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Unwürdige Präsenz: Warum Wolfram Weimer in Buchenwald nichts zu suchen hat

Ein offener Brief der Lagergemeinschaft an den Kulturstaatsminister Unwürdige Präsenz: Warum Wolfram Weimer in Buchenwald nichts zu suchen hat

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Politik

Seit zwei Woche ist bekannt, dass sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer als Redner in der Gedenkstätte Buchenwald zur Gedenkveranstaltung des Jahrestages der Selbstbefreiung eingeladen hat.

Wolfram Weimer, 16. November 2013.
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Wolfram Weimer, 16. November 2013. Foto: blu-news.org (CC-BY-SA 2.0 cropped)

Datum 10. April 2026
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Angesichts seines skandalösen Auftretens in verschiedenen kulturpolitischen Konflikten in den letzten Wochen fordern die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/ Freundeskreis e.V. und die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V. Herrn Weimer auf, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen, um die Würde des historischen Ortes nicht mit seinen Konflikten zu überlagern.

Sehr geehrter Herr Kulturstaatsminister Weimer,

mit Irritation haben wir erfahren, dass Sie beabsichtigen im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald - von innen durch die Häftlinge, von aussen durch die US-Armee–eine Ansprache auf dem ehemaligen Appellplatz halten wollen.
Dort haben die Überlebenden eine Woche nach der Befreiung den „Schwur von Buchenwald“geleistet.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Dafür sind unsere Väter und Grossväter, unsere politischen Vorläufer den Rest ihres Lebens nach ihrer Befreiung eingetreten.

Tatsächlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschäftigt hätten. Auch haben Sie es an vielen Punkten an Verständnis für die Überlebenden dieses und anderer Lager missen lassen. Um nur ein Beispiel zu nennen:

Das von Ihnen mehrfach benutzte und aus dem Zusammenhang gerissene Zitat von Heinrich Heine „Der Taufschein ist die Eintrittskarte zur Europäischen Kultur“ bedeutet für viele der ehemaligen Häftlinge des Lagers Buchenwald–und auch uns als Nachkommen und politischen Nachfolgern von Überlebenden, dass wir aus ihrer Sicht nicht zum Bereich der europäischen Kultur gehören.

Etliche von uns haben jüdische Wurzeln oder sind Atheist:innen. Auch ihre aktuelle Politik, insbesondere der Ausschluss der drei nominierten Buchläden aus der Preis- verleihung des Buchhandlungspreises lassen uns daran zweifeln.

Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt.

Wir fordern Sie daher dringend auf, halten Sie die Gedenkstätte Buchenwald und das Gedenken an die Frauen, Männer und Kinder, die an diesem Ort eingekerkert waren und um ihr Überleben gekämpft haben, aus ihren aktuellen Konflikten um die Ausrichtung bundesdeutscher Kulturpolitik, die Sie durch die Kontroversen um die Berlinale und die Verleihung des Buchhandelspreises ausgelöst haben, heraus.

Verzichten Sie auf einen öffentlichen Auftritt am 12. April auf dem Ettersberg - ein Auftritt, der sicherlich zu öffentlichen Reaktionen führen wird, die diesem historischen Ort und der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes nicht zuträglich ist.

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