„Sauberes Gas – dreckige Lüge“ Rügen: Kanu-Protest vor LNG-Terminal

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Politik

Mit einer symbolischen Protestaktion im Wasser haben Unterstützer:innen der Letzten Generation am Samstagmorgen gegen 8.15 Uhr ihr einwöchiges Protestcamp auf der Ostseeinsel Rügen eingeläutet.

Unterstützer:innen der Letzten Generation vor dem Rügener LNG-Terminal (im Hintergrund).
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Unterstützer:innen der Letzten Generation vor dem Rügener LNG-Terminal (im Hintergrund). Foto: zVg

Datum 6. Juli 2024
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In Kanus positionierten sie sich vor dem Rügener LNG-Terminal und hissten dabei ein riesiges Banner mit der Aufschrift: „Sauberes Gas – dreckige Lüge“. Anschliessend verteilten sie um sich herum das Wasser-Färbemittel Uranin, wodurch sich das Meer giftgrün färbte. Als Teil eines grossen Bündnisses aus Klimagerechtigkeitsgruppen kritisieren sie den Import von klimaschädlichem, unter katastrophalen Bedingungen gewonnenem Fracking-Gas und fordern ein sofortiges Moratorium für den LNG-Ausbau.

Protestbeteiligte Imke Bludszuweit (23) erklärt: „Wir sind heute hier, weil wir den politischen Verantwortlichen ihre Lügen nicht länger durchgehen lassen: Was an dem LNG-Terminal auf Rügen ankommt, ist nichts anderes als importiertes Leid. Fracking-Gas ist alles andere als sauber – die Folgen reichen von Gesundheitsschäden entlang der gesamten Produktionskette bis hin zu massiven Emissionen, die unser aller Lebensgrundlagen verheizen. Als grösster Gasimporteur der EU muss Deutschland jetzt handeln, den Ausbau von LNG-Terminals stoppen und Fördermittel streichen!“

Die Gewinnung von Fracking-Gas in den USA führt nachweislich zu Gesundheitsschäden. Das Trinkwasser wird verschmutzt, das Krebsrisiko steigt enorm. Auch die Auswirkungen auf die Erderhitzung sind unbestritten verheerend: Durch Leckagen gelangen permanent erhebliche Mengen Methan in die Atmosphäre, ein Treibhausgas, das rund 28 Mal klimaschädlicher ist als CO2. Zudem gibt es zahlreiche gescheiterte Erdöl- und Erdgasbohrungen, aus denen seit Jahren grosse Mengen Methan strömen. Hinzu kommt die energieintensive Verschiffung mit Tankern über den Atlantik nach Europa. Die katastrophalen Auswirkungen des Brennstoffs werden immer wieder bewusst schöngerechnet, indem die oben genannten zusätzlichen Emissionen vernachlässigt werden.

Rolf Meyer (56) aus Bremen, Sprecher der Letzten Generation, ist für das Protestcamp nach Rügen gereist: „Der Fracking-Gas-Umschlagplatz auf Rügen reiht sich in eine endlose Kette an Fällen, in denen die Entscheidungen der Bürger:innen übergangen und Profit über das Wohl der Bevölkerung gestellt wird. Ab heute kommen wir eine Woche lang mit den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Akteuren zusammen, um zu erörtern, wie wir diese gefährliche Entwicklung gemeinsam stoppen können.“

Vom 6. bis 13. Juli versammeln sich Menschen aus ganz Deutschland auf Rügen, um zu protestieren, sich auszutauschen und zu vernetzen. Am Samstag um 13 Uhr soll in Neu Mukran auf Rügen eine Grossdemonstration starten, initiiert von der Bürgerinitiative „Lebenswertes Rügen“. Als Teilnehmende werden neben der Letzten Generation auch andere Bündnisse wie Scientist Rebellion, Fridays for Future oder die Umweltorganisation NABU erwartet.

Die Demonstrierenden fordern eine Politik, die sich auf die Seite der Bevölkerung stellt und aufhört, Profite und kurzfristige wirtschaftliche Interessen über Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu stellen.

pm