Lohn- und Gehaltsempfänger im Endeffekt zu den bevorzugten Ausstattern staatlicher Haushalte gehören.

Während Unternehmen immer wieder über ihre enorme Steuerbelastung klagen und dafür Gehör bei der Politik finden, nimmt die überwiegende Zahl der Bürger, die als Lohn- und Gehaltsempfänger, Verbraucher und Beitragszahler umfangreich zur Kasse gebeten werden, dieses Schröpfen im Prinzip als notwendig hin. Allenfalls werden gewisse Ungerechtigkeiten oder die Verschwendung der Mittel durch die Politik beklagt, als ob von solchen Verstössen die Höhe der Belastungen abhängen würde und nicht von den staatlichen Vorhaben wie z.B. jetzt im Fall der BRD, die führende europäische Militärmacht werden will.

Die doppelte Abhängigkeit

Lohnarbeiter sind sowohl von der Beschäftigung durch einen „Arbeitgeber“ und damit von den Konjunkturen des Geschäfts abhängig als auch von den verschiedenen Leistungen des Sozialstaates. Umgekehrt ist aber auch der ganze Reichtum im Lande – sowohl der Wirtschaft wie auch des Staates – davon abhängig, dass Lohnabhängige brav Tag für Tag ihre Leistung vollbringen. Diese Form der Abhängigkeit ist heutzutage kein Thema mehr, während sie früher einmal in die Losung der Arbeiterbewegung mündete: „Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will“.

Stark sind Arbeiter alleine nicht, sondern da macht sich die ganze Macht der Konkurrenz gegen sie geltend. Schliesslich gibt es mehr Menschen, die auf die Bezahlung ihrer Arbeit angewiesen sind, als vom Kapital effektiv nachgefragt werden. Das können Unternehmer wie Staat für sich bei der Lohngestaltung nutzen, sowohl im Hinblick auf die Höhe als auch auf die Leistung, die dafür zu erbringen ist. Stark sind Arbeiter und Angestellte nur, wenn sie sich zusammenschliessen und die Konkurrenz untereinander aufheben. Doch nicht jeder Zusammenschluss führt auch zum Erfolg. So treten etwa die Mitgliedsverbände des Deutschen Gewerkschaftsbundes für „Gute Arbeit“ ein. Da stellt sich gleich die Frage, wie diese aussehen soll. Nach den Ausführungen der Gewerkschaftsvertreter sind die Voraussetzungen dafür ein tariflich geregelter Lohn, gewerkschaftliche Mitbestimmung durch Betriebsräte und sichere Arbeitsplätze.

Eine seltsame Kombination ist das. Denn erstens sagt ein tariflich geregelter Lohn noch nichts über die Höhe der Bezahlung aus – in den letzten Jahren ist ja diese Bedingung darauf hinausgelaufen, dass mit den Tarifabschlüssen die Reallöhne gesunken sind. Betriebsräte sorgen sich zweitens um den Erfolg ihres Betriebs in Konkurrenz mit anderen, also um erfolgreiche Gewinnerwirtschaftung, die die Kosten nicht aus dem Ruder laufen lässt; und der Erfolg soll dann die Arbeitsplätze sicher machen. Aber drittens gibt es sichere Arbeitsplätze im Kapitalismus überhaupt nicht; sicher sind sie nur solange und in dem Umfang, wie sie sich fürs Kapital lohnen und Gewinne abwerfen. Um das zu gewährleisten, gibt es ständig Rationalisierungen und Entlassungen.

Mit ihren Forderungen tritt die Gewerkschaft für lohnende Arbeitsplätze ein, handelt per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung Bezahlungen aus, die dem Unternehmen Gewinne sichern, und erhält Arbeitsplätze in dem Umfang, wie ihn das Unternehmen für seine Geschäftsstrategie einplant; der Rest der Belegschaft wird mit Abfindungen und Sozialplänen entlassen. Solche Gewerkschaften sind also alles andere als die Organisation eines „starken Arms“. Die DGB-Mitgliedsverbände haben sich einseitig in diesem Abhängigkeitsverhältnis eingerichtet und wollen die Abhängigkeit des Kapitals vom Mitmachen der Beschäftigten gar nicht geltend machen.

Das Hauptargument dieser Sorte Arbeitervertreter besteht im Verweis darauf, dass die Unternehmen auch Zugriff auf die Arbeitskräfte im Ausland haben und Arbeitsplätze im Inland abbauen können. Deshalb treten sie für den Erfolg des Kapitalstandorts Deutschland ein. Dabei hat die deutsche Politik einiges dafür getan, damit deutsches Kapital in aller Welt sich sowohl der Menschen wie der Märkte bedienen kann. Der Verweis auf die Internationalität des Kapitals ist damit eigentlich ein Hinweis darauf, dass auch Arbeiter sich nicht national, sondern international organisieren müssen, wollen sie der Macht des Kapitals erfolgreich etwas entgegensetzen. Mit einem DGB, der schon das Bekenntnis zur Nation im Namen führt, ist das nicht zu machen.

Suitbert Cechura

Fussnoten:

[1] „Deutschland kann mehr“ – Wie jetzt Reformen und Wachstum gelingen, arbeitgeber.de/, 25.11.2025.

[2] „Der deutsche Einzelhandel blickt auf ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft. Viele Kundinnen und Kunden hielten ihr Geld aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit zusammen“, mdr.de, 23.12.2025.

[3] Bundeszentrale für politische Bildung: „Steuereinnahmen nach Steuerarten“, bpb.de, 13.4.2023.